Wie Mann sich windet
Ein Mann und drei Frauen. In der Komödie "Versteh einer die Frauen" geht das nur eine Weile gut. Dem Pappenheimer werden im Augus-Theater Neu-Ulm nämlich amüsant die Leviten gelesen.
Dumm wie Bohnenstroh. Mann sagt das gerne von Frauen, aber in der Komödie "Versteh einer die Frauen" von Matthias Stoltze gebührt diese Auszeichnung ausschließlich einem Mann. Denn Arthur (Heinz Koch) mag zwar reich und Arzt sein, aber ansonsten denkt er mit seinem aktivsten Körperteil - und das ist nicht das Hirn.
Im Neu-Ulmer Augus-Theater nimmt Arthur die Frauen, wie sie kommen. Und da seine Lockmittel "ein chices Auto, ein chices Kleid, ein chices Hotel" heißen, bringt er sie auch dorthin, wo sie ihm am liebsten sind: ins Bett.
Für daheim tuts die eigene Frau, für zwischendurch taugt deren beste Freundin, und wenn Arthur in der Bar eine Jeanette kennen lernt, dann geht die niedliche Jeanette eben mit zum Ärztekongress nach Paris. Sie zum Shoppen, er zur Entspannung. Doch mit der Entspannung wird es in Arthurs Leben zunehmend nichts mehr. Denn Arthurs Frauen werden zickig. Ehefrau Alida (Stephanie Schleidt) hätte gerne zum chicen Auto noch eine Spur des leidenschaftlichen Liebhabers aus den Anfangsjahren der Ehe. Die Geliebte Barbara (Claudia Riese) mag sich auch nicht immer in den eng gesteckten Stundenplan der heimlichen Treffen zwängen lassen. Und außerdem gerät sie völlig aus dem Häuschen, als sie erfährt, dass da noch eine dritte, jüngere Frau mit im Spiel ist. Die Modestudentin Jeanette (Birgit Corinna Lange) klimpert mit ihren Armreifen und den Augendeckeln, aber ihr Interesse gilt doch mehr der Mode als dem ältlichen Macker.
Nun ist Arthur leider ein beschränkter, eitler Gockel, und Eitelkeit verstellt den Blick. Die Launen seiner Frauen, denen er doch alles gibt, was er hat (Frauenfrage: "Was ist das schon?") verkomplizieren sein Leben. So steht er immer wieder philosophierend vor dem Bühnenvorhang und klagt dem Publikum sein Leid.
In der Mitte der Bühne (Benjamin Dentler) dominiert in kühlem, stylischem Ambiente das Bett als Austragungsort der Missverständnisse. Heinz Koch spielt darauf glaubhaft beschränkt den Tölpel in Liebesdingen. Birgit Corinna Lange wirbelt als in aller Unschuld berechnendes Liebchen durch die Geschichte, und Claudia Riese packt zu: Mann und Gelegenheit. Etwas zerbrechlich, aber zäh wirkt Stephanie Schleidt als Gattin.
Geradezu klassisch sind die Dialoge, mit denen wenn es um das ehefrauliche Misstrauen geht. "Was, du spionierst mir nach!", erregt sich Arthur - und im gleichen Atemzug "Du hast alles kaputt gemacht". Der Angeklagte macht den Kläger zum Schuldigen. Arthur pflegt eine Phobie vor Szenen, "wenn du eine Szene willst, bitte", und wundert sich, wie es den Frauen gelingt, in das Wort "Schatz" noch einen Vorwurf zu legen. Wie hohl, kalkuliert, breit und eklig sich "Schatz" aussprechen lässt, zeigt ihm die Geliebte Barbara. Claudia Riese liegen diese überspannten Rollen, in denen sie sich so richtig aufregen kann. So forciert sie auch mit großer Klappe und handfester Rache den großen Showdown zu viert, in dem Arthur ziemlich alt aussieht.
Die nächsten Vorstellungen: am 22., 23., 28.-30. Januar im Augus-Theater (Silcherstraße 2, Neu-Ulm). Kartenvorbestellung: 0731/553412.
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Autor: CHRISTINA KIRSCH | 18.01.2010
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Noch lässt sich Jeanette (Birgit Corinna Lange) von Arthur (Heinz Koch) becircen. Foto: Matthias Kessler
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