Grandiose Frühwerke
Volles Theaterfoyer beim vierten Kammerkonzert. Man freute sich auf Mendelssohns funkensprühendes Es-Dur-Oktett und erwartete mit Spannung Enescus C-Dur-Oktett, gleichfalls ein Jugendwerk. Allerdings ein weithin unbekanntes, sehr zu Unrecht.
Toll, dass die Musiker des Philharmonischen Orchesters Ulm in ihren Kammerkonzerten auch selten zu hörende Werke präsentieren, bewundernswert, welch mitreißende Emphase sie dem Berufsalltag entgegensetzen, sympathisch, wie selbstverständlich sich Konzertmeister Tamas Füzesi oder Solocellist Karl-Heinz Gudat mit ihren jungen Kollegen abwechseln. Allen acht Streichern war der Spaß am gemeinsamen Spiel unüberseh- und hörbar anzumerken, kein Wunder, dass die Ulmer ihre Musiker so mögen.
Natürlich verführte das jugendlich-genialische Mendelssohn-Oktett zu stürmisch ausgekosteter Musizierlust, was Nils Arne Schneider, exzellent an der ersten Geige, nicht daran hinderte, auf klangliche Zurückhaltung und subtilen Feinschliff zu verzichten: gespenstisch der Stillstand am Ende der Durchführung, wunderbar dunkel eingefärbt das elegische Andante. Kapriziös, wenn auch eine Spur zu wenig pianissimo luftig, glitt das Scherzo vorüber, gefolgt von einem kraftvoll furiosen Finale. Einige Bravorufe schon vor der Pause.
Danach das Oktett des 19-jährigen Georges Enescu, ein Werk von epischer Breite, verschwenderischer Fantasie und bereits ganz persönlichem Tonfall, angeführt von Tamas Füzesi mit der ihm eigenen Intensität und Leidenschaft. Musik, die an einen mäandernden Fluss erinnert, an- und abschwellend, sich vielfach verästelnd, immer wieder seinen Lauf ändernd, neue Ströme aufnehmend, dann allmählich verebbend: Ein grandioses Werk, das von den Musikern auch grandios interpretiert wurde.
Stefanie Flaig an der ersten Bratsche und Stephanie De Secondi am ersten Cello durften ausführlich erzählen, packend und berührend. Und inmitten all der geballten Energie leise Ruhepole: zum Atemanhalten schön. Begeisterter Applaus, viele Bravorufe, strahlende Musiker.
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Autor: SUSANNE RUDOLPH | 07.02.2012
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