Von der Wiese ins Flüchtlingslager

Ulm.  Die multikulturelle Theatergruppe Mischpalette zeigte jetzt "Das Gänseblümchen" - in einer eigenwilligen Interpretation des Andersen-Märchens.

"Mischpalette", das ist eine Theatergruppe von Ulmern unterschiedlichen Migrationshintergrundes. Sie ist aus einem Tandem-Projekt der Bürgeragentur Zebra hervorgegangen, das Ausländer und Einheimische zu gemeinsamen Aktivitäten zusammenführt. Jetzt überraschte die "Mischpalette" mit einer ungewöhnlichen Inszenierung auf der Bühne im Bürgerhaus Mitte: Theaterpädagogin Silke Dangelmaier hatte die Geschichte vom "Gänseblümchen" und der Lerche - ein Märchen von Hans Christian Andersen - von der Wiese über den Vogelkäfig in ein Flüchtlingslager verlegt.

Dabei entstand über das Bühnenbild eine beklemmende Atmosphäre: Fünf Frauen und ein Mann spielten, umringt vom Publikum, hinter Gittern in einer Welt zwischen Grausamkeit, Mord, Hingabe und Liebe. Die Märchenerzählerin Erika Spieß umkreiste mit dem Märchen-Text dabei das Lager, das Gänseblümchen - ergreifend gespielt von Sira Gagigo - sang dazu ein afrikanisches Schlaflied; im scharfen Kontrast dazu stand die Lagerszenerie.

Weiter geht es in Dangelmaiers Version so: Das Blümchen schließt Freundschaft mit einer Journalistin, die den Mord an zwei Insassinnen beobachtet und verhaftet wird. Es versucht zu helfen, beide werden ans Gitter gefesselt, und wie im Märchen mit der Lerche und dem Gänseblümchen gibt es zwei Tote - wobei die Blume auch hier achtlos zurückgelassen wird. eb


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30.07.2010

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