Anschlag auf Rola "von langer Hand geplant"
Berlin/Ulm. Sechster Tag im Prozess gegen den Stiefvater der Boxerin Rola El-Halabi. Für den Anschlag ist Roy El-Halabi voll verantwortlich, sagt der Gutachter.
Auslöser des Zorns sei die Liebe Rolas zu einem verheirateten Griechen gewesen. Dieser Mann sei in den Augen des Vaters "charakterlos", er habe ihn zu einem "Dämon" hochstilisiert, so der Gutachter. Da sich Rola nicht von dem Griechen trennen wollte, habe sich Roy El-Halabi in seiner Ehre verletzt gefühlt.
Der Ehrbegriff, so der Gutachter, spiele für El-Halabi eine große Rolle. Obwohl der 44-jährige Angeklagte, dessen Familie aus dem Libanon stammt, schon seit 1985 in Deutschland lebt und sich selbst als "modern und offen" beschreibt, habe er sich nie von dem "orientalischen Wertesystem" distanziert. Dieses Wertesystem habe zusammen mit der Persönlichkeit des Angeklagten, dem der Gutachter "narzisstische Züge" bescheinigte, eine unheilige Mischung gebildet. Herausgekommen seien Angst und Aggression. So habe der nicht nur einmal, sondern immer wieder gedroht, Rola und ihren Freund "zu Krüppeln" zu machen, sollte er die beiden je zusammen sehen.
Diese Drohungen hätten nicht nur Rola selbst, sondern auch ihre Mutter erschreckt, so Böhle. Die Frau habe ihrem Mann gedroht, ihn "im Gefängnis verfaulen zu lassen", sollte er Rola etwas antun. In der Ehe der El-Halabis habe es seitdem keinen Frieden mehr gegeben. Schließlich zog der Angeklagte aus der gemeinsamen Wohnung aus.
Doch nie habe Roy El-Halabi für das Zerwürfnis innerhalb der Familie wenigstens einen Teil der Schuld bei sich selbst gesucht, so die Einschätzung des Gutachters. Vielmehr habe er Rola vorgeworfen, die Wärme, die es einst zwischen ihnen gegeben habe, zerstört zu haben. Dafür habe er sie bestrafen wollen.
Für fatal hält es der Psychiater, dass noch heute Freunde den Angeklagten offenbar bedauern. Schließlich habe der sich doch immer um Frau und Kinder gekümmert, Rola und ihrer Schwester Katja den Leistungssport ermöglicht und die jungen Frauen als Manager betreut, so der Tenor. Dieser Zuspruch von außen sei für den Angeklagten eine große Hürde, um sich mit seiner Tat angemessen auseinander zu setzen.
Eine Persönlichkeitsstörung, psychische oder neurologische Erkrankung konnte der Psychiater beim Angeklagten nicht feststellen. Für seine Taten sei er darum voll verantwortlich. Der Prozess wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung wird am kommenden Freitag mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage fortgesetzt. Für den 14. November wird das Urteil erwartet.
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Autor: DIETGARD OBERST | 02.11.2011
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Die Boxerin Rola El-Halabi im Landgericht Berlin.
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