Stiftung Erinnerung blickt in die Zukunft
Ulm. Seit 2003 unterstützt die Stiftung Erinnerung Ulm Projekte, die Demokratie und Toleranz vermitteln. Am Stiftungstag spricht nun Margot Käßmann.
Die Mordserie der rechten Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund, die jüngst veröffentlichte Umfrage, der zufolge jeder fünfte Deutsche latent antisemitisch ist: "Wir sehen, das Thema Rechtsradikalismus ist und bleibt leider aktuell", sagt Ilse Winter, Vorsitzende der Stiftung Erinnerung Ulm, die für Demokratie, Toleranz und Menschenwürde steht. 2003 hatte der Verein Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) die Stiftung mit einem zweckgebundenen Vermögen von 88 000 Euro ausgestattet, kommenden Dienstag begeht diese im Stadthaus ihren neunten Jahrestag. Mit einer prominenten Gastrednerin: Die evangelische Theologin und Pfarrerin Margot Käßmann referiert zum Thema Bürgerengagement gegen Rechtsextremismus (siehe Info-Kasten).
"Aus der Vergangenheit lernen, die Zukunft gestalten", das hat sich die Stiftung auf die Fahnen geschrieben. So stehen nun zwei neue zentrale Förderprojekte an, beide auf drei Jahre angelegt. "Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Wenn künftig keine Zeitzeugen über die Zeit des Nationalsozialismus berichten können, müssen wir ihre zu Papier gebrachten Erinnerungen zum Sprechen bringen", sagt DZOK-Leiterin Nicola Wenge, die auch Mitglied im Stiftungsvorstand ist. Anfang 2012 fiel der Startschuss für ein Archiv-Modellprojekt in Ulm. Untersucht wird, wie dieser Paradigmenwechsel von kleineren, bürgerschaftlichen Gedenkstätten umgesetzt werden kann. Für drei Jahre ist dafür eine Historikerin mit archivarischer Zusatzausbildung eingestellt. Sie wird eine neue Archivsoftware am DZOK einführen, die dort seit zehn Jahren verwaiste Archivstelle beleben. Ein Findbuch ist geplant und eine Häftlingsdatenbank vom KZ Oberer Kuhberg. Finanziert wird das Modellprojekt mit Geldern von Bund und Land. Den Eigenanteil der Stiftung - 90 000 Euro - stellt ein Spender aus dem Süddeutschen Raum, der anonym bleiben möchte.
Zweites wichtiges Vorhaben, das die Stiftung derzeit finanziell unterstützt, ist ein interkulturelles Lernprojekt des DZOK. Mit dem Titel "Was geht mich eure Geschichte an?" richtet es sich an Hauptschüler, von denen in Ulm 80 Prozent einen Migrationshintergrund haben.
Freilich, meint Vorstandsmitglied Wolfgang Keck, mit heute 250 000 Euro Stiftungsvermögen, 1200 000 Euro Projektrücklagen für drei Jahre sowie 8000 Euro freie Fördermittel gehöre man zu den kleinen Stiftungen im Land. "Auf größere Zinseinnahmen ist nicht zu hoffen." Wohl aber auf Spenden - und so setzen Winter, Wenge und Keck darauf, dass es viele dem nicht namentlich genannten Spender gleichtun werden.
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Autor: NICOLE REUSS | 07.02.2012
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