Ulmer Narrensprung mit Rekordbeteiligung

Ulm.  Mehr als vier Stunden zogen gestern die Narren durch die Ulmer Innenstadt. Das gute Wetter trug dazu bei, dass alle bisherigen Besucherrekorde gebrochen werden konnten.

Rekordbeteiligung beim U(l)mzug: Mehr als vier Stunden zogen gestern die Narren durch die Ulmer Innenstadt. 139 Gruppen machten mit und brachten über 7000 Hästräger sowie 500 Musiker auf die Beine. Durch das schöne Wetter erfüllte sich auch die Hoffnung der Narrenzunft Ulm: Rund 20 000 Zuschauer säumten die Straßen. Besonders die sonnigen Plätze waren begehrt, um dem närrischen Treiben zuzuschauen: Wilde Hexen, schaurige Teufel, lustige Gesellen und Phantasiefiguren aller Art – von Mostbirnen über Tannenzapfen bis zu Waldschraten und Wassergeistern – liefen, stürmten, tanzten oder wälzten sich teilweise übers Pflaster.

Dabei trieben sie auch allerhand Schabernack mit dem Publikum: Warfen mit Konfetti um sich oder wuschelten es in Haarschöpfe, klauten Hüte und Mützen, banden Schuhbändel zusammen. Und sie belohnten Kinder und Erwachsene für gekonnt aufgesagte Narrenrufe mit Süßigkeiten.

Die Narren kamen aus Ulm, der Region und weit darum herum: aus der Schweiz, vom Schwarzwald und Bodensee, aus dem Allgäu und aus ganz Oberschwaben. Den unbestritten weitesten Weg aber hatte die Gruppe „The Narren of New Ulm“ aus dem US-Staat Minnesota. „Wir sind hier, um zu lernen, wie Fasnet geht“, sagten die Mitglieder der amerikanischen Gruppe, die mit 30 Leuten am Umzug mitwirkte, und von der Stimmung in der Stadt „total begeistert“ waren.

Die New-Ulm-Narren trugen als Masken die Personen eines kleinen Dorfs: Uhrmacher, Blumenfrau und viele mehr, sogar Kuh und Ziege. „Wir haben ja nicht viel Historie für unsere Figuren.“ Die Gruppe ist in Minnesota übrigens auch außerhalb der Fasnetszeit aktiv: „Sonst würde uns niemand kennen. Und wir wollen den Menschen gerne beibringen, für was für eine tolle Tradition wir stehen.“ Von Ulm geht die Gruppe weiter zu Umzügen nach Biberach, Friedrichshafen und Freiburg. Dann ist die zweiwöchige närrische Exkursion zu Ende.

Ihren allerersten Auftritt in der Ulmer Fasnet hatte die Kirchenmaus Bonifazius, die Pater Andreas Meyer bei der Narrenmesse vorstellte. Mit der Plüsch-Handpuppe und in gereimter Form predigte er darüber, dass Narren und Christen vieles gemeinsam haben, „nur dass für Christen die Zeit des Närrisch-Seins am Aschermittwoch nicht vorbei ist“. Es brauche Narren, um die Welt zu verändern. Das gelte auch für Christen: Ihre Aufgabe sei es, ehrlich, fröhlich, zupackend, mutig und solidarisch zu sein, sagte Meyer, „das ist dann eine ganz ernste Sache“. Die ungewohnt bunte Besucherschar dankte dem Pater für seine launigen wie ernstgemeinten Worte und sang die fetzigen Lieder aus vollen Kehlen mit.

Etwas schief steht er, der Narrenbaum auf dem Ulmer Marktplatz. „Aber das gehört so“, betonte Zunftmeister Wolfgang Dieminger. Die 21 Meter hohe Fichte wurde am Samstagabend mit Hilfe des Kranwagens der Ulmer Feuerwehr aufgestellt und anschließend von den Narren kräftig begossen und umtanzt, damit die Fasnet in der Stadt auch gut gedeiht. Der Baum ist eine Spende aus dem Kreis Neu-Ulm, genauer gesagt vom staatlichen Forstbetrieb Weißenhorn. Bis Faschingsdienstag bleibt der Baum mit den Bildern der sechs Ulmer Zunft- und Maskengruppen stehen, dann wird er versteigert. Dieminger ist mit dem Verlauf des Wochenendes mehr als zufrieden.


Kommentare (2)

15.03.2011 06:16 Uhr |   gkrubey@comcast.net

Minnesota Narren thank you

The New Ulm Narren thank all the Ulm Narren groups for showing us the traditions and stories of your groups. Thank you for all the extra efforts you all gave us throughout our visit. A few of us were first time visitors and you made this a trip of a lifetime. Thank you for our Sister City welcome, and I hope we can share our hospitality with you someday. Christian, you rock!!! Thank you for your presentation. Muttie and girls thank you for sharing the Fasnet music with us. To all the Narren groups and friends We love you all. Zong Raus!!!! Kathy Rubey
09.02.2011 21:12 Uhr |   Palu

Umzugsbei"g'schmäckle"

Meine Mutter (74) kaufte sich zu Beginn des Ulmer Umzuges, wie schon seit Jahrzehnten, eine Plakette.Auch wir Kinder bekamen früher schon immer unsere eigenen Plaketten - die Narrenzünfte sollten ja unterstützt werden.
Kurz nach dem Kauf bemerkte meine Mutter, dass sie noch kein Programm hatte und fragte eine der nachfolgenden Plakettenverkäuferinnen, ob sie ihr wohl noch eines geben könne. Die "freundliche" Antwort: Diese Tour kenne man - eine Plakette vom letzten Jahr bringen und dann auch noch ein Programm wollen...
Ein Programm bekam sie keines und die Freude am Umzu war dahin.
Vielleicht sollten die Zünfte in Sachen Höflichkeit zulegen!?

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Autor: VERENA SCHÜHLY | 06.02.2011

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