Ratiopharm Ulm: Durch nichts aus der Ruhe zu bringen

Ulm/Neu-Ulm.  Dank einer geschlossenen Team-Leistung und zwei herausragenden Akteuren haben die Ratiopharm-Basketballer gegen Bremerhaven mit 98:71 gewonnen. Gäste-Coach Doug Spradley war sichtlich angefressen.

Es gibt eine Reihe legendärer Pressekonferenzen, auf denen sich angefressen Trainer zu Auftritten ihres Teams äußerten. Bekannte Beispiele vom Fußball sind Giovanni Trapattonis „Schwach-wie-Flasche-leer“-Rede, Rudi Völlers Angriff auf Reporter Waldemar Hartmann, der fortan zum „Weißbier-Waldi“ mutierte, und Klaus Augenthalers 43 Sekunden-Statement, bei dem er sich die Fragen gleich selbst stellte.

Nach dem 98:71-Sieg der Bundesliga-Basketballer von Ratiopharm Ulm gegen die Eisbären Bremerhaven war Gäste-Trainer Doug Spradley etwas angefressen: „Ulm hat verdient gewonnen – mehr gibt es nicht von meiner Seite.“ Es ist nicht das erste Mal, dass der 45-Jährige nach einer Partie gegen Ulm nicht viel zu sagen hat. Im Januar 2011 hatten die Ratiopharm-Korbjäger in Bremerhaven 100:93 nach Verlängerung gewonnen. Spradley damals: „Wir haben das Spiel verloren, weil wir dumm waren – Danke.“ 84 Sekunden dauerte diese Pressekonferenz, inklusive der Spiel-Analyse von Ulms Ex-Trainer Mike Taylor.

Spradleys Maulfaulheit ist nicht die einzige Parallele zur damaligen Partie. 21 Punkte und 18 Rebounds sammelte John Bryant im vergangenen Jahr, 18 Punkte und 17 Rebounds waren es dieses Mal. Von seinem Coach gab es für die neuerliche Glanzleistung ein Sonderlob. „Hervorheben muss man John Bryant, der defensiv eine unglaubliche Leistung gebracht hat und offensiv unheimlich viele Fouls gezogen hat“, sagte Thorsten Leibenath.

Bryant gelang mit den 17 Rebounds die bisherige Bestleistung der laufenden Saison. Sein Teamkollege Isaiah Swann stand dem Center kaum nach, stellte mit sieben erfolgreichen Drei-Punkt-Würfen (bei zehn Versuchen) den bisherigen Saisonrekord ein. Insgesamt erzielte Swann 26 Punkte.

Leibenath freute sich für das Duo, betonte aber: „Das sind ein paar schöne persönliche Statistiken, aber der Sieg wurde durch die Mannschaft erreicht.“ So hatte Steven Esterkamp im ersten Viertel einen Lauf, traf gegen seinen Ex-Verein drei Dreier. „Es ist immer eine Extra-Motivation gegen die ehemaligen Teamkollegen anzutreten“, sagte der Ulmer Kapitän, der an Bremerhaven nicht nur gute Erinnerungen hat. „Es war wegen der Verletzung eine schwierige Zeit“, erinnert sich der 31-Jährige. Im Sommer 2009 riss er sich die Kreuzbänder. Die Verletzung war so schwer, dass Esterkamp innerhalb von drei Monaten vier Mal operiert wurde.

Aber auch die anderen Ulmer trugen ihren Teil zum Sieg bei. Nationalspieler Per Günther steuerte fünf Assists und elf Punkte bei, Sebastian Betz erzielte seine sieben Zähler in Serie im letzten Viertel und ermöglichte seinem Team, von 81:64 auf 88:64 davonzuziehen. Als Keaton Nankivil dann trotz Foulspiels traf und auch den fälligen Freiwurf zum 91:64 verwandelte, war eigentlich klar, dass die Gastgeber nach den beiden Niederlagen gegen Bamberg und in München wieder in die Erfolgsspur zurückkehren werden.

Bis dahin war sich Leibenath seiner Sache aber nicht sicher gewesen. Nicht einmal nach dem dritten Viertel, als Ulm mit 22 Punkten führte, wollte er sich entspannen. Der Trainer hat noch die Spiele in Ludwigsburg und in Braunschweig im Hinterkopf, als es trotz deutlichen Führungen noch einmal eng wurde. „Ich bin keiner, der sich frühzeitig auf so ein Gefühl einlässt: ,Das haben wir schon gewonnen’“, sagte Leibenath.

Trotzdem nutzte er die Chance, nach fünf Spielen in 14 Tagen, seinen Stammkräften ein paar Minuten mehr Pause zu gönnen und schickte die junge Garde um Femi Oladipo aufs Feld. Mit dem Auftritt des 21-Jährigen war Leibenath zufrieden: „Er hat ganz ordentlich gespielt, vor allem in der ersten Halbzeit hat er mir gut gefallen.“

Anlass zur Kritik hatte der Ulmer Trainer dann aber doch noch ausgemacht. Die Ballverluste vor allem im ersten Viertel, sorgten für ein wenig Unmut: „Das waren deutlich zu viele. Deshalb haben wir den Bremerhavenern erlaubt im Spiel zu bleiben.“ Seinem Team hat Leibenath jetzt erstmal zwei freie Tage zugestanden: „Ich hoffe, dass die Spieler ein wenig abschalten können.“

Eine kuriose Pause gab es am Samstag im dritten Viertel, als die Fans von einem automatischen Alarm aufgefordert wurden, wegen einer technischen Störung die Arena zu verlassen. Die Entwarnung, dass es ein Fehlalarm ist, kam prompt. Gäste-Coach Spradley hätte allerdings sicher gerne auf das letzte Viertel verzichtet.


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