Viele Kulturen am Ball

Ulm.  Der VfL Ulm/Neu-Ulm hat zwei neue Sportgruppen. Diese sind das Produkt von "junik im Sport", einem Programm der Landesstiftung Baden-Württemberg. Und dabei geht es auch um interkulturelle Vielfalt.

Markus Lederer kommt ganz schön ins Schwitzen. Es ist Donnerstagabend und in der Sporthalle Böfingen wird Basketball gespielt. Es geht ordentlich zur Sache, so ein bisschen mitspielen, das funktioniert nicht. Aber das hat sich Lederer selbst eingebrockt. Denn die Basketballgruppe, die sich da jeden Donnerstag zu einem intensiven Spielchen trifft, die hat der Vorstandsassistent des VfL Ulm/Neu-Ulm höchstpersönlich ins Leben gerufen - und muss als Übungsleiter dann eben auch selbst ran, wenn es nötig ist.

Im Frühjahr 2009 hat Markus Lederer die Initiative ergriffen und sich bei dem Programm "Jugendliche im interkulturellen Kontext" (junik) beworben, weil er eine doppelte Chance erkannte. Zum einen war es die Gelegenheit, ein Vorhaben zu verfolgen, das sich der Ulmer Stadtteil-Verein mit seinen 1400 Mitgliedern als Ziel in seinen Aufgabenkatalog geschrieben hat: die Integration der ausländischen Mitbürger. Zum anderen war es ein Ansatz, um ein altes Problem anzugehen: das schwierige Verhältnis zum benachbarten Böfinger Jugendhaus. Vandalismus auf dem Vereinsgelände und unerlaubte Benutzung der Sportanlagen sorgten immer wieder für Ärger - und zu teilweise verhärteten Fronten. Lederer traf auf so manches über Jahre gewachsene Vorurteil und musste Überzeugungsarbeit im VfL leisten. Seine Botschaft: "Der Verein braucht auf Dauer auch die Jugendlichen mit Migrationshintergrund zum Überleben."

In dieser Hinsicht war die Initiative erfolgreich. Der VfL hat in dieser Saison wieder ein Fußball-C-Junioren-Team zum Spielbetrieb gemeldet, das sich aus einer der beiden im Sommer entstandenen Sportgruppen herauskristallisiert hat. Die begannen als offene, sportartübergreifende Angebote, für die Altersgruppe von 12 bis 16 Jahre, und für junge Erwachsene über 16 Jahre. Es wurde Verschiedenes ausprobiert, was sich nun zu einem Fußballteam und einer Basketballgruppe verdichtet hat.

Den sportartübergreifenden Gedanken setzt Ali Tobac innerhalb des Trainings nach wie vor um. Der türkischstämmige Trainer hat die Fußballer im Sommer übernommen und legt Wert darauf, dass der Ball nicht nur mit dem Fuß gespielt wird. "Das ist eh besser für die Koordination", sagt er. Tobac und sein Trainerkollege Anwar Soied haben mittlerweile 22 Jungs im Training - vorwiegend türkischer, deutscher und russischer Abstammung.

Begonnen haben sie mit sieben, der Anfang war zäh. Obwohl man strategisch vorging, den Donnerstag - da hat das Jugendhaus geschlossen - als Sporttag auswählte und auch erfolgreich um Hallenzeiten kämpfte. Aber die Kontakte zur Böfinger Eduard-Mörike-Schule, deren Schüler zu 80 Prozent aus nach Deutschland eingewanderten Familien stammen, die Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus und die Hartnäckigkeit der Übungsleiter (Ali Tobac: "Wir haben die Jungs auch auf der Straße angesprochen") zahlten sich aus. Inzwischen klappt das auch mit der notwendigen Konzentration im Training, und die ersten Erfolge in der Liga sind nur noch eine Frage der Zeit.

Auch Markus Lederer hat an seinen basketballerischen Fähigkeiten gearbeitet. Inzwischen ist es 22 Uhr. Lederer pfeift ab und ist froh, dass er sich mit seinen Mitspielern, die aus russischen, bosnischen und deutschen Familien stammen, nun einem Apfelschorle widmen kann. Und erfolgreich war er auch, denn es ist etwas Neues entstanden im VfL. Jetzt muss es nur noch am Leben erhalten bleiben.


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Autor: PETER WÖRZ | 03.02.2010

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