Vom Elend der Au-pairs: "Gespräche mit Astronauten" im Podium

Zwei Stunden waren schnell vorbei, am Samstag im Podium: Zu sehen war Felicia Zellers "Gespräche mit Astronauten" über Au-pairs in deutschen Gastfamilien. Rhythmisch getextet, gut gespielt, ausgiebig beklatscht.

LENA GRUNDHUBER |

Die Väter sind sowieso auf einem anderen Stern. Und sind sie es nicht, wären sie es besser, denn auf Erden haben sie nichts anderes im Sinn, als dem Au-pair-Mädchen an die Wäsche zu gehen. Und so bleibt noch immer alles an den Frauen hängen, auch dieses Stück: "Gespräche mit Astronauten" heißt der Text von Felicia Zeller, der am Samstag in der heftig beklatschten Inszenierung von Antje Schupp im Podium des Theaters Ulm Premiere feierte. 2010 wurde es in Mannheim uraufgeführt, ursprünglich hat Zeller das Stück für das Theater Freiburg verfasst, und von dort rührt das Thema: Au-pairs in Gastfamilien.

Wobei Familie im "Knautschland" - Zeller hat sich unterschiedslos respektfrei an Ländernamen vergangen - einen Ort bezeichnet, an dem überforderte Karrieremütter auf quengelnde Kinder treffen, die immer nur Eis wollen. Oder ihre Olanka behalten. Doch die hat keine Aufenthaltsgenehmigung mehr, denn Olanka aus der "Schlamparei" oder Mascha aus "Rostland" oder Irina aus der "Ukulele" sind Au-pair-Mädchen, Familienmitglieder mit Verfallsdatum. Dass da etwas nicht stimmt, entwickelt Zeller in einem Text, der sich hier auf vier, allesamt wirklich gute Sprecher verteilt. So schnell, wie man eine Perücke wechseln kann, wird Christel Mayr von der Managerin zur Filmproduzentin, tauscht Annette Faßnacht-Westermeier die Chefsekretärin gegen die Wissenschaftlerin ein. Christian Streit ist mal sexy Edgar aus Würgistan, mal Olga, mal ekliger Ehemann, Renate Steinle teilt sich in drei Au-pairs.

Die ach so aufgeklärten "Gastmütter" entpuppen sich als Terrorziegen, die ihre Gäste zu Dienstmädchen degradieren: "Ich gebe Mascha eine Chance rauszukommen - also nicht gerade aus der Wohnung." Aus Sprach-Verschiebungen schmerzhafte Wahrheiten lugen zu lassen, das lustvolle Kalauern hat Zeller sich von Elfriede Jelinek abgeschaut, aber auch die Musikalität. Zwei erstaunlich schnelle Stunden ohne Pause dauert das Sprachdrama inmitten Putzeimern, Kinderwagen und den Sprachblasen, die Bühnenbildnerin Mona Hapke aufgehängt hat. Requisiten und Bilder werden fein umfunktioniert: Der Staubwedel kann auch Eis, der Fernseher Webcam, ein Lichtblick für Au-pairs, die sich nicht mal Fleisch braten dürfen: Die gutsherrliche Gutbürgerin isst vegetarisch.

Die Verlogenheit der Mittelschicht trifft Zeller genau. Böse zugespitzt und darin auch eindimensional aber sind diese Karikaturen verhärteter Westemanzen. Sehnsucht, Träume, Traurigkeit bleiben ihren Opfern vorbehalten, die ihre Freiheit oft nur im Lied aus der Heimat finden - dazu darf die Managerin dann doch Akkordeon spielen.

Info Nächste Termine: 3., 6.Oktober.

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