Zoff bei der FWG: Wenig integrativ
Ulm. Das neue Jahr hat begonnen, da sorgt ein Vorgang aus dem alten für Verdruss. Die FWG ist sauer auf die Integrationsbeauftragte.
Obligatorisch seit Jahr und Tag ist, dass die Mitglieder des Ulmer Gemeinderats und die Verwaltungsspitze nach der letzten Sitzung des Jahres gemeinsam den vorweihnachtlichen Frieden suchen. Auf einer Weihnachtsfeier. Weniger Tradition hat, dass auch der Internationale Ausschuss eine Feier im Advent veranstaltet. Dieser Ausschuss ist ein den Gemeinderat in Fragen der Migration und Integration beratendes Gremium, das aus elf ausländischen Vertretern und zwölf Stadträten besteht.
Nun hat vermutlich kein Mensch etwas dagegen, wenn im Sinne der Integration auch der Internationale Ausschuss samt seiner Mitglieder muslimischer Abstammung Weihnachten feiert. Dumm nur, wenn die eine Feier auf die andere fällt. Genau so geschehen am 14. Dezember des vergangenen Jahres.
Schnee von gestern, könnte man meinen. Doch von wegen. Die Ulmer FWG sieht in der Terminkollision einen "Affront gegen Stadtverwaltung und Führungskräfte". So jedenfalls empfänden es viele Mitglieder aus Rat und Verwaltung, heißt es in einem Schreiben, das Reinhard Kuntz, Helga Malischewski, Ralf Milde und Hanni Zehendner an OB Ivo Gönner gerichtet haben.
Bei den Vieren handelt es sich um die FWG-Räte im Internationalen Ausschuss. Das Quartett hat auch eine Schuldige ausgemacht: Die in diesem Fall wenig integrativ agierende städtische Integrationsbeauftragte Christine Grunert habe als Chefin der Kontaktstelle Migration am 2. Dezember auf den 14. Dezember, 19 Uhr, eingeladen. "Wir haben mit dem Hinweis abgesagt, dass am 14. Dezember die letzte Gemeinderatssitzung stattfindet und anschließend ein offizielles Beisammensein mit der Stadtverwaltung. Da der Termin schon das ganze Jahr bekannt ist, finden wir es befremdlich, die Weihnachtsfeier des Internationalen Ausschusses genau auf diesen Termin zu legen." Noch unverständlicher werde die Angelegenheit angesichts des Umstands, dass der Gemeinderat vor dem Hintergrund der Neonazi-Mordtaten an diesem Tag eine Resolution verabschiedete. Inhalt: Ein Appell zum friedlichen Miteinander aller Nationalitäten in der Stadt. Strikte Bitte der FWG an den OB: Er soll die Kontaktstelle anweisen, künftig darauf zu achten, "dass so eine Peinlichkeit nicht mehr vorkommt".
Es herrscht also Unmut - und dazu gesellt sich nachweihnachtlicher Unfrieden. Denn ganz nebenbei kommt durch dieses Schreiben auch heraus, dass die Grünen diesem letzten Beisammensein der Lokalpolitik zum Jahresabschluss ferngeblieben waren. Was die FWG-Stadträte vielsagend so kommentieren: "Doch das haben wir nicht zu kommentieren."
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Autor: HANS-ULI THIERER | 07.01.2012
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In die Kritik der FWG geraten: Integrationsbeauftragte Christine Grunert.
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