Walter Frei im Theaterei-Zelt
Was wäre Wien ohne Wiener, fragte Walter Frei beim Fest zu seinem 75.Geburtstag im Theaterei-Zelt. Und was wäre die Theaterei ohne Walter Frei.
Wie er da ganz in Schwarz auf dem weißen Sofa saß, die Hände überm Bauch gefaltet, freundlich gelassen ins Publikum blinzelte, seine köstlich amüsanten Geschichten zum Besten gab und die Wogen von Sympathie, die auf ihn zurollten, fast ein wenig verlegen - oder vielmehr verschmitzt? - entgegennahm: Ja, werden sich seine begeisterten Fans, Weggefährten und Freunde im ausverkauften Theaterei-Zelt gedacht haben, das ist Walter Frei, wie er leibt und lebt.
Als er, von Wolfgang Schukraft befragt, aus seinem Leben erzählte, in geistreich formulierten Sätzen, mit spitzbübischer Selbstironie und immer jenem Quäntchen Hintersinn, dem nachzusinnen sich lohnt, da wurde jede Anekdote zum kleinen Sprachkunstwerk. Stundenlang hätte man ihm zuhören können, dem "braven Schulmeister", der ein so leidenschaftlicher Theatermann ist. Und stundenlang könnte er weitererzählen, verriet Frei, es sei wie eine "Verbalinkontinenz".
"Bremsen Sie mich", rief er ins Publikum. Doch das erfüllten schon seine musikalische Wegbegleiter, die nach und nach mit liebevoll gestalteten Geburtstagsständchen gratulierten: Magnus Schneider, Markus Munzer-Dorn, Barbara und Peter Schlenker, Klaus Melber, Jörg Ehni mit Wolfgang Schukraft, und Wolfgang Gentner, der Frei einst zum Singen verleitete, "obwohl ich mich für unmusikalisch halte". Mit welchem Heidenspaß er dennoch singt, demonstrierte er mit Auszügen aus seinem Jubiläumsprogramm "Was wäre Wien ohne die Wiener". Las Texte, die ihm auf den Leib geschrieben schienen, lästerte in breitem Wienerisch, sandte rabenschwarze Galle aus und sanfte Güte. Immer, wenngleich sparsam dosiert, war etwas los in seinem Gesicht, mit seinen Händen. Jeder Akzent, jede Stimmfarbe, jede Pause, eine hochgezogene Augenbraue, ein listig-glitzernder Blick - alles saß und wirkte doch ganz und gar natürlich. Was wäre die Theaterei ohne diesen originellen "Menschen-Verführer", wie Schukraft ihn treffend titulierte. Schön, dass er seinen erfolgreichsten Schauspieler, Regisseur und begnadeten Rezitator mit diesem Fest gefeiert hat.
Info "Was wäre Wien ohne Wiener" gibt es am Mi, 2. November, wieder in der Theaterei Herrlingen.
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Autor: SUSANNE RUDOLPH | 31.10.2011
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Zweimal Walter Frei, im Original und überlebensgroß. Foto: Sophie Krauss
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