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Warnstreik: Sorge um Evobus und Iveco

Mitten hinein ins Ringen um den Erhalt von Arbeitsplätzen bei Evobus und Iveco platzt die Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie: Am Mittwoch war Kundgebung vor dem Evobus-Werk – und Frühschluss.

Autor: HANS-ULI THIERER |
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Am Tag nach dem Tag der Arbeit endete der Arbeitstag für die fast 1500 Beschäftigten der Frühschicht von Evobus am Mittwoch bereits um 11 Uhr. Ein Warnstreik am späten Vormittag mit Kundgebung vor dem Tor des Werkes 5 in Neu-Ulm war freilich mindestens so stark durch die generelle Sorge um die Arbeitsplätze beim Bushersteller – und auch beim Lastwagenbauer Iveco im Ulmer Donautal – geprägt wie durch den eigentlichen Anlass: die aktuelle Tarifrunde.

In sie ist die IG Metall mit drei zentralen Forderungen hineingegangen: 6,5 Prozent mehr Lohn, Übernahmegarantie für Auszubildende, mehr Mitbestimmung bei Leiharbeit. Der Ulmer IG-Metall-Geschäftsführer Reinhold Riebl, die zweite IG-Metall-Bevollmächtigte Petra Wassermann und der Vize-Betriebsratschef von Evobus, Hans-Jörg Müller, Mitglied der Tarifkommission, sagten unter Beifall und Trillerpfeifen-Buhs für die Arbeitgeber: Man werde – notfalls mit Streik – kein Auseinanderdividieren dieser Themen dulden. Riebl: „Es gibt kein Entweder-Oder. Nur Gleichschritt.“

Passen Lohn- und Mitbestimmungsforderungen in eine Zeit, in der unter den Evobus- und Iveco-Belegschaften nackte Existenzangst umgeht? Evobus-Betriebsratsvorsitzender Friedrich Beck und der Vize-Betriebsratschef von Iveco Wilfried Schmid bejahen dies ohne Wenn und Aber. Beck: Man sei dem Arbeitgeber immer wieder entgegen gekommen. „Trotzdem ist die Situation jetzt, wie sie ist.“ Ergo: Verzicht rette keine Arbeitsplätze.

Beck hat am Montag an Verhandlungen über die Sicherung der Evobus-Standorte Neu-Ulm und Mannheim teilgenommen. Wie viele Arbeitsplätze an beiden Standorten abgebaut werden – von insgesamt bis zu 1000 ist die Rede –, stehe immer noch nicht fest. Wie unsere Zeitung erfahren hat, soll bis Ende Mai Klarheit herrschen.

Beck machte deutlich, dass es dem Betriebsrat darum geht, eine hohe Produktionstiefe zu erhalten (siehe Info-Kasten). Die Hoffnung, die Endfertigung des Mercedes-Reisebusses Travego in Neu-Ulm halten zu können, hat Arbeitnehmervertreter Beck aber aufgegeben. Diese Produktion werde in die Türkei nach Istanbul abwandern. Während Beck zuversichtlich ist, dass die Setra-Premiummodelle Top Class und Comfort Class weiter in Neu-Ulm fertiggestellt werden, müsse um die Multi-Überlandbusse gekämpft werden. Die Fertigung des Travego und der Setra-Multis mache zusammen ein knappes Drittel der Beschäftigung in der Neu-Ulmer Produktion (2000 Arbeitsplätze) aus, sagte Beck am Rande der Kundgebung.

Wilfried Schmid, auch Konzern-Betriebsrat bei Iveco, sagte, nach 38 Monaten Kurzarbeit im Ulmer Werk sei Besserung nicht in Sicht. „Bei uns ist immer noch nichts angesagt im Blick auf 1100 Arbeitsplätze in der Produktion.“ Zwei traditionsreiche Ulmer Fahrzeughersteller fänden sich nun Seite an Seite wieder im Kampf um industrielle Arbeitsplätze.

Schmid: Niemand sollte vergessen, dass die Wissenschaftsstadt „ihren Reichtum dem Fahrzeugbau zu verdanken hat“.

2 Kommentare

03.05.2012 16:35 Uhr

Verfälschungen Dritter

Offenbar sabotieren wiederholt Dritte beim Hochladen den von mir verfassten Kommentar eines Lesers und änderten das Adjektiv "eintretenden" fälschlich in "auftretenden" und fügten zusätzlich die Bedeutung entstellend ein "und" vor dem "oder" im vorletzten Halbsatz ein.

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03.05.2012 16:13 Uhr

IG Metall überdehnt ihr Mandat maßlos

Die unteilbare Einheit alles Sozialen, von der alltagssprachlich als dem "Gleichschritt" gestern vor dem EvoBus-Werk in Neu-Ulm die Rede war, bleibt auch dann manifest, wenn von welcher Seite auch immer ihr zuwider Unterfangen in Angriff genommen werden. Die arbeitspolitische Konferenz der IG Metall in Sprockhövel bezifferte bereits Anfang Juli 2005 die insbesondere dadurch unausweichlich auftretenden Verluste unter Verweis auf die Schrift eines ärztlichen Direktors der Ulmer Universitätskliniken auf hochgerechnet künftig rund 40.000 zusätzliche Tote pro Jahr allein auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Darüber zu befinden, ob die zur diesjährigen Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie von der Gewerkschaft erhobenen Forderungen dem entsprechen und oder besagten längst unantastbar gewordenen Tatbestand kurzerhand negieren, steht insofern keineswegs der Ulmer IG Metall zu und überdehnt somit das politisch von der Allgemeinheit erteilte Mandat über alle Maße.

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