Vorstellung der OB-Kandidaten im Kornhaus mit wenigen Überraschungen

Offizielle OB-Wahlrunde: Nicht mit sieben, sondern wegen Erkrankung nur mit sechs Kandidaten. Erkenntnisgewinn: mäßig. Unterhaltungswert: nett.

HANS-ULI MAYER, ... |

21.42 Uhr war es, als der, um dessen Posten es am 29. November geht, den Abend im Kornhaus vor 350 Besuchern beendete. Ivo Gönners Schlusswort bei der Vorstellung der Bewerber – Sevda Calsikan hatte krankheitsbedingt abgesagt, so das nur sechs auf dem Podium saßen –, die Ulmer Oberbürgermeister werden möchten: "Möge der Wahlkampf in den letzten Tagen so fair bleiben, wie er bisher war."

Schwer in Gang kamen die Fragerunden aus dem Publikum, aus dessen Mitte erst nach dem dritten Aufruf des Moderators Gönner eine Frage gestellt wurde. Dann aber war der Bann gebrochen, die Anwesenden interessierte etwa die Frage, wie mehr Bürgerbeteiligung aussehen kann, was im Unterschied dazu ein Bürgerdialog ist und wie die freiwilligen Helfer in den Flüchtlingsunterkünften besser unterstützt werden können und wie die Integration der Flüchtlinge gelingen kann. Deutliche Unterschiede gab es keine, alle wollen die Menschen mehr in die Kommunalpolitik einbinden und lobten unisono die Hilfe der Ulmer für die Flüchtlinge und ließen keine Zweifel aufkommen, dass diese Herausforderung bewältigt werden kann.

Neben den großen Themen bewegt die Ulmer die Frage der Sperrzeiten und wie lange abends im Freien bewirtet werden darf. 24 Uhr am Wochenende und 23 Uhr unter der Woche ist Mehrheitsmeinung. Lediglich beim Verkaufsverbot von Alkohol nach 22 Uhr an Tankstellen taten sich Unterschiede auf. Während die meisten dafür sind, sieht Lisa Collins (früher Piratenpartei, jetzt Satiregruppe „Die Partei“) darin keine Lösung. Wenn um 22 Uhr Schluss sei, kauften die Jugendlichen auf Vorrat.

Das Freihandelsabkommen TTIP darf nach Meinung aller nicht zum Verlust der kommunalen Hoheit beispielsweise bei der Daseinsvorsorge führen. Die Bewertung im Grundsatz fällt jedoch verschieden aus. Während Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne), Collins und Anja Hirschel (Piratenpartei) sich gegen das Vertragswerk der EU mit Amerika aussprachen, rät Martin Rivoir (SPD) dazu, europäische Standards durchzukämpfen und die Diskussion ansonsten nicht „ganz so aufgeregt“ zu führen.

Eingangs, so war es in den Spielregeln festgelegt worden, standen jedem Bewerber zwölf Minuten für die persönliche Vorstellung zu Verfügung. Gnadenlos lief auf der Leinwand der Sekundenzeiger der Digitaluhr, in der letzten Minute wechselte die Farbe auf Rot. Doch nervös machen gilt nicht. Schäfer-Oelmayer legte als erste eine Punktlandung hin und endete nach 11:45 Minuten. Gunter Czisch (CDU) und Rivoir brauchten weniger, Ralf Milde (parteilos) mehr als zehn Minuten. Einzig Hirschel überzog um knapp eine Minute, die dafür Collins schon vor ihr bei Weitem hereingeholt hatte: Sie endete nach 3:06 Minuten mit dem Lacherfolg, dass sie nichts mehr zu sagen habe und den Leuten „kein Ohr abkauen will“.

Einen anderen Lacher erzeugte Ralf Milde. Als letzter auf dem Stimmzettel stehend, trat er – ebenfalls Regel am Donnerstag – auch als letzter ans Mikrofon mit den Worten: Es sei nun die Frage, ob ihn als Letzten die Hunde beißen oder ob wie in der Bibel der Letzte der Erste sein werde. Was zeigt, dass die Runde bei aller Ernsthaftigkeit durchaus auch unterhaltsame Momente hatte.

Wie präsentierten sich die Kandidaten jenseits all der in den vergangenen Wochen immer wieder besprochenen Lokalthemen wie Straßenbahn, Wissenschaftsstadt oder Wohnungsbau? Birgit Schäfer-Oelmayer trat auf als Kandidatin aus der Mitte der Bürger, „die das persönliche Gespräch besser kann als das Reden im großen Sälen“. Gunter Czisch zeigte sich als die mit allen Verwaltungswassern gewaschene Instanz in Finanz- und Führungsfragen („Es ist kein Fehler, wenn der künftige OB was vom Geld v’rschtoht“). Martin Rivoir stellte sich vor als der Ur-Ulmer mit langer Ratserfahrung und als Landtagsabgeordneter (im Falle der Wahl will er das Mandat aufgeben) mit Drähten nach Stuttgart, der im Oberbürgermeister den „obersten Kümmerer der Stadt“ sieht.

Anja Hirschel hält viel auf die aktuelle Lokalpolitik, würde aber an einer Stelle umsteuern. „Klein denken ist wichtig. Lieber fünf kleine Konzerte als ein großes. Lieber fünf kleine Turnhallen als eine große.“ Ralf Milde präsentierte sich – durchaus angelehnt an seine Liebe zu Griechenland – als der „Parteilose und Ideologiefreie“, der versuchen würde, die Position der Städte gegenüber Land, Bund und EU zu stärken: „Es ist die Stadt, die den Staat macht“, sagte er.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Themenschwerpunkt

Ulm wählt einen neuen Oberbürgermeister

Ulm wählt einen neuen Oberbürgermeister

Am 29. November haben die Ulmer einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Im ersten Wahlgang ist Gunter Czisch (CDU) mit 52,9 Prozent OB geworden. Zur Wahl angetreten waren noch Martin Rivoir (SPD), Birgit Schäfer-Oelmayer (Grüne), Anja Hirschel (Die Piraten), Ralf Milde (parteilos), Lisa Collins (Die Partei) und Sevda Caliskan (parteilos).

mehr zum Thema

Zum Schluss

Mainz feiert Karneval im Mai

Karneval in Mainz - diesmal nicht im Februar sondern im Mai.

Die Mainzer lassen sich das Feiern nicht nehmen. Mit 77 Zugnummern und 2222 Teilnehmern holen sie am Muttertag die Fastnacht nach. Doch nicht alle sind damit einverstanden. mehr

Polizei rettet Kaninchen vor Marder

Kaninchen. Foto: Jennifer Jahns/Archiv

Polizisten haben bei einem nächtlichen Einsatz in Achern (Ortenaukreis) ein Kaninchen vor einem angriffslustigen Marder gerettet. mehr

YouTube-Star Moritz Garth ...

Justin Bieber war der erste, der noch nicht ganz so bekannte Moritz Garth will ihm folgen. Musiker, die auf der Onlineplattform Youtube Erfolge feiern, wagen sich auch in die richtigen Charts vor. mehr