Weckruf für die Befürworter
Ulm. Gemessen an Teilnehmerzahlen haben die Protestaktionen gegen Stuttgart 21 in Ulm zaghaft begonnen. Sie lösen unter den Befürwortern, die um die Neubaustrecke mit Ulmer Vollanschluss kämpfen, Aktivität aus.
Die separaten Aktionen der Grünen und der Linken in Ulm gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 haben noch kein einziges Mal auch nur annähernd 100 Ulmer auf die Beine gebracht. Dafür machen sie jetzt jenen Beine, die seit Jahren dafür eintreten, dass Ulm über eine Neubaustrecke voll ans schnelle ICE-Schienennetz angebunden bleibt. Die Demos wirkten wie ein Weckruf auf die Fraktionen von FWG, CDU, SPD, FDP, die sich zu gemeinsamer Initiative entschlossen haben (siehe Info-Kasten).
Aus der Ruhe gebracht haben die jüngsten Demos den Ulmer OB Ivo Gönner zwar nicht. Dürftige Resonanzen und geringe Teilnehmerzahlen seien jedoch kein Grund, tatenlos in Selbstzufriedenheit zu verfallen. Gönner begrüßt die Initiative der vier Fraktionen ausdrücklich. "Auch deshalb, weil man Protest teilweise importieren kann", so der OB, der auf noch größere Proteste gefasst ist. Gönner selber sagt, er sei zu jedem Gespräch bereit, an seiner Position werde sich aber nichts ändern. Diese lautet knapp gefasst so: Der Ulmer OB und Städtetagspräsident hält die Neubaustrecke für das wichtigste Verkehrsvorhaben für das Land und speziell für den Großraum Ulm. Die Strecke sei der eine Teil des Milliardenprojekts Stuttgart-Ulm, der andere die Verbindung Wendlingen-Flughafen-Stuttgart mit unter die Erde verlegtem Durchgangsbahnhof. Beides sei planerisch, finanziell, juristisch und ökonomisch untrennbar miteinander verbunden worden.
Auch wenn die Forderung des Ulmer Grünen-Chefs und Landtagskandidaten Jürgen Filius, beides zu entkoppeln, realistischen Grundlagen entbehre, erwartet Gönner eine Erklärung der Ulmer Grünen, ob diese wenigstens noch zur Neubautrasse stehen. Hintergrund dieser Aufforderung an die Fraktion der Grünen im Gemeinderat: Winfried Hermann, grüner Bundestagsabgeordneter aus Tübingen und als Vorsitzender des Verkehrsausschusses sozusagen der erste Verkehrspolitiker der Grünen, hat sich in verschiedenen Interviews gegen die Neubaustrecke ausgesprochen.
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Autor: HANS-ULI THIERER | 01.09.2010
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Rückt stärker ins Blickfeld: Der Info-Pavillon vor dem Ulmer Hauptbahnhof, in dem jetzt regelmäßig Stadträte auftreten. Foto: Matthias Kessler
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Kommentare (3)
S 21 - Nicht auf dem Stand
Die Äusserung von Herrn Rivoir , dass beide Vorhaben (S 21 und Neubaustrecke Stuttgart - Ulm) nicht voneineinder entkoppelt werden können zeigt, wie weit er sich in Seinem Denken inzwischen schon vom Wählerwillen des normalen Bürgers entfernt haben. Nicht der Staat mit seinen Verordnungen und Gesetzen steht an erster Stelle sondern der Bürger. Dafür wurde er gewählt!Alles lässt sich per Gesetz regeln, auch eine Trennung der beiden Projekte unter Beibehaltung der Landeszuschüsse ist möglich. Es ist zwar etwas Arbeit mit den ganzen Änderungen verbunden, jedoch durchaus noch umsetzbar. Und das wäre sein Aufgabe...
Herr Rivoir ?
In diesem Artikel wird Herr Rivoir mit keinem Wort erwähnt. Der Kommentar muß sich also auf etwas anderes Beziehen.Nicht auf dem Stand (S21 / Neubaustrecke Stuttgart...
Die Äusserung bzw. die Berichterstattung über die Äusserung von Martin Rivoir findet sich in der heutigen Ausgabe der SüdwestPresse auf Seite 17 - links vom Bild des Info-Pavillons am Ulmer Hauptbahnhof.