Von der Pfalz keine Spur
Die Siedlungsspuren auf dem nördlichen Weinhof reichen zurück bis zum 11./12. Jahrhundert. Das ist das Ergebnis der jetzt endenden Rettungsgrabung, die seit Mai dem Bau der Synagoge vorausgegangen ist.
Autor: HENNING PETERSHAGEN |An eine Mondlandschaft erinnert das etwa 300 Quadratmeter große Grabungsareal auf dem Weinhof. Die pittoresken Strukturen aus gelbem Lehm bilden ab, wo die Ulmer vor ungefähr tausend Jahren Löcher in den gewachsenen Boden gegraben haben um ihre Vorräte darin zu lagern oder um Baumaterial zu gewinnen. Diese Gruben wurden später verfüllt. Und die Verfüllungen, die dunkler sind als der gelbe Ur-Boden, sind nun von den Archäologen säuberlich entfernt worden, so dass sich jetzt die frühen Siedlungsspuren genau abzeichnen.
Sie bilden ein paar Steine in dem dreidimensionalen Puzzle, das die Archäologen seit 1925 aus den Ergebnissen ihrer jeweiligen Grabungen zusammenfügen. Was die jüngste, im Oktober endende Kampagne gebracht hat, berichteten gestern der Referent für Mittelalterarchäologie beim Landesamt für Denkmalpflege, Jonathan Scheschkewitz, und der örtliche Grabungsleiter Steffen Killinger.
Spuren der karolingischen Pfalz des 9. Jahrhunderts konnten nicht nachgewiesen werden. Denn es wurde, wie Scheschkewitz und Killinger darlegten, nichts gefunden, was gesichert weiter zurückreicht als bis ins 11./12. Jahrhundert. Das ist insofern von Belang, als vor nicht allzulanger Zeit ein Archäologinnen-Team die karolingische Pfalz, die stets auf dem Weinhof vermutet wurde, in die Gegend der Spitalhofschule verlegt hat. Doch wurden, wie Scheschkewitz betonte, bei früheren Grabungen im südlichen Weinhofbereich Spuren eines merowingerzeitlichen Herrschaftshofes aus dem 6./7. Jahrhundert entdeckt. Es liege daher nahe, dass danach die Karolinger den Hof auf dem strategisch wichtigen Sporn über der Donau zur Pfalz ausbauten. Doch nachzuweisen sei die Pfalz erst seit der Stauferzeit im 12./13. Jahrhundert.
Dagegen brachte die Grabung neue Erkenntnisse zur Nutzung dieses Areals. Wie aus den Gruben und einem Grubenhaus zu schließen ist, war dort zunächst Handwerk ansässig. Eine stattliche Anzahl von Brocken aus Schmiedeschlacke lassen an Eisenverarbeitung denken, etwa in einer Schmiede. Auch wurden Kalköfen, wie sie an Baustellen üblich waren, gefunden. Später wurden dort Steinhäuser errichtet, die aber, wie Brandspuren beweisen, im 14. Jahrhundert einem Feuer zum Opfer fielen. Schriftquellen melden für 1376 einen Brand auf dem Weinhof. Die Keller der zerstörten Häuser wurden verfüllt und verschwanden unter einem Pflaster - Indiz für eine großflächige Gestaltung des Platzes im 14. Jahrhundert. Seither war der Weinhof dort nicht mehr überbaut.
Spektakuläre Einzelfunde sind bei der Grabung nicht zutage getreten. Auf dem Areal wurde eine Fülle von Knochen und Scherben geborgen, die zum Teil auch dorthin gelangt sind, weil der Platz immer wieder planiert wurde, teils durch Abtragen, teils durch Auffüllen, wodurch Bodenaustausch stattfand.
Mit Ende dieser Grabung ist für die Archäologen die Winterpause noch lange nicht angebrochen. Denn bevor nördlich des jetzigen Grabungsareals eine neue Fernwärmeleitung verlegt wird, müssen sie dort das Terrain sondieren - bis hinab zur Blau. "Und das wird spannend", sagt Scheschkewitz.




