Aus für Transplantationszentrum in Ulm
Ulm. Das Transplantationszentrum der Uniklinik Ulm schließt zum 1. September. Das will die Klinikleitung heute öffentlich bekanntgeben. Der Grund: Die Zahl der Transplantationen ist viel zu niedrig.
Aus für die Nierentransplantation in Ulm. Zum 1. September schließt das Transplantationszentrum der Uniklinik. Damit endet eine 42-jährige Tradition in der Ulmer Krankenversorgung. Das drittälteste deutsche Transplantationszentrum wird gestrichen. Das Sozialministerium ist informiert, die Dialysezentren und die Patienten sind benachrichtigt. Das sickerte in den vergangenen Tagen durch. In der medizinischen Fakultät war diese Entscheidung der Klinikleitung vor zwei Wochen mitgeteilt worden.
Einer der Gründe für die Schließung des Zentrums liegt in den seit fünf Jahren stark rückläufigen Transplantationszahlen. 2010 waren in Ulm nur noch zwölf Transplantationen durchgeführt worden. Mitte der 90er Jahre waren es noch mehr als 70 gewesen. Das Sozialministerium Baden-Württemberg schreibt eine Mindestzahl von 25 solcher Operationen im Jahr vor, um ein Transplantationszentrum dauerhaft betreiben zu dürfen.
Aber es gibt aus den Reihen der Fachärzte auch zunehmend Kritik an der Qualität der Nierentransplantationen in Ulm. Die sogenannte Überlebensrate der neuen Organe im Patienten habe gegenüber früher um 18 Prozent abgenommen. Das Vertrauen der Ulmer Dialysepatienten, die auf eine Spenderniere warten, in das Zentrum ist offensichtlich stark gesunken. Viele Patienten weichen in das Klinikum nach Augsburg aus.
Offizielle Stellungnahmen der Klinikumsleitung zur Schließung des Ulmer Transplantationszentrums gab es gestern nicht. Heute sollen Einzelheiten in einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden. Dennoch sickerte durch, dass sich die Klinikumsspitze um eine verstärkte Kooperation der Ulmer Einrichtung mit dem Transplantationszentrum in Tübingen bemüht. Eine entsprechende Vereinbarung war bereits früher unterzeichnet worden, nachdem Ende 2003 in Ulm die bis dahin praktizierte Transplantation von Bauchspeicheldrüsen durch den damals im OP tätigen Chirurgen Dietmar Abendroth endete. Der erfahrene Operateur musste nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Abteilungschefin Doris Henne-Bruns und ihm den OP-Saal verlassen (wir berichteten). Andere Experten für die Bauchspeicheldrüsen-OP standen nicht zur Verfügung, das Zentrum beschränkte sich auf Nierentransplantationen. Und die sind seit 2003 fast durchgehend rückläufig und 2010 auf magere zwölf Fälle gesunken.
Das hat dazu geführt, dass die Krankenkassen die hohen Kosten, die sich auf die wenigen Fälle verteilen, nicht mehr tragen wollen. Die Nachsorge für Patienten, die sich auswärts transplantieren lassen, will die Uniklinik Ulm angeblich auch weiter anbieten, um diesen Patienten die Fahrten in die weiter entfernte Transplantationsklinik zu ersparen.
In den Dialysezentren der Region hat sich die Nachricht vom bevorstehenden Aus bereits herumgesprochen. Dort befürchtet man, dass dieses dramatisch negative Auswirkungen auf die Bereitschaft von Organspenden in Württemberg haben könnte. Das Land steht bereits heute in der Statistik der Organspenden in Deutschland hinten.
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Autor: WILLI BÖHMER | 28.07.2011
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Ärzte der Uniklinik Tübingen führen eine Nierentransplantation durch. In der Ulmer Klinik werden solche Operationen bald nicht mehr angeboten. Foto: dpa
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