Karriere nach der Krise

Ulm.  Für Akademiker gibt es nach der Krise neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Firmen suchen Führungspersonal und zahlen wieder höhere Gehälter. Diese Erfahrungen macht Personalberaterin Karin Welz in Ulm.

Nach dem Auslaufen der Krise suchen die Unternehmen in der Region Ulm wieder verstärkt Führungspersonal. "Jede fünfte Stelle spricht Führungskräfte an", sagt Karin Welz, die sich 2008 mit der Eleven Personalberatung in der Frauenstraße selbstständig gemacht hat. Das verschafft auch solchen Kandidaten neues Selbstbewusstsein, die soeben noch von Kurzarbeit betroffen waren, nun jedoch im Zuge eines Firmenwechsels in eine Führungsposition einsteigen können. "In 90 Prozent der Fälle wird der Aufstieg durch einen Wechsel ermöglicht", berichtet Karin Welz.

Das gilt vor allem für Kandidaten zwischen 32 und 48 Jahren, die anfangs in eine Aufgabe als Team- oder Projektleiter hineinwachsen. Karin Welz betreut in Ulm, aber auch in Stuttgart, Heilbronn und im Bodenseeraum Unternehmen aus den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Automotive, Informationstechnologie, Elektro- und Medizintechnik. Wer in diesen Branchen als Ingenieur Mitte 30 mit Berufserfahrung ein Team mit drei bis sechs Mitarbeitern übernimmt, kann mit einem Jahresgehalt von 70 000 bis 80 000 Euro rechnen. Weil die Krise nach den Worten der Personalberaterin "wie weggeblasen" ist, steigen in der Region auch die Einstiegsgehälter, die bis auf 35 000 Euro zurückgefallen waren. Sie können wieder bis zu 42 000 Euro betragen.

Darin spiegelt sich wider, wie schwer sich die Betriebe tun, gutes Personal zu finden. Dabei ist der Ulmer Markt "sehr interessant", sagt Karin Welz, und daher auch für Führungsnachwuchs aus dem Großraum Stuttgart attraktiv. In Ulm und Neu-Ulm gebe es einerseits große, namhafte Unternehmen, gleichzeitig jedoch aufstrebende Betriebe mit einer "tollen Firmenkultur". Es gilt allerdings weiterhin: Wer einen Job in München hat, wechselt nicht.

Karin Welz zählt zu den Vorteilen des Standorts Ulm auch die überschaubare Größe und ein "Stadtgefühl", das in mancher Hinsicht sogar Berlin kaum nachsteht: "Viele wollen nicht mehr weg." Das ist ein wichtiger Aspekt für die Elchingerin, denn ihre Kunden, die teils noch Strukturen aufbauen müssen und keine eigene Truppe von Personalreferenten beschäftigen, wollen von ihr natürlich Führungskräfte, die nach ihrem Umzug zufrieden sind und nicht sofort wieder wegziehen. Daher sollen die Kandidaten möglichst aus der Region kommen.

Eleven verfügt in Ulm über einen Stellenpool mit etwa 500 Kandidaten, vieles läuft über Direktansprache und neuerdings über soziale Netzwerke im Internet. Das geht inzwischen weit über Business-Netzwerke wie Xing hinaus und erfasst neuere Plattformen wie Experteer, auf der interessierte Jobwechsler ihre Profile einstellen und zu denen nur Personalberatungen Zutritt erhalten - so dass der eigene Chef nicht weiß, wer auf dem Absprung ist. In der Industrie sei es jedoch längst normal geworden, nach fünf Jahren eine neue Herausforderung zu suchen, erläutert Karin Welz.

Und was muss ein Manager in der Industrie für eine Führungsposition mitbringen? Über sehr gutes Fachwissen hinaus sind das softe Faktoren, allen voran das Auftreten. Ein Kandidat muss souverän sein, offen und ehrlich, über eine gewinnende Art verfügen und auch als Vorgesetzter Kritik einstecken können. Karin Welz: "Das Selbstbewusstsein spielt eine ganz wichtige Rolle." Es versteht sich von selbst, dass ein Teamleiter außerdem seine Mannschaft gut zusammenhalten muss, entsprechend kommunizieren kann und Zeitpläne einhält. Und wie findet ein Personalberater heraus, ob der Kandidat das alles drauf hat? Die menschliche Seite ist nach spätestens fünf Minuten klar, sagt Karin Welz, die zuvor Erfahrungen bei Euro Engineering und Randstad gesammelt hat. Und falls der Kandidat undurchsichtig bleibt, kann man ihm auch mal eine fiese Frage stellen: "Was würde denn Ihr Vorgesetzter über Sie erzählen?"


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Autor: FRANK KÖNIG | 17.01.2011

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