Glänzende Stimmung beim Narrensprung in Ulm

Ulm.  Drei Wochen vor der eigentlichen Fasnacht haben die Narren in Ulm ihr Unwesen getrieben. Es gab kalte Füße, heftig was auf die Ohren und jede Menge gut gelaunter Zuschauer am Wegesrand.

Der Spaß hört auf, wenn der Zuschauer nicht mehr lacht. An diese oberste aller Regeln hielten sich die knapp 5000 Hästräger, die gestern vom Zeughaus durch die Innenstadt in Richtung Münsterplatz gezogen sind. Wie immer mussten vor allem junge Frauen dran glauben, wenn es darum ging Opfer in Schubkarren und Netze zu packen. Ungeschminkt angereiste Zaungäste wurden mit Konfetti hoffähig gemacht, Kinder mit Bonbons und Lutschern gelockt. Für besonders ängstliche wurden manchmal sogar die Masken ein bisschen gelupft.

Angeführt vom Trommlerkorps aus Mittelbiberach setzte sich der „Ulmzug“ pünktlich um 14 Uhr in Bewegung. Angesichts der Minusgrade tat Bewegung gut. Pyramiden wurden gebaut, Überschläge gemacht, mit globigem Schuhwerk und dicken Röcken eine sportliche Herausforderung. Müde Hexen ließen sich auch mal am Bordstein nieder. „Woisch, des sprenga überlass’ i de Jonge“, meinte eine Haglhex.

Auch die Gugga-Musiker taten das ihre, um die Zuschauer zum Hüpfen zu bringen. Wie die Gäste aus Liechtenstein bewiesen, gehört der schiefe Ton dabei ebenso dazu wie phantasievolle Kostüme. Die Plunderhüüsler aus Schaan waren zwar im Programmheft nicht vorgesehen, verliehen als „gekrönte Häupter“ mit einem großkopferten Prinz Charles an der Spitze, dem Zug aber Glanz.

Einige zu erwähnen hieße bei knapp 100 Gruppen viele zu vergessen. Eine der traditionsreichsten Gruppen ist die Plätzlerzunft Weingarten-Altdorf, die offensichtlich mit dem Nachwuchs kein Problem hat. Wer auf den Ruf „Breisgau“ brav mit „Ofenloch“ antwortete, bekam schon von den Jüngsten einen Lutscher zugesteckt. Ohne Antwort blieb die Tasche zu, da ist der Narr eisern.

Aber auch Gruppen, die noch keine zehn Jahre alt sind, bereichern einen solchen Zug. Wie die wilden Kerle der „Sulgener Löchligugger“. Historischer Hintergrund: In Bad Saulgau gab’s 2003 viele Baustellen, und ebenso viele, die durch die Löcher in den Baustellenzäunen guggten, um ihre Meinung kundzutun. Schon war der Name gefunden.

Viele Geschichten gäbe es zu erzählen, ob mit echtem oder an den Haaren herbeigezogenem historischen Hintergrund. Den Tausenden, die gestern zuschauten oder auf dem Marktplatz und in den Kneipen feierten, war es egal. Ebenso der sechsjährigen Jana, deren Opa sich in der Bockgasse mühte, der Enkelin das Geschehen schmackhaft zu machen. Vor den Hexen verkroch sie sich, die Bonbons verweigerte sie eisern mit in den Taschen verstecken Händen. Kein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Zwei Stunden lang, bis die Narrenzunft mit einem kräftigen „Zong raus“ den Zug beendete. Es gibt eben geborene Faschingsmuffel – doch die waren gestern in der Minderheit.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: UTE GALLBRONNER | 29.01.2012

Google 1+

Bunter Abschluss der närrischen Zeit in Weißenhorn

Mit einem zweistündigen Umzug ließen es die Narren auch in Weißenhorn zum Ende der Fastnacht noch einmal richtig krachen. Kreative Kostüme, wilde Stimmungsmusik und lokalpolitische Spitzen unterhielten die etwa 7000 Zuschauer.... mehr

Fastnachtsumzug der Boxberger Narrhalla mit 700 Teilnehmern

Boxberg Das letzte Aufbäumen des Narrenvolks: Der große Fastnachtsumzug der Boxberger Narrhalla zog gestern durch die Umpfertalmetropole.... mehr

Prall gefülltes Programm mit 160 quirligen Akteuren auf der Bühne

Assamstadt In der Kinderprunksitzung am Fasnachtsdienstag wurde wieder aufs Neue klar: um die Zukunft der Schlackohrenfasnacht muss man sich keine Sorgen machen.... mehr

Gerabronn wird zur Filiale des rheinischen Frohsinns

Gerabronn In ein "Schlaraffenland für Narren" wollten die Gerabronner ihre Stadt verwandeln. Das Versprechen wurde mit einem Pferdemarkt wie aus dem Bilderbuch eingelöst und von Tausenden Besuchern goutiert.... mehr

Indianer und Waldkatzen

Assamstadt Spannend ist alle Jahre die Prämierung der Teilnehmergruppen des Assamstadter Rosenmontagsumzugs. Wer hat den Vogel heuer abgeschossen?... mehr

Laudaer treibens immer doller

Lauda Der Zuspruch steigt stetig. Erneut galt die bewährte Devise "Herrscht in Lauda das Narrentreiben, darf eigentlich keiner zu Hause bleiben". Ein Grundsatz, den am Sonntag noch mehr als sonst beherzigten.... mehr

Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil

Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Unfall bei Brenz

Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz

Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr

Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um

Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr

Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters

Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr

Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam

Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

Feuer bei Firma Knittel in Vöhringen

Vöhringen In dem Abfallentsorgungsbetrieb Knittel in Vöhringen ist am Donnerstag ein Großbrand ausgebrochen. Plastikmüll und Altpapier standen in Flammen.... mehr