Jamaika-Krach – Stimmen aus der Region: „Alle noch auf Endorphin“

Die Abgeordneten der Region zeigen sich angesichts des Scheiterns überrascht. Wie es weitergeht, ist für viele unklar.

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Am Sonntagabend sind die Verhandlungen gescheitert.  Foto: 

Die meisten Menschen in Ulm und der Region waren am späten Sonntag mit dem Gefühl eingeschlafen, dass in Berlin fleißig verhandelt wird. Als sie aufwachten, lagen die Jamaika-Pläne in Scherben. Auch die Bundestagsabgeordneten aus den Wahlkreisen Ulm/Alb-Donau und Neu-Ulm zeigten sich angesichts des Scheiterns verblüfft.

Ronja Kemmer, CDU-Abgeordnete aus Erbach: „Die Nachricht vom Scheitern hat mich zu diesen Zeitpunkt überrascht. Wir waren auf zahlreichen Themenfeldern, gerade auch bei konfliktreichen, sehr weit gediehen.“ In den Augen der 28-Jährigen handelt die FDP verantwortungslos. Und nun, Frau Kemmer? „Jetzt gilt es, erst mal einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir werden in den Gremien darüber beraten, wie es weitergehen kann.“

Der frischgebackene FDP-Abgeordnete Alexander Kulitz aus Ulm sagt: „Inszeniert war das sicher nicht.“ Andererseits musste er angesichts des Abganges seines Parteichefs Lindner eingestehen: „Ob das taktisch so klug war, sei dahingestellt.“ Nach dem Besuch der Fraktionssitzung am Montag um 16 Uhr sei ihm aber klar geworden, dass der Abbruch „alternativlos“ war. „Es gab zuletzt noch mehr als 120 offene Punkte“, so Kulitz.

„Wir sind alle noch auf Endorphin“, sagt Ekin Deligöz. Die Grünen-Abgeordnete aus Senden findet das Scheitern der Sondierung „ganz furchtbar“. Schließlich sei man nach schwierigen Verhandlungstagen auf der Zielgeraden gewesen.  „Der Abgang der FDP war organisierte Spontaneität“, kritisiert sie. Die Liberalen hätten nach dem Motto „Partei first“ agiert. Dabei sei man im Grünen-Lager im Vorblick auf die anstehenden Landtagswahlen in Bayern allenfalls davon ausgegangen, dass die CSU hinschmeißt. Deligöz geht es nun um den Blick nach vorne. Und dem kann sie nur wenig abgewinnen. Eine Minderheitsregierung hielte sie für „das Wirtschaftsschädlichste, was wir machen können“.

„Der Auszug der FDP war für uns überraschend“, sagt Georg Nüßlein. Der CSU-Mann aus dem Wahlkreis Neu-Ulm, der für seine Partei bei den Sondierungen die Themen Klima, Umwelt und Energie verhandelt hatte, glaubt, dass die FDP den Grünen nicht mehr vertrauen konnte. Das kann der 48-Jährige nachvollziehen, weil auch er die Verhandlungsführung der Grünen als „eigentümlich“ erlebte. „Ich verstehe die FDP in einer gewissen Weise. Warum sollte sie sich nach dem hart erkämpften Wiedereinzug in den Bundestag jetzt an einem erkennbar nicht stabilen Bündnis beteiligen.“ Jetzt nach dem Scheitern setzt der CSU-Politiker auf die Sozialdemokraten. „Ich glaube nicht, dass sich die SPD ihrer staatsbürgerlichen Verantwortung entziehen kann.“

Auch die SPD kommentiert die Situation. „Für mich überraschend, da ich geglaubt habe, dass alle vier Partner dieses Bündnisses sehnsüchtig darauf gewartet haben, endlich wieder in der Regierung zu sitzen“, sagt Hilde Mattheis, die SPD-Parlamentarierin aus Söflingen. Ihre Forderung: „Die SPD kann und darf jetzt nicht Steigbügelhalter für eine gescheiterte Kanzlerin sein.“

Das sieht auch ihr Kollege Karl-Heinz Brunner aus Illertissen so: „Ich stehe zum Nein zur GroKo. Verantwortung übernehmen heißt eben auch die Opposition nicht der AfD zu überlassen. Wer mehr SPD möchte, der kann und muss sie halt auch wählen.“


Kanzler-Frage Nach dem Scheitern der Sondierung steht auch Angela Merkel unter erhöhtem Druck. „Wenn es Neuwahlen gibt, ist sie wohl weg“, orakelt Ekin Deligöz (Grüne). Wer Merkel aus Reihen der CDU/CSU nachfolgen könnte, vermag die Sendener Abgeordnete nicht abzusehen.

Seehofer-Zukunft Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer wird es wohl nicht sein. Selbst Parteifreund Georg Nüßlein, der Seehofers Verhandlungsführung bei der Sondierung als „genial“ und „stabil“ rühmt, vermutet, dass die Personaldebatte in der CSU jetzt nochmal Fahrt aufnehmen wird. „Das kann man nicht wegdiskutieren.“

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Kommentare

21.11.2017 19:32 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „FDP: wenig konstruktiv””

Ach, Herr Ritter, Sie sind ein Träumer! Warten wir einfach mal ab, dann werden wir schon sehen, was jetzt passiert. Wahlergebnisse bilden immer die Vielfalt der Meinungen in der Bevölkerung ab, und da ist einfach Kompromissfähigkeit gefordert, um eine handlungsfähige Regierung bilden zu können. Und ohne handlungsfähige Regierung kommen wir auch nicht sehr lange aus.

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21.11.2017 19:16 Uhr

» Vor allem werden bei eventuellen Neuwahlen die gefährlichen Grünen

unter die 5% fallen (hoffentlich). Dann wäre für das Land schon viel gewonnen.«
Jürgen Ritter

UN wos isch sell für ein Ritter Jürgen !???:
^Ritter (mittelhochdeutsch: rîtære, rîter, riter, ritter, mittellat. miles, neulat. eques auratus, franz. chevalier, engl. knight, ital. cavaliere, span. caballero, poln. rycerz, slaw. vitez, vityaz, ungar. vitéz) ist ursprünglich die Bezeichnung für die wehrhaften, schwer gerüsteten, berittenen Krieger des europäischen Mittelalters.^

https://de.wikipedia.org/wiki/Ritter

^^Jürgen .georgos = der Landarbeiter, der Bauer (Altgriechisch) ge = die Erde (Altgriechisch) ergo = arbeiten (Altgriechisch)^^
https://www.vorname.com/name,J%c3%bcrgen.html

Isch seller Jürgen Ritter so oin ge= gegen die Erde ergo= arbeitender mit Traktor berittener Krieger weller mit den Giften der Chemieindustrie die Erde UNd die Umwelt so überaus massiv bearbeiten will !, dass ergo Die Grünen – welle dieses Raubrittertum jener Jürgen unterbinden wollen – für jenen Jürgen solchen Raub-Rittertums so gefährlich sind !!!????

Oder isch er gar so oin Bauer der Chemie-usw.-Industrie weller als Krieger der Vergiftungsindustrie gegen jene so gefährlichen Grünen kämpft !??, welle die Vergiftungsindustrie so stark einengen wollen !!!????

Roundup (Glyphosat) - Das stille Gift
https://www.youtube.com/watch?v=D1VWcSaUiHo


Gift im Acker Glyphosat, die unterschätzte Gefahr

https://www.youtube.com/watch?v=cloxUb2eRYA

Monsanto-Tribunal erkennt Ökozid durch Glyphosat | Roundup, der Prozess - arte Doku HD 2017
https://www.youtube.com/watch?v=y3mUwYNVtSM

Chronisch vergiftet - Monsanto und Glyphosat (ARTE Doku)
https://www.youtube.com/watch?v=3ivpJx3gkMY



Glyphosat-Gefahren
Giftiger Wind
von:
• Christoph Kapalschinski
Datum:
• 19.10.2017 16:33 Uhr
Das umstrittene Unkrautgift Glyphosat könnte über Erdpartikel von mehr Menschen eingeatmet werden als bislang angenommen. Eine neue Studie warnt: Fast die Hälfte der getesteten Böden in Europa ist belastet.

http://www.handelsblatt.com/technik/energie-umwelt/glyphosat-gefahren-giftiger-wind-/20478292.html

https://www.mdr.de/investigativ/themen/glyphosat156.html



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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
Immanuel Kant

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21.11.2017 14:35 Uhr

Antwort auf „FDP: wenig konstruktiv”

...doch, die FDP hat genau die nötige Reife und charakterliche Größe bewiesen, indem sie nicht alle grundlegenden Punkte durch irgendwelche fadenscheinige Kompromisse verwässert haben wollte.
Großes Lob, endlich mal eine Partei, die Standhaftigkeit beweist.
Wie soll es weitergehen? Ganz einfach, die Parteien sollten sich personell neu aufstellen und dann bei Neuwahlen sowohl durch klar definierte Inhalte als auch mit besserem Personal antreten.
Der Wähler wird dies dann entsprechend honorieren.
Menschen wie Sie, Herr Stoll, haben Angst vor Veränderungen und plädieren immer für ein "Weiterso".
Gott sei Dank wird es dieses Weiterso nun nicht mehr geben.
Vor allem werden bei eventuellen Neuwahlen die gefährlichen Grünen unter die 5% fallen (hoffentlich). Dann wäre für das Land schon viel gewonnen.

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21.11.2017 10:54 Uhr

FDP: wenig konstruktiv

Leider besaß die Verhandlungsdelegation der FDP nicht die nötige Reife und charakterliche Größe, um die gebotene Verantwortung für unser Land zu übernehmen. Haben sich die Herren vielleicht schon einmal Gedanken gemacht, wie es jetzt weitergehen soll? Jamaika war die einzig realistische Lösung, die das Wahlergebnis hergibt. Sollen wir jetzt so lange Neuwahlen veranstalten, bis die FDP wieder unter die 5%-Hürde gefallen ist?

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21.11.2017 09:47 Uhr

Respekt für die FDP

Man muss sich nicht auf der politischen Wellenlänge der FDP bewegen, um der glaubwürdigen und ebenso würdigen Entscheidung der Partei Lindners Respekt zu zollen. Alle Achtung. Die Grünen werden mit einer unglaubwürdigen Sentimentalität ihre Würde nicht mehr aus dem Keller hieven können. Wer es mit realen Flüchtlingen wirklich gut meint, nimmt Geld und Material in die Hand, um ihnen in einer manöverierfähigen Entfernung von ihrer Heimat eine menschenwürdige Unterkunft zu ermöglichen - und das wird wesentlich kleinere Summen ausmachen als die zwanghafte Konfrontation von Kulturen, die einen langen Weg vor sich haben, bis sie kompatibel werden.

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