Tank-Boykott am 1. März: "Tolle Sache" oder "Das bringt nichts"?
Ulm. Fast eine Million Facebook-Nutzer haben schon zugesagt: Sie wollen am 1. März nicht tanken. Aus Protest gegen die hohen Spritpreise. Ein Zeichen können sie damit setzen. Mehr wohl nicht.
"Dieser eine Tag soll den Öl-Multis die Macht der Konsumenten zeigen!" Andy Adam hat in Facebook zum Tank-Boykott aufgerufen. Am 1. März soll in Deutschland niemand tanken. Die Resonanz ist groß: Fast eine Million Menschen wollen mitmachen.
Anlass für den Aufruf sind die hohen Kraftstoffpreise, die nicht nur ADAC-Sprecherin Maxi Hartung eine "Unverschämtheit" nennt. "Die hohen Preise gehen besonders Pendlern an die Existenz", sagt sie. "Viele, die auf dem Land wohnen, sind auf ein Auto angewiesen."
Der Automobilclub hatte sich deshalb dafür eingesetzt, die Pendlerpauschale anzuheben. "Das wäre wenigstens eine kleine Entlastung", erklärt Hartung. Doch die Bundesregierung hat dem Vorschlag eine Absage erteilt. Die Pauschale solle bei 30 Cent pro Kilometer bleiben, eine Überprüfung sei nicht angedacht, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Pendlerpauschale hin oder her - viele Autofahrer möchten selbst ihren Unmut über die hohen Preise zeigen, zum Beispiel mit dem Tank-Boykott. Die Facebook-Nutzer diskutieren über den Erfolg der Aktion. "Tolle Sache, da bin ich dabei", schreiben die einen. "Ein Tag, ich lach' mich tot" oder "Das bringt überhaupt nichts", meinen andere.
"Ja, dieser eine Tag wird nichts verändern", schreibt der Initiator der Facebook-Einladung selbst. "Aber es ist ein einmaliger, symbolischer Schlag in die Kassen der in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne." Dem stimmt Hartung nicht zu: "Das bringt nichts. Benzin ist kein Produkt, dass man täglich konsumiert. Man tankt einmal pro Woche oder einmal im Monat. Ein Tag hat keine Auswirkungen. Das setzt die Konzerne nicht unter Druck."
Sie findet es jedoch "gut, dass die Leute ein Zeichen setzen". Die Aktion könne der Politik zeigen, wie verzweifelt die Leute sind. Vielleicht mache sie dann ihr Versprechen wahr, etwas für den kleinen Mann zu tun.
Ein Zeichen setzen möchte Initiator Andy Adam tatsächlich. Er möchte zeigen, "dass wir uns organisieren können" und die "skupellose Abzocke" der Mineralölkonzerne nicht mitmachen, schreibt er in seinem Boykott-Aufruf.
Haben Tankstelleninhaber in der Region Angst vor dem Boykott? "Nö", sagt ein Esso-Filialbetreiber aus Ulm, der seinen Namen nicht in den Medien lesen darf, und lacht. "Das wird keinen stören, es wird sich kaum auswirken. Im Moment wird sogar mehr getankt - eigentlich entgegen allen Trends." Selbst seine Kunden beschweren sich wenig über die hohen Benzinpreise. "Die regen sich eher darüber auf, dass die Zigaretten teurer werden."
Diskussionen mit Kunden hat allerdings ein Tankstellenunternehmer aus Neu-Ulm in dieser Woche häufig geführt. Sie würden sich einsichtig zeigen, wenn er erkläre, dass wegen sparsamerer Autos der Verbrauch und somit die Kosten geringer seien als noch vor 10 oder 20 Jahren, erzählt er.
"Tankstellen haben bei den Leuten ein Abzocker-Image. Wir werden an den Pranger gestellt, wir sind die Schuldigen", beschwert sich der Neu-Ulmer. "Warum kritisiert niemand die hohen Steuern auf Benzin, die die Politik festsetzt? Es sind keine Festbeträge, sondern prozentuale Steuern. Wird Benzin teurer, steigen auch die Steuern." Auch der Konflikt mit dem Iran sei politischer Natur, Tankstellen hätten damit nichts zu tun.
"Mir wäre es sogar lieber, wenn das Benzin nur 50 Cent kostet", sagt er. "Dann würden mehr Kunden kommen und im Shop außerdem noch viel einkaufen. Daran verdiene ich." Höhere Benzinpreise bringen ihm nicht mehr Geld, "meine Provision als Pächter ist immer gleich".
Warum der Boykott genau am kommenden Donnerstag, 1. März, stattfinden soll, verrät der Initiator in Facebook nicht. Es sei inzwischen ohnehin nicht mehr möglich, Tage vorauszusagen, an denen Benzin und Diesel besonders günstig sind, sagt Hartung. "Aber Donnerstag ist wahrscheinlich kein schlechter Tag für einen Boykott. In Richtung Wochenende werden die Preise tendenziell höher."
Besonders wegen der hohen Rohölpreise und dem schwachen Euro haben die Preise zum Wochenbeginn Rekordhöhen erreicht. "Wir befürchten, dass es so teuer bleibt", sagt die ADAC-Sprecherin. "Und eines ist sicher: Spätestens vor den Osterferien gehen die Preise wieder rauf."
Anlass für den Aufruf sind die hohen Kraftstoffpreise, die nicht nur ADAC-Sprecherin Maxi Hartung eine "Unverschämtheit" nennt. "Die hohen Preise gehen besonders Pendlern an die Existenz", sagt sie. "Viele, die auf dem Land wohnen, sind auf ein Auto angewiesen."
Der Automobilclub hatte sich deshalb dafür eingesetzt, die Pendlerpauschale anzuheben. "Das wäre wenigstens eine kleine Entlastung", erklärt Hartung. Doch die Bundesregierung hat dem Vorschlag eine Absage erteilt. Die Pauschale solle bei 30 Cent pro Kilometer bleiben, eine Überprüfung sei nicht angedacht, sagte eine Sprecherin von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Pendlerpauschale hin oder her - viele Autofahrer möchten selbst ihren Unmut über die hohen Preise zeigen, zum Beispiel mit dem Tank-Boykott. Die Facebook-Nutzer diskutieren über den Erfolg der Aktion. "Tolle Sache, da bin ich dabei", schreiben die einen. "Ein Tag, ich lach' mich tot" oder "Das bringt überhaupt nichts", meinen andere.
"Ja, dieser eine Tag wird nichts verändern", schreibt der Initiator der Facebook-Einladung selbst. "Aber es ist ein einmaliger, symbolischer Schlag in die Kassen der in Deutschland vertretenen Mineralölkonzerne." Dem stimmt Hartung nicht zu: "Das bringt nichts. Benzin ist kein Produkt, dass man täglich konsumiert. Man tankt einmal pro Woche oder einmal im Monat. Ein Tag hat keine Auswirkungen. Das setzt die Konzerne nicht unter Druck."
Sie findet es jedoch "gut, dass die Leute ein Zeichen setzen". Die Aktion könne der Politik zeigen, wie verzweifelt die Leute sind. Vielleicht mache sie dann ihr Versprechen wahr, etwas für den kleinen Mann zu tun.
Ein Zeichen setzen möchte Initiator Andy Adam tatsächlich. Er möchte zeigen, "dass wir uns organisieren können" und die "skupellose Abzocke" der Mineralölkonzerne nicht mitmachen, schreibt er in seinem Boykott-Aufruf.
Haben Tankstelleninhaber in der Region Angst vor dem Boykott? "Nö", sagt ein Esso-Filialbetreiber aus Ulm, der seinen Namen nicht in den Medien lesen darf, und lacht. "Das wird keinen stören, es wird sich kaum auswirken. Im Moment wird sogar mehr getankt - eigentlich entgegen allen Trends." Selbst seine Kunden beschweren sich wenig über die hohen Benzinpreise. "Die regen sich eher darüber auf, dass die Zigaretten teurer werden."
Diskussionen mit Kunden hat allerdings ein Tankstellenunternehmer aus Neu-Ulm in dieser Woche häufig geführt. Sie würden sich einsichtig zeigen, wenn er erkläre, dass wegen sparsamerer Autos der Verbrauch und somit die Kosten geringer seien als noch vor 10 oder 20 Jahren, erzählt er.
"Tankstellen haben bei den Leuten ein Abzocker-Image. Wir werden an den Pranger gestellt, wir sind die Schuldigen", beschwert sich der Neu-Ulmer. "Warum kritisiert niemand die hohen Steuern auf Benzin, die die Politik festsetzt? Es sind keine Festbeträge, sondern prozentuale Steuern. Wird Benzin teurer, steigen auch die Steuern." Auch der Konflikt mit dem Iran sei politischer Natur, Tankstellen hätten damit nichts zu tun.
"Mir wäre es sogar lieber, wenn das Benzin nur 50 Cent kostet", sagt er. "Dann würden mehr Kunden kommen und im Shop außerdem noch viel einkaufen. Daran verdiene ich." Höhere Benzinpreise bringen ihm nicht mehr Geld, "meine Provision als Pächter ist immer gleich".
Warum der Boykott genau am kommenden Donnerstag, 1. März, stattfinden soll, verrät der Initiator in Facebook nicht. Es sei inzwischen ohnehin nicht mehr möglich, Tage vorauszusagen, an denen Benzin und Diesel besonders günstig sind, sagt Hartung. "Aber Donnerstag ist wahrscheinlich kein schlechter Tag für einen Boykott. In Richtung Wochenende werden die Preise tendenziell höher."
Besonders wegen der hohen Rohölpreise und dem schwachen Euro haben die Preise zum Wochenbeginn Rekordhöhen erreicht. "Wir befürchten, dass es so teuer bleibt", sagt die ADAC-Sprecherin. "Und eines ist sicher: Spätestens vor den Osterferien gehen die Preise wieder rauf."
Weitere Artikel:
- Hoffen auf niedrigere Benzinpreise
- KOMMENTAR · SPRITPREISE: Gelegenheit zum Abkassieren
- Weiter 30 Cent für Pendler
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: LYDIA BENTSCHE | 23.02.2012
| Artikel twittern |
|
|
Die Benzinpreise steigen. Wie viel Autofahrer in Ulm und Neu-Ulm am Dienstagmittag zahlen müssen, sehen Sie hier. Nicht die teuerste, nicht die billigste: Die Tamoil-Tankstelle an der Ecke Olga- und Keplerstraße in Ulm verlangt 1,53 Euro für Diesel und 1,67 Euro für Super. Foto: Christian Wille
Bild 1 von 16
MEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK



Kommentare (4)
Bruhaha...
Letzte Woche, als das Benzin knapp 1,70EUR kostete, bildeten sich trotzdem wieder kilometerlange Staus in Richtung Berge.Wie wärs wenn in der nächsten Urlaubssaison mal die Autobahnen leer blieben? Nein? Ach so - gejammert über die Bezinpreise ja nur wenn's zur Arbeit geht!
Aber das tanken nur mal um einen Tag verschieben? Macht Euch doch nicht lächerlich!
Eine gute Idee,
noch besser wäre ein autofreier Sonntag, An einem Tag nicht zu tanken bringt insoweit überhaupt nichts, wenn die Autofahrer an diesem Tag wie gewohnt mit dem Auto fahren und Sprit verbrauchen, der dann halt an einem anderen Tag nachgefüllt wrid, Nur durch totalen Konsumverzicht können deutliche Zeichen gesetzt werden. Die Fastenzeit wäre dazu eine geeignete Zeit um sich darüber Gedanken zu machen auf unnötige Fahrten zu verzichten oder an einem oder mehreren Tagen aufs Auto zu verzichten um Kraftstoff zu sparen und den Öl-Multis zu schaden.Eine Möglichkeit wäre es....und eine
nette Geste.Aber besser wäre es, in den Ferien mal nicht zu tanken.... da würde man auch wirklich gegen die hohen Spritpreise protestieren, denn die sind immer(!) in den Ferien besonders hoch....