Zwischen Film und Bühne: Oliver Haffner inszeniert erneut in Ulm

Er hat in Ulm den preisgekrönten Kinofilm "Ein Geschenk der Götter" gedreht, nun inszeniert er zum zweiten Mal am Theater Ulm: Oliver Haffner. Am Donnerstag feiert "Der goldene Drache" Premiere.

MAGDI ABOUL-KHEIR |

Ulm und Oliver Haffner, das ist eine echte Beziehungskiste geworden. "Ungeplanterweise, aber sehr erfreulich", wie der 40-jährige Regisseur sagt. Vor zwei Jahren ist er von München nach Berlin gezogen, und just seitdem ist er auch regelmäßig in Ulm zu Gast. In der Oscar-Nacht hat er gerade für seinen in Ulm gedrehten zweiten Spielfilm "Ein Geschenk der Götter" im Dietrich eine "Marlene" überreicht bekommen. Und morgen feiert seine Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs Stück "Der goldene Drache" Premiere am Theater Ulm.

Im Herbst 2013 hatte Haffner "Ein Geschenk der Götter" gedreht: die meisten der 28 Drehtage in Ulm - und auch drei Nächte lang am Theater. Es ist schließlich eine Theatergeschichte rund um eine arbeitslose Schauspielerin Anna, die vom Jobcenter dazu verdonnert wird, mit anderen Schwervermittelbaren eine "Antigone" einzustudieren.

Der Film wurde für die vitale, präzise Inszenierung, seine soziale Botschaft und sein großes Herz gelobt. Er wurde auf dem Münchner Filmfest ausgezeichnet und gewann auf den Biberacher Filmfestspielen den Goldenen Biber, im Herbst wurde er vom Arsenal Filmverleih in die Kinos gebracht. 30.000 Besucher fand er seitdem. Damit ist Haffner mehr als zufrieden, zumal angesichts des Mini-Budgets. Und in Ulm war der Film sowieso ein Hit - in der Lichtburg läuft er noch immer an jedem Wochenende einmal.

Während der Dreharbeiten fragte Theaterintendant Andreas von Studnitz Haffner, ob er nicht an seinem Haus inszenieren wolle. Er wollte, er hatte ja schon in seinem Film etliche Ulmer Ensemblemitglieder besetzt und die Dreharbeiten als tolle Erfahrung empfunden: "Ich habe in Ulm so viel Unterstützung bekommen! Das Grundgefühl, wie ich Ulm kennengelernt habe, ist so positiv. Ja, ich mag diese Stadt." Im Mai feierte also am Theater seine Inszenierung von Pamela Carters Tragikomödie "In der Ebene" Premiere.

Und nun Schimmelpfennigs Panoptikum "Der goldene Drache": 48 Szenen, die in einem und rund um ein Asia-Schnellrestaurant spielen. Das klingt nach Schnitten und filmischen Erzählkniffen, aber Haffner trennt da klar: "Es ist eine ganz andere Art des Regieführens." Die Arbeit am Theater ist für Haffner, der erst Schauspielregie am Max-Reinhardt-Seminar Wien, dann Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München studiert hat, "wie nach Hause kommen". Es sei ein Luxus, "in den Proben sechs Wochen Zeit zu haben, um Dinge auszuprobieren, zu erforschen und etwas herauszufinden". Er schätze auf der Bühne wie im Film einen "ehrlichen, direkten Ton", setze aber in seiner Inszenierung auf deutlich theatralische Mittel wie etwa schnelle Rollenwechsel und nur angedeutete Räume.

Haffner will sich künftig eher auf Film konzentrieren, "Ein Geschenk der Götter" könnte ein "Türöffner" werden. Er bereitet einen Polit-Thriller (über den Widerstand in Wackersdorf) und eine Sozialkomödie vor. Aber ein, zwei Mal pro Jahr will er weiterhin am Theater inszenieren. Natürlich auch in Ulm.

Morgen ist Premiere

Das Stück "Der goldene Drache" feiert morgen, Donnerstag, 20 Uhr, im Großen Haus des Theaters Ulm Premiere. Autor Roland Schimmelpfennig, Jahrgang 1967, gehört zu den meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatikern. "Der goldene Drache" wurde 2009 uraufgeführt. Für die Inszenierung des Wiener Burgtheaters gewann er 2010 den Mülheimer Dramatikerpreis.

Inhalt Schimmelpfennig erzählt in kurzen, bitterkomischen Episoden rund um das Asia-Schnellrestaurant "Der goldene Drache" von den dunklen Seiten unserer globalisierten Welt: von Ausbeutung, Gier, Illegalität und Gewalt. Da wird in der winzigen Küche einem Jungen ohne Aufenthaltsgenehmigung ein schmerzender Schneidezahn mit einer Rohrzange gezogen. Der Zahn gelangt via Thai-Suppe in den Mund einer Stewardess, einer Stammkundin des Schnellrestaurants, welches auch die Anwohner versorgt. Und so geht es weiter mit dem Kaleidoskop. Da wird geliebt und verlassen, getrauert und gehofft - fünf Schauspieler spielen 15 Figuren in insgesamt 48 Szenen.

Regie Oliver Haffner hat "Der goldene Drache" inszeniert. Bühne und Kostüme hat Britta Lammers gestaltet.

Es spielen Christian Streit, Christel Mayr, Aglaja Stadelmann, Maximilian WiggerSuttner, Fabian Gröver.

Spieldauer Eineinhalb Stunden; keine Pause.

Nachtkritik Nach der Premiere online unter swp.de

 

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