Vorfeld in Neu-Ulm: Wettbewerb zur Umgestaltung des Viertels

Das Neu-Ulmer Viertel Vorfeld soll innenstädtischer werden: mit mehr Wohnungen, Gewerbe und Soziokultur. Vorschläge soll ein Wettbewerb bringen.

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Der Altbau der Hochschule wird spätestens 2019 frei. Dann sind neue Nutzungen für das Gebäude gefragt – falls es nicht abgerissen wird.  Foto: 

Für die Bewohner ist das Vorfeld ein wunderschönes Wohngebiet, innenstadtnah und mit viel Grünflächen. Die Stadtplaner sind mit dem Viertel allerdings nicht ganz so zufrieden. Ein derart zentrales Wohngebiet soll innenstädtischer werden, soll nicht nur reines Wohnviertel sein, sondern vielfältiger genutzt werden mit Gewerbe, Soziokultur, Bildungseinrichtungen. Die Stadt Neu-Ulm möchte sich dazu am europäischen Ideenwettbewerb Europan 14 beteiligen. Er soll Möglichkeiten aufzeigen, wie das Vorfeld weiterentwickelt werden kann.

Das Ziel beschreibt Stadtbaudirektor Markus Krämer so: „Wir möchten eine Belebung und Aufwertung, die einen Mehrwert bietet für die jetzigen Bewohner.“ Ein Baustein dazu wäre nach Krämers Ansicht die Ansiedlung von Gewerbe. Er verweist auf die Dienstleistungszeile in Wiley-Süd, mit der die Stadt gute Erfahrungen gemacht habe. Wichtig ist der Stadtverwaltung, eine Nutzungsmischung hinzukriegen.

„Keine sozialen Brennpunkte“

Krämer hält außerdem eine Nachverdichtung für nötig. Das Vorfeld habe „keine urbane Struktur“, obwohl es an die Innenstadt grenzt, und zu viele Grünflächen, die nicht genutzt werden, sagte er im Ausschuss für Stadtentwicklung. Mechthild Destruelle (Grüne) warnte: „Die Nachverdichtung darf keine sozialen Brennpunkte schaffen.“ Das Maß an sozialem Wohnungsbau reiche im Vorfeld aus. Es dürften deshalb nur „andere Wohnformen“ dazukommen. Dieses Ziel verfolge auch die Stadt, sagte Krämer: „Wir wollen nicht einfach nur Nachverdichtung.“

Der Umbruch im Vorfeld wird dadurch noch befördert, dass in den nächsten Jahren für die öffentlichen Gebäude neue Nutzungen anstehen:

- Die Grundschule ist geschlossen, in dem Gebäude sind derzeit unter anderem Kindergartengruppen und ein Kinderhort untergebracht. Sie werden langfristig im Quartier gebraucht und müssen sogar ausgebaut werden.

- Die Hochschule Neu-Ulm (HNU) nutzt ihr altes Gebäude im Vorfeld noch übergangsweise, bis der Erweiterungsbau im Wiley im Herbst 2018 fertig wird. Ab 2019 sollen die Räume neu genutzt werden, beispielsweise für Gewerbe, Bildungseinrichtungen oder als soziokulturelles Zentrum.

- Das Jugendhaus soll im Vorfeld bleiben, könnte womöglich aber auch in Räume der Hochschule umziehen. Denn das sanierungsbedürftige Jugendhaus an der Bradleystraße könnte auch abgerissen werden und Platz für Wohnungsbau machen.

- Das Vorfeld Inn als Stadtteiltreff hat zu beengte Räumlichkeiten.

Ob die Gebäude der Grund- und Hochschule erhalten bleiben, ist ungewiss. Die Stadtverwaltung stellt sich eine höhere Bebauung vor, die Gebäude können aber aus statischen Gründen nicht aufgestockt werden.

Auch die Straßen, Geh- und Radwege und Parkplätze sind im Blick der Stadtplaner. Zum Beispiel sollen überdimensionierte Straßen und Kreuzungen zurückgebaut werden.

Info Die Stadt Neu-Ulm informiert über die Ziele des Wettbewerbs Europan 14 am Dienstag, 13. Dezember, um 18 Uhr im Vorfeld Inn.

Kommentar zum Vorfeld: Nur behutsam verändern

Die Stadtplaner haben ja Recht: Ein Viertel, das so zentral liegt wie das Vorfeld in Neu-Ulm, darf nicht im Dornröschenschlaf vor sich hin dämmern. Es muss mehr urbanes Leben in das Quartier, das jenseits der Ringstraße nur ein paar hundert Meter vom Bahnhalt und der Glacis-Galerie entfernt liegt. Was auch immer der Europan-Wettbewerb als Möglichkeiten aufzählen wird, ob Café, Restaurant, Räume für vh-Kurse, ein größeres Jugendhaus, vielleicht ein Friseur oder anderes Gewerbe – es wäre fast alles gut, was mehr Menschen ins Vorfeld zieht oder dort hält.

Dies auch deswegen, weil die Vorfeld-Bewohner noch immer ein recht isoliertes Dasein führen. Das Viertel wurde erst nach dem Abzug der US-Soldaten Anfang der 90er Jahre besiedelt. Der Migrantenanteil ist hoch, es gibt keine gewachsenen Strukturen etwa mit Vereinen. Über das Programm „Soziale Stadt“ wurde über Jahre hinweg mühsam versucht, unter den Bewohnern ein Gemeinschaftsgefühl und eine Identifikation mit ihrem Viertel zu stiften.

Diese Anstrengungen, die vor allem über das Stadtteilbüro noch anhalten, waren von Erfolg gekrönt. Er darf nicht aufs Spiel gesetzt werden. Eine Nachverdichtung ist im weitläufigen Vorfeld möglich, sie muss aber behutsam angegangen werden. Die Probleme, die gelöst sind, dürfen nicht neu aufbrechen.

Vorfeld

Das Vorfeld war Teil der Befestigungsanlagen der Bundesfestung – daher kommt auch der Name des Gebiets zwischen Ringstraße, Memminger Straße und Reuttier Straße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von den amerikanischen Streitkräften übernommen, die im Vorfeld das Wohnquartier für die in den Wiley- und Nelson-Barracks stationierten US-Soldaten und ihre Familien einrichteten. Nach Abzug der US-Truppen erwarb die städtische Wohnungsgesellschaft Nuwog die Häuser mit rund 350 Wohnungen.

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