Ulmer Synagogenbau ab Frühjahr?

Ulm.  Der Tag der Jüdischen Kultur hat diesmal ganz im Zeichen der geplanten neuen Synagoge gestanden. Sie soll auf dem Ulmer Weinhof entstehen. Der Baustart ist fürs kommende Frühjahr vorgesehen.

Der Europäische Tag der Jüdischen Kultur besteht in seiner heutigen Form seit 1999. Gestern, als er erneut begangen wurde, sind an etwa 50 Orten in Baden-Württemberg und im Elsass Zeugnisse der älteren, aber auch der neu entstandenen jüdischen Gemeinden gezeigt worden.

Während im vergangenen Jahr an diesem Tag die jüdischen Feste schwerpunktmäßig vorgestellt wurden, so lautete das Thema diesmal "Kunst und Judentum". In Ulm fand in diesem Zusammenhang eine Stadtführung statt, die das jüdische Leben in der Stadt vom Mittelalter bis zur Gegenwart beleuchtete. Auf dem Plan standen auch eine Begehung des jüdischen Bereichs im Neuen Friedhof, und zwei Vorträge: zum einem über bedeutende jüdische Handschriften des Mittelalters und zum zweiten über die jiddische Frauenbibel Zenna Urenna, ihre Geschichte und Inhalte. Im Zentrum des öffentlichen Interesses standen diesmal aber aktuelle Informationen über den geplanten Bau der Synagoge, die auf dem Weinhof entstehen wird.

"Die grundlegenden Pläne dazu sind fertig", berichtete gestern Nachmittag Rabbiner Shneur Zalman Trebnik in den Räumen der jüdischen Gemeinde an der Neutorstraße. Technische Details müssten noch ausgearbeitet werden, man gehe aber davon aus, dass der Bauantrag der Stadtverwaltung im Dezember vorgelegt werde. "Wir hoffen, dass der erste Spatenstich oder die Grundsteinlegung für den Bau dann im März oder April kommenden Jahres möglich ist", berichtete Trebnik weiter. Die archäologischen Grabungen auf dem Baugelände seien soweit fortgeschritten, dass sie in etwa sechs Wochen beendet werden können.

Die rund 450-köpfige jüdische Gemeinde im Großraum Ulm/Neu-Ulm - ihr Einzugsgebiet reicht von Heidenheim bis Biberach - ist nicht selbstständig. Sie firmiert als Außenstelle der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg in Stuttgart. Und daran werde sich in absehbarer Zeit wohl auch nichts ändern, berichtete der Rabbiner.

Die neue Synagoge soll nach dem Konzept des Kölner Büro Kister, Scheithauer und Gross gebaut werden. Das sieht einen äußerlich schlichten würfelartigen Bau vor. Er wird 17 Meter hoch und damit so hoch wie die Dachtraufe der Sparkasse auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Und etwa so breit und so lang wie eines der Bürgerhäuser am südlichen Ende des Platzes. Kernstück des viergeschossigen mit einer Dachterrasse ausgestatteten Baus ist die Synagoge. Sie ist für das erste Stockwerk eingeplant und soll 140 Menschen Platz bieten. Fürs Erdgeschoss ist ein Mehrzwecksaal für Feste und Versammlungen vorgesehen, im zweiten Obergeschoss die Frauensynagoge.

Diesem Neubau war gestern Abend auch eine Veranstaltung in der Georgskirche gewidmet. Die Konzertlesung stand unter dem Titel: Rufer, Mahner, Tröster.


Kommentare (4)

06.09.2010 18:42 Uhr |   unbekannt

noch nicht zu spät

Einen Unterschied gibt es aber schon. Das Stadthaus macht ja schon ein bisschen was her, von der Umgebung mal abgesehen. Die Bibliothek sieht cool aus, sogar zwischen Gebäuden eines älteren Baustils. Und die neue Mitte hat auch was.
Die Synagoge dagegen ist nur ein unschöner Klotz, dem man nicht mal für sich gesehen anschauen will.

Es wär ja immer noch nicht zu spät, an den Plänen etwas zu feilen. Wenn der Klotz dann mal steht und keinem gefällt, dann ists zu spät.
06.09.2010 14:20 Uhr |   Goeppinger

Zur Umgebung passend?

Manche Organisationen können sich alles ohne Widerspruch der Baubehörden erlauben. Andern Bauherren wird hingegen fast alles vorgeschrieben, wie zB. die Farbe der Dachdeckung, Bauhöhe, Bauform und Abstände, Garagenlängen bei Grenzbebauung usw. Wir haben in allen Bereichen einen völlig überzogenen Staatsapparat, der die Kreativität der Bürger und deren notwendige Selbstverantwortung blockiert, und sich selbst per Gesetz üppig aus der Kasse der Bürger bedient. Wann werden die Zöpfe vom alten Fritz endlich abgeschnitten, dieser Beamtenapparat abgeschafft, Das Gesetzbuch nach freiheitlichen Gesichtspunkten entrümpelt und die Verwaltung leistungsbezogen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen organisiert?
06.09.2010 09:09 Uhr |   unbekannt

schlicht und würfelartig

Gute Beschreibung. Sie ist etwas neutraler als mein erster Gedanke beim Blick auf die Infotafel an der Baustelle. Ich dachte mir "scheußlich". Warum kann man an diese Stelle nicht etwas hinstellen das zur Umgebung passt oder wenigstens nicht so unglaublich öde aussieht?

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Autor: JÜRGEN BUCHTA | 06.09.2010

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