Ulmer Gemeinderat und Neu-Ulmer Stadtrat klar für gemeinsames Projekt

Ulm.  Auf dem Neu-Ulmer Volksfestplatz wird eine Multifunktionshalle gebaut. Der Ulmer Gemeinderat und der Neu-Ulmer Stadtrat erteilten dafür mit jeweils deutlicher Mehrheit der Firma Max Bögl den Auftrag.

Jetzt kann der Nikolaustag 2011 in den Blick genommen werden: Dann soll die Multifunktionshalle Ulm/Neu-Ulm eröffnet werden. Der Startschuss dafür fiel am Mittwoch: So haben die Ulmer und Neu-Ulmer Stadträte den Weg für das Projekt mit ihrer Entscheidung frei gemacht, dem Bauunternehmen Max Bögl aus Neumarkt in der Oberpfalz den Auftrag für Planung, Bau und Betrieb einer Halle an der Europastraße zu übertragen.

Die Abstimmung der Stadtparlamente fiel am Abend bei einer gemeinsamen Sitzung vor über 100 Zuschauern im Haus der Begegnung relativ deutlich aus. So votierten im Ulmer Gemeinderat 27 Stadträte dafür und 13 dagegen, im Neu-Ulmer Stadtrat waren 28 dafür und 13 dagegen. Beiderseits der Donau ging die Front dabei durch die einzelnen Fraktionen. Zunächst war ihnen in nicht-öffentlicher Sitzung von den Stadtverwaltungen empfohlen worden, der Firma Bögl als einem von sieben Bietern den Zuschlag zu geben. Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner sagte: „Deren Vorschlag erfüllt alle Kriterien, die Gemeinderat und Stadtrat gesetzt haben.“

Das Bauprojekt besteht dabei aus der Multifunktionshalle an der Ecke der Europa- zur Memmingerstraße, wo auch der Haupteingang liegt, mit einem sich nach Westen anschließenden Parkhaus (250 Plätze) und einem Parkplatz (750 Plätze). An der Memminger Straße liegt eine Bushaltestelle, auch an die Fahrradverbindungen ist schon gedacht. Im Erdgeschoss geht es über einen Vorplatz ins Foyer und dann über das erste Obergeschoss in die Halle, wo sich die Besucher verteilen. Bis zu 5000 Zuschauerplätze sind für Basketballspiele vorgesehen, erläuterte Andreas Schele vom Projektmanager Dress & Sommer. Im zweiten Obergeschoss liegen Logen, die auch als separater Veranstaltungsbereich genutzt werden können. Die Städte Ulm und Neu-Ulm investieren im Verhältnis zwei zu eins 27,6 Millionen in den Bau, 21 Millionen davon fließen in die Halle, Bögl bringt dazu 1 Million ein.

Reinhold Eichhorn sagte für die Ulmer FWG, für Bögl spreche über das Bauvorhaben hinaus ein „realistisches Betriebskonzept“, das auch die Anzahl von Veranstaltungen nennt. Rupert Seibold lobte für die CSU, dass bei diesem Konzept „Qualität vor Sparsamkeit“ gehe. Die beiden Fraktionen stimmten wie die Ulmer CDU und in Neu-Ulm FWG und SPD mit großer Mehrheit für die Halle, wobei Karl-Martin Wöhner (SPD) warb: „Das Oberzentrum ist nicht nur eine Städtepartnerschaft, es muss mehr bieten.“

Ganz anders Kollegin Dorothee Kühne von der Ulmer SPD. Sie führte die Plädoyers der Kritiker an mit einem Blick auf die mittelfristige Finanzplanung, aus der hervorgehe, was in Ulm alles nicht finanzierbar sei: Generalsanierung von Multscher-Schule, Stifter-Schule, Einstein-Gymnasium, der Anna-Essinger-Schule und so weiter. „Das sind für mich Alarmbotschaften.“ Angesichts dessen und angesichts eines Offenbarungseides in der Kulturpolitik und nicht anders bei sozialpolitischen Maßnahmen passe der Bau einer Halle nicht in die Zeit, zumal: „Der wirtschaftliche Effekt ist mehr als zweifelhaft.“

Birgit Schäfer-Oelmayer setzte für die Ulmer Grünen noch drauf, dass die Halle nach Baufortschritt zu zahlen sei – das erfordere Fremdfinanzierung, „da wir das Geld nicht auf der hohen Kante haben“. Die Folge: Weitere Kosten durch Zinsen. Auch inhaltlich hält sie das Projekt – anders übrigens als vier ihrer sechs Fraktionskollegen – für falsch: „Um das Oberzentrum zu stärken, braucht es vor allem neue Ideen. Eine Halle zählt nicht dazu.“

Rainer Juchheim für die Neu-Ulmer Grünen schlug in die selbe Kerbe wie Kühne: „Unser Haushalt ist überlastet“, wo unter dem Motto „Sparen, Streichen, Strecken“ Politik gemacht werde. Im Übrigen tue sich Neu-Ulm auch ganz speziell keinen Gefallen mit der Halle am Muthenhölzle. „Aus Neu-Ulmer Sicht ist die Multifunktionshalle ein Kuckucksei.“ Schließlich habe die Stadt neben ihrem Kostenanteil Verkehr, Lärm und Emissionen zu tragen. „Neu-Ulm schluckt die Kröte.“

Während auch die dritte Bürgermeisterin Christa Wanke von der CSU gegen den Hallenbau ist, erinnerte ihr Fraktionskollege Wolf-Dieter Freyberger an den erfolgreichen Bau der Edwin-Scharff-Hauses wie den des Congress Centrums in Ulm. „Jetzt haben wir eine ähnlich große Entscheidung zu treffen“, diesmal für die Entwicklung beider Städte. Was die Gemeinsamkeit angeht, betonte der Neu-Ulmer Oberbürgermeister Gerold Noerenberg: „Die Entscheidung der Ulmer Stadträte, auf Neu-Ulmer Markung eine Halle zu bauen, ist ein gutes Zeichen für das, was wir noch leisten können.“

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Autor: JAKOB RESCH | 13.11.2009

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