Zu Besuch im Paradies

Neu-Ulm.  Die Frage, warum die Banane gelb ist, können die Teilnehmer unserer Sommeraktion "Schlemmerferien für Daheimgebliebene" seit Montagabend sicher beantworten: Weil der Fruchthof Nagel dafür sorgt.

Der grüne und warme Anorak ist an diesem Montagabend im Fruchthof Nagel ein begehrtes Kleidungsstück. Kein Wunder, denn in den Hallen draußen an der Otto-Renner-Straße im Schwaighofener Industriegebiet ist es bei 3 bis 8 Grad lausig kalt. Dennoch fühlen sich dort Ameisen wohl. Als solche bezeichnet Fruchthof-Chef Martin Löffler die kleinen Gabelstapler, die durch die ganze Anlage flitzen. Sie entladen und beladen emsig die Fahrzeuge, die an 25 Stationen warten und schon nachts die Ware ausliefern: Gemüse und Früchte jedweder Art. Mit seinen 500 Mitarbeitern auch in den Niederlassungen in Worms und Ilsfeld bei Heilbronn setzt der Fruchthof jährlich 250 Millionen Euro um. Das und mehr Details hören unsere Leser noch in der warmen Stube, dem Schulungssaal der Fruchthof-Mitarbeiter.

Dann führt Martin Löffler die Besucher in die Anlage hinein. Vor allem durch die Bananenreiferei, wo die Früchte in jährlich zwei Millionen Kisten darauf warten, gelb zu werden. Geerntet werden sie grasgrün. Und nach der Überfahrt per Frachtschiff aus Ecuador, Kolumbien, Panama oder Costa Rica reifen sie vier bis acht Tage lang bei Temperaturen zwischen 14,5 und 18 Grad. Luft wird durch jede der 24 Reifekammern geblasen, und in eine Kammer passen 1156 Kisten hinein. Die Bananen werden eher gekühlt, denn bei der Reife würden sie sonst bis zu 23 Grad warm werden - und verderben. In solch eine Kammer dürfen unsere Leser hinein, und Angst vor Spinnen muss niemand haben. Die letzte wurde vor elf Jahren gefangen.

Nach dem theoretischen Start und dem Rundgang geht es hinein in den Fruchtbazar, wo Produktionsleiter Dimitri Albach wartet. Er leitet einen Teil der Besucher beim Zubereiten einer Fruchtplatte an. Eine Ananas wird geviertelt, aus jedem Teil werden kleine Stücke geschnitten und zu einem Schiffchen drapiert. In die Mitte der Platte kommt eine aufgeschnittene und sternförmig auseinander gebrochene Papaya und darauf wiederum eine Tamarillo-Frucht. Das Ganze wird mit roten Weintrauben, Erdbeeren und Physalis-Früchten garniert. Und jeder darf sein persönliches Werk in Klarsichtfolie gehüllt anschließend mit nach Hause nehmen.

Die andere Gruppe nimmt an einer ganz besonderen Verköstigung teil: Martin Löffler schneidet exotische Früchte auf, die alle probieren dürfen. Die per Luftfracht aus Brasilien angelieferten Papayas sind reifer und schmecken deutlich besser als jene, die per Schiff nach Antwerpen gelangt sind. Das Gleiche gilt für die Mangos aus Mexiko oder ebenfalls Brasilien. Ganz besonders lecker schmecken die Passionsfrüchte aus Israel oder Kenia. Sie werden auf einer Seite geöffnet. "Unten drücken und oben saugen", erklärt Löffler die Kunst des tropffreien Essens. Mitunter ist er entwaffnend ehrlich: "Die Pitahaya sieht eigentlich nur gut aus und schmeckt nach nichts", sagt er. "Das ist nicht mein Ding." Dagegen preist er den Geschmack der Kumquats, wie die Miniorangen heißen. Süß ist deren Schale, während das Innere eher säuerlich schmeckt. Löffler schneidet Granatäpfel auf, damit die Besucher die leckeren Kerne rauspicken können. Und er zeigt, wie eine Grenadilla gegessen wird: "Zipfel nach oben ausrichten, dann anfassen, unten mit dem Daumen eindrücken und abreißen." Das gelingt jedem, doch dann ist das Staunen groß. Das Innere gleicht Fischeiern. Doch die kleinen glitschigen Kerne schmecken herrlich süß nach Stachelbeeren.

Gegen 21.30 Uhr ist Schluss mit dem Genießen der paradiesischen Früchte. Und alle kommen sich ein wenig wie Adam und Eva vor. Auch diese beiden wurden einst aus dem Garten Eden vertrieben.


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Autor: EDWIN RUSCHITZKA | 12.08.2010

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