Zuschauerkritiker: "Viva la Mamma" am Theater Ulm

"Viva la Mamma" ist eine Opernparodie am Theater Ulm, die das Publikum polarisiert. Manchem ist sie zu schrill, andere amüsieren sich über das schön Schräge. Christina Kirsch hat die Zuschauer befragt.

SWP |

Tobias Wanner (47), Elchingen: Das ist eine Oper für Leute, die keine Oper mögen. Es gab spritzige Dialoge, Sarkasmus und viel Überbetonungen wie beispielsweise die Arroganz des Regisseurs (J. Emanuel Pichler). Im zweiten Teil fand ich die Späße (Inszenierung: Andreas von Studnitz) allzu flach und ausgelutscht. Ich bin auch nicht gerade ein Fan der Fäkalsprache, in der sich die Akteure ausgetobt haben. Mir gefiel sehr gut, dass man in der Pause an den Umbauarbeiten auf der Bühne (Bühne: Britta Lammers) teilnehmen konnte und auch die Durchsagen des Inspizienten quasi live mitbekam. Das zog einen richtig in die Aufführung hinein. Herrlich duckmäuserisch und beflissen war die piepsige Regieassistentin (Karina Sieling). Auch der schwäbelnde Komponist (Michael Burow-Geier) setzte komische Akzente.

Celina von Thüngen (54), Risstissen: Es war kurzweiliger Klamauk. Mein Fazit lautet: Man kann es angucken, muss aber nicht. Für mich war in der Pause eigentlich schon alles klar, der zweite Akt musste nicht sein, wobei die letzten sieben Minuten ihn noch rausgerissen haben. Die Inszenierung lebte vom Hauptdarsteller, der Mamma Agata (Dominik Nekel). Den Tenor (Hans-Günther Dotzauer) hätte ich mir dramatischer und vehementer gewünscht. Wer seichte Unterhaltung möchte, ist hier richtig.

Johanna Meinel (22), Berlin: Das Gartenzwergensensemble fand ich sehr lustig. Vor allem dann, wenn die ihre Beine in die Hand genommen haben, sah das urkomisch aus. Die Kostüme haben die Aufführung sehenswert gemacht.

Dieter Bareiß (74), Thalfingen: Es war eine prickelnde Aufführung, die mich dazu verleitet hat, sie zu Hause mit einem Gläschen Sekt zu begießen. Witz und Parodie hatten Niveau, Klamauk darf auch sein. Etliches ist vermutlich der Improvisation überlassen wie die Sprüche Richtung Rathaus. Die "Mamma" steigert sich im Verlauf der Oper und läuft im zweiten Teil zu großer Form auf. Das traf auf die ganze Mannschaft zu. Bei allem Klamauk wird, speziell in den Solistenensembles, sehr gut gesungen.

Ingrid Kamitz (47), Langenau: Beinahe wäre ich in der Pause gegangen. Und ich wäre nicht die einzige gewesen. Im Rang sind viele Zuschauer in der Pause gegangen. Der Titel suggerierte etwas Cooles, Schönes. Aber ich war maßlos enttäuscht. Die Outfits der Darsteller waren ein buntes Durcheinander, und die Insidergags versteht man außerhalb von Ulm schon nicht mehr. Wenn ein Choleriker ausrastet, muss er nicht ständig Ausdrücke über die Bühne brüllen. Das kann man auch anders darstellen.

Olivia Radlmayr (15), Illerkirchberg: Ich habe gestaunt, dass es offensichtlich Donald Trump an das Ulmer Theater geschafft hat. Der Intendant (Joachim Pieczyk) sah aus wie der US-Präsidentschaftskandidat. Das war in der Inszenierung nicht die einzige Anspielung auf aktuelles Geschehen. Mich hat gewundert, dass die Agata mit einem Mann besetzt wurde. Die Primadonna (Edith Lorans) erschien mir sehr dramatisch. Gesungen hat sie wie eine Sirene. Die Oper war sehr nahe am Musical.

Irina Meinel (49), Heidenheim: Ich konnte diese Situationen aus den Untiefen des Theaters gut nachvollziehen. Die Inszenierung erinnerte mich an die Muppet Show oder an Monty Python. Für mich war das Klamauk auf hohem Niveau. Schön herausgespielt war auch die Konkurrenz zwischen Idealismus und Bürokratentum im Theater. Insgesamt eine detailreiche, gut beobachtete, witzige und phantasievolle Oper.

Gerard Elineau (69), Ulm: "Viva la Mamma" ist ein Klamaukstück. Ich habe manchmal richtig gelacht. Die Oper begann richtig stark mit vielen Interaktionen. Mir gefiel der klasse fertige Regisseur (J. Emanuel Pichler), der jeden madig macht und auf den Choristen rumhackt. Nach etwa einer halben Stunde begann die Inszenierung anstrengend zu werden. Diese zweite Hälfte des erstenAktes muss man vergessen. Im zweitenAkt wurde es dann wieder spaßig. Edith Lorans zeigte überzeugend, dass sie sich auf das Singen, die Schauspielerei und differenzierte Anmache aller möglichen männlichen Wesen versteht. Das ernste Römervolk im Chor war immer lustig. Das Bühnenbild war auch sehr pfiffig. Das gespiegelte Orchester (Musikalische Leitung: Michael Weiger) passte gut dazu.

Barbara Kleinschmidt (55) Günzburg: Jetzt hatten die mit "Charleys Tante" schon ein Klamauk-Stück im Programm und bringen mit "Viva la Mamma" gleich das nächste. Mir reicht es mit der seichten Unterhaltung. Mir kommt es bald so vor, als ob das Ulmer Theater den Zuschauern nicht mehr zutraut. Der Theaterbesucher möchte aber nicht nur mehr schlecht als recht unterhalten werden. Bitte mehr Anspruch!

Volker Korte (67), Ulm: Wenn die in der Inszenierung schon so viel lokalen Bezug haben, warum haben die das dann nach Kissingen verlegt und nicht nach Ulm? Mir war das Ganze zu schräg. Die Musik war einschließlich der Mozart-Parodien sehr schön, aber insgesamt überwog der Klamauk. Originell fand ich die Kostüme (Gabriele Frauendorf).

Weitere Aufführungen

Vorstellungen Gaetano Donizettis Opernparodie "Viva la Mamma" zeigt das Theater Ulm wieder am Samstag, 9. April, Mittwoch, 20. April, und Sonntag, 22. Mai.

Tickets Karten an der Theaterkasse (Telefon 0731/161 44 44 oder unter www.theater.ulm.de/karten)

 

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