Zwischen Facebook und Parship

Liebe und Treue in Zeiten großer Partnerauswahl: Besucher des Ulmer Theaters nehmen Antje Schupps moderne Fassung von "Così fan tutte" überwiegend positiv auf. Nico Pannewitz sprach mit Zuschauern.

SWP |

Ursula Schnirch (70), Neu-Ulm: Die Musik war herrlich, die Sänger hervorragend. Mutig fand ich es von den Frauen, dass sie sich auch mal nur in Unterwäsche gezeigt haben. Toll war, dass man das Orchester mal sehen konnte. An modernen Elementen wie Social Media und Partnerbörsen habe ich mich nicht gestört. Man muss eben neue Wege gehen mit der alten Musik. Die Anzüglichkeiten fand ich auch nicht schlimm, die Männer hätten sich aber vielleicht nicht so oft in den Schritt fassen müssen.

Markus Putzke (36), Burgau: Die Vorstellung war die beste, die ich seit langem im Ulmer Theater gesehen habe. Es war eine kurzweilige, aber recht konventionelle Umsetzung, denn Mozart hat das Stück damals noch provokanter geschrieben. Die Sänger und das Orchester waren sehr gut. Anspielungen auf Facebook und Sex waren nett, aber nicht tragend. Mit der Inszenierung (Antje Schupp) könnten auch wieder mehr junge Menschen an Mozart herangeführt werden.

Bruni Scheyhing (71), Börslingen: Es war eine mitreißende, bis zum Schluss unterhaltsame Vorstellung. Die Sänger haben perfekt zusammengepasst. Auch die Musik war tadellos, obwohl Dirigent Timo Handschuh das Orchester manchmal etwas getrieben hat. Einige moderne Anspielungen sind altersgemäß an mir vorbeigegangen, auch die Hintergrundfilme haben das Stück nicht getragen. Was die teils anzüglichen Gesten angeht: Ich bin nicht prüde, aber ich wäre auch ohne sie ausgekommen. Und obwohl die Sänger einen tadellosen Job gemacht haben, fand ich ihre Kostüme (Mona Hapke) scheußlich.

Leonard Wagner (16), Ulm: Ich fand die Vorstellung ganz gut, auch wenn sie sich ein wenig gezogen hat. Sie hätte etwas kürzer sein können. Die Musik war mir anfangs zu zurückhaltend und gefiel mir am Schluss am besten. Ideen wie der Einbau von Facebook und iPad fand ich gut, die sexuellen Anspielungen waren witzig, manchmal aber etwas übertrieben, etwa als ein Pärchen auf einem Bett herumturnte. Ich war bisher nur selten im Theater, aber kann mir schon vorstellen, künftig öfter hinzugehen.

Ferdinand Löw (72), Blaustein: Es war faszinierend, Timo Handschuhs einfühlsame Dirigierweise zu beobachten. Das sparsame Bühnenbild (Mona Hapke) hat die tollen Darsteller hervorgehoben. Besonders gut hat mir die Zofe Despina (Maria Rosendorfsky) gefallen. Die pikanten Elemente der Umsetzung fand ich okay, denn die Zeit, in der der Text entstand, war im Hinblick auf Liebe und Sex eben auch ziemlich offen. Die Videoeinblendungen waren mir aber zu viel. Man musste sich teilweise schon zwingen, auf die Sänger zu schauen.

Liesel Roth (83), Füssen: Die Musik war einmalig schön, aber die vielen Bildeinblendungen fand ich überflüssig. Zudem war es merkwürdig, dass die Bühne im Verlauf der ersten Hälfte oft ohne ersichtlichen Grund dunkel und hell geworden ist. Die sexuellen Anspielungen waren übertrieben und unangenehm. Ich habe "Così fan tutte" bereits in einer klassischen Version gesehen. Eine drittes Mal brauche ich nicht.

Robert Hüther (48), Ulm: Mir hat das Stück nicht so gut gefallen. Es plätscherte mit wenigen Höhepunkten vor sich hin. Moderne Elemente wie den Einsatz einer Live-Kamera fand ich interessant, aber ich verstand nicht, welchen erzählerischen Sinn diese Stilmittel haben sollten. Die Bildeinblendungen haben mich teils so abgelenkt, dass die recht unauffällige Musik für mich in den Hintergrund trat.

Paula Heim (77), Pfuhl: Ich bin begeistert. Die drei Stunden waren kurzweilig, weil man als Zuschauer stets beschäftigt war. Die Internetanspielungen haben mich nicht gestört, im Gegenteil. Die vulgären Elemente fand ich lustig. Ein rundum schöner Abend.

Heidi Xeller (64), Laupheim: Mir hat die Aufführung ausgezeichnet gefallen, musikalisch ziehe ich den Hut. Bei manch anderen Theatervorstellungen habe ich schnell Gründe zum Meckern gefunden, hier war es aber eine stimmige, gute Mischung. Den Transfer in die Echtzeit fand ich gut, die sexuellen Gesten haben mich nicht gestört, ich hätte sie aber auch nicht gebraucht.

Noch sechs Aufführungen

Termine Antje Schupps Inszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Così fan tutte" steht noch sechs Mal auf dem Spielplan des Theaters Ulm: am 15., 22. und 25. Mai, sowie am 3., 6. und 10. Juni.

Karten erhältlich an der Theaterkasse Tel.: 0731/161 4444 oder E-Mail theaterkasse@ulm.de  und online unter www.theater.ulm.de/karten

 

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