Wolfgang Niedecken begeistert im Roxy 400 Fans
Ulm. Wolfgang Niedecken, Anne de Wolff und Rhani Krija sind drei, die sich wunderbar ergänzen. Im Roxy gaben der Sänger, die Geigerin und der Percussionist vor 400 Zuhörern ein begeisterndes Wohnzimmerkonzert.
Seit mehr als 30 Jahren ist Wolfgang Niedecken der Frontmann der Kölschrocker BAP. Ein Frontmann, mit dem so ziemlich jeder um die 40 seine Erinnerungen teilt. Etwa jene an den 11. Juli 1984: TSV-Stadion Tübingen, sengende Hitze, Gewitter liegen in der Luft. Elektrisiert ist auch eine 16-Jährige im Publikum: Fürs erste Live-Konzert hat sie wochenlang kölsche Songtexte auswendig gelernt. Außerdem sitzt der große Schwarm ein paar Picknick-Decken weiter. Der mehr als dreistündige Gig der energiegeladenen Rock-Band BAP. Unvergesslich.
Auch für Wolfgang Niedecken: Der BAP-Frontmann war tags zuvor von seinem ersten Videodreh in Wien gekommen und stellte entsetzt fest, dass die Bühne nicht überdacht war. "Aber das Wetter hat gehalten", erinnert sich der heute 58-Jährige. "Bis zum Schluss, dann krachte es los."
26 Jahre später im Ulmer Roxy. Die Begeisterung des Teenies für BAP ist gesunken. Auch weil aus der einstigen Sponti-Band im Laufe der Jahre die perfekt produzierte Firma BAP geworden ist. Niedecken aber scheint noch immer ein großer Sympath. Klug, kraft- und humorvoll, engagiert. Auf der Bühne hat er schon lange nicht mehr Gitarrist Major Heuser und Pianist Effendi Büchel im Rücken, dafür "zwei absolute Überzeugungstäter" auf Hockern links und rechts von sich: Anne de Wolff, die neben Geige, Akkordeon und Mandoline auch einen Höfner-Bass à la Paul McCartney spielt und früher mit Poems for Laila unterwegs war, und Percussionist Rhani Krija, der sonst mit Sting spielt. "Fühlt Euch einjeladen ins Wohnzimmer", sagt der Kölner zu den rund 400 Zuhörern. Und legt los. Auf Unplugged-Stücke von seinem liebsten BAP-Album "Radio Pandora" folgen im Lauf der nächsten drei Stunden - in denen Niedecken anders als vor 26 Jahren eine Espresso-Pause einlegt - weitere Lieder aus 30 Jahren BAP-Songwriting.
Mit "Jupp", "Stell dir vüür", "Blonde Mohikaner" und "Novembermorje" nehmen die drei einander behutsam unterstützenden und wunderbar ergänzenden Musiker das Publikum auf eine Reise in die gemeinsame Vergangenheit und einen Seelentrip um die Welt: von Marokko übers "Chelsea Hotel" nach Manhattan, geht es mit "Noh Gulu" zu Kindersoldaten und Bürgerkriegsopfern in Uganda und dem Hund Pato sowie "Frankie" nach Patagonien. Nicht umsonst heißt der Titel dieser Tour samt Leonard-Cohen-, Bruce-Springsteen- und Beatles-Anleihen "Songs aus Köln, Berlin, New York un Jottweißwo". Das klingt mal nach Moritat, mal nach Country, immer nach Gefühl. Noch ein unvergesslicher Abend.
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Autor: CLAUDIA REICHERTER | 13.03.2010
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