Ulmer Soldat getötet

Ulm.  Einer der in Afghanistan gefallenen Soldaten kommt aus Ulm. Oberstabsarzt Thomas B. (33) starb in einem Sanitätswagen, den Taliban-Kämpfer beschossen. In zehn Tagen wäre sein Einsatz beendet gewesen.

Hunderte Ärzte und Sanitäter aus dem Ulmer Bundeswehrkrankenhaus (BWK) waren bisher in Auslandseinsätzen, oft mehrfach. Jetzt hat das BWK das erste Todesopfer aus den eigenen Reihen zu beklagen: Oberstabsarzt Thomas B. starb am Donnerstag in der nordafghanischen Provinz Baghlan bei einem Angriff von Taliban-Kämpfern auf ein Sanitätsfahrzeug, das verletzten Kameraden zu Hilfe eilen wollte.

Besonders tragisch: Der 33-jährige Sanitätsoffizier, seit März dieses Jahres in Afghanistan, hätte seinen dritten Auslandseinsatz in zehn Tagen regulär beendet. Am Ulmer BWK absolvierte er eine Facharztausbildung zum Hautarzt, zum Jahresende wollte er die Ausbildung abschließen und Truppenarzt werden.

Außer dem beruflichen hatte B. keinen Bezug zur hiesigen Region. Er war im Januar 2009 aus Wiesbaden ans BWK gekommen, hatte als Wochenendheimfahrer aber keine Wohnung in Ulm. Thomas B. war verheiratet und hatte keine Kinder. Frau und Eltern wohnen im Raum Wiesbaden.

Ulmer Kollegen zeigten sich nach Bekanntwerden der Todesnachricht erschüttert. B. sei überaus beliebt gewesen, hieß es. Auch OB Ivo Gönner gab seiner tiefen Betroffenheit Ausdruck. Er werde, sofern es sich einrichten lasse, an der Trauerfeier teilnehmen, gleich wo sie stattfindet. "Die Stimmung in den Kasernen ist gedrückt", sagte Kapitänleutnant Daniel Auwermann vom Ulmer Kommando Operative Einsatzkräfte. Die Flaggen in den drei Ulmer Kasernen wurden auf Halbmast gesetzt. Ob es in Ulm ebenfalls eine Trauerfeier geben wird, ist offen, sagte Gönner. Die Stadt stimme dies mit dem BWK ab.

Der ums Leben gekommene Oberstabsarzt gehörte zu einem so genannten Beweglichen Arzt-Trupp (BAT) und saß im hinteren Teil einem Fahrzeug des Typs "Yak. Nach Angaben von Nachrichtenagenturen wurde das Sanitätsfahrzeug mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen und brannte aus. Die Zahl der Angreifer wird auf 50 bis 100 geschätzt. Ein BAT besteht aus einem Notarzt, einem Rettungsassistenten und einem Kraftfahrer. Er ist das militärische Gegenstück zum zivilen Notarztwagen.

Das Bundeswehrkrankenhaus bereitet sich unterdessen auf die Behandlung von fünf beim Anschlag teils schwer verletzten Soldaten vor. Die Soldaten wurden gestern in einem zur Intensivstation umgerüsteten Bundeswehr-Airbus ausgeflogen. Wegen der ungeklärten Wetterlage auf deutschen Flughäfen infolge der Vulkanasche-Ausbreitung flog er allerdings nur bis Istanbul, wo die Soldaten vorübergehend versorgt wurden. Heute sollen sie nach Deutschland gebracht werden.


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Autor: JÜRGEN BUCHTA CHRISTOPH MAYER | 17.04.2010

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