Ulmer Solarspezialisten wollen abgelegene Orte mit Strom versorgen

Eine Milliarde Menschen muss ohne Stromnetz auskommen, für sie entwickelt Solarspezialist Phocos dezentrale Lösungen. Der Trend geht dabei zu kompletten Anlagen, vor allem für Bauern in Asien und Afrika.

FRANK KÖNIG |

Der Hersteller von Komponenten für Solaranlagen Phocos geht neue Wege und konzentriert sich stärker auf Komplettlösungen wie Schaltschränke. Damit können beispielsweise Bauern in entlegenen Regionen Südostasiens, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind, solargespeiste kleinere Melkanlagen mit Kühlschrank für Milchprodukte betreiben, berichtet der neue Vorstandsvorsitzende Rudy Müller.

Bisher war Phocos mit Sitz im Stadtregal vor allem auf Laderegler für die Speicherbatterien von Solarenergie spezialisiert - Jahresproduktion rund 400.000 Stück. Das Unternehmen mit etwa 30 privaten Aktionären bekam jedoch nach Müllers Worten ebenfalls den Preisverfall in der Solarbranche zu spüren und verlegt sich daher auf komplexere Anlagen. Müller, der im Juni wie berichtet die Nachfolge von Alexander Macketanz an der Spitze von Phocos angetreten hat, will auch das Potenzial einzelner Weltregionen wie vor allem Südostasien weiter ausschöpfen - mit Ländern wie Thailand, Indonesien, Vietnam. Dabei gehe es nicht zuletzt darum, in ländlichen Regionen mit Stromnetzen die immer noch häufigen Stromausfälle zu überbrücken: als Alternative zum Dieselgenerator. Das Stichwort lautet MPPT (Maximum Power Point Tracker). Dabei handelt es sich um Laderegler, die für maximale Batterieleistung auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen sorgen sollen. Für die Komplettanlagen will Phocos neue Distributoren gewinnen, es gibt auch eine Kooperation mit dem chinesischen Elektronik-Konzern Huawei.

Eine komplette Solaranlage mit Paneelen und Wechselrichter kostet etwa 1400 US-Dollar und verursacht im Gegensatz zum Generator keine Folgekosten für Treibstoff.

Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen verfügt über Produktionsstätten in China (105 Mitarbeiter), Indien (55) und Bolivien (15) sowie Vertriebsbüros. Die Mitarbeiterzahl in der Verwaltung und Entwicklung in Ulm ist nach leichtem Personalabbau auf 15 Beschäftigte gesunken. Phocos bezieht im Stadtregal derzeit auch neue Büroräume. Alle Produktideen kommen aus Ulm, wo die Firma zudem über gute Verbindungen zur Hochschule verfügt. Prof. Walter Commerell, der an der Fakultät für Produktionstechnik auch über Speichersysteme forscht, ist Aufsichtsratschef. Müller: "Das ganze Know-how stammt aus Ulm."

Er sieht noch enormes Potenzial im so genannten Off-Grid-Markt, weil weltweit eine Milliarde Menschen ohne Stromanschluss sind und die Investitionen in Netzinfrastruktur rückläufig seien. Zuletzt hatte Phocos eine umkämpfte Ausschreibung über 18.000 Laderegler und 5000 Kühlschränke für kleinere Bauern in Marokko gewonnen. Die Ladegeräte mussten demnach hohe Anforderungen erfüllen und in den gebirgigen Regionen beispielsweise gegen Blitzschläge gewappnet sein.

Zum Phocos-Produktportfolio gehört auch die Solarlampe Pico, zuletzt zusätzlich als Mini-Version, die über Zusatzanschlüsse das Aufladen verschiedener elektrischer Geräte wie Handys erlaubt - in entlegenen Dörfern ärmerer Länder ein Thema. Geplanter Absatz der neuen Variante: 10.000 Stück jährlich. Die dezentrale Stromversorgung mit Phocos nutzt andererseits im High-End-Sektor die Öl- und Gasindustrie auf abgelegenen Bohrfeldern, auch für Überwachungskameras. Zu den Einsatzmöglichkeiten gehören auch mobile Verkehrsleitsysteme bei Straßenarbeiten, Buswartehäuschen, Straßenbeleuchtung, elektrische Werbetafeln.

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