Gemeinderat legt ehrgeiziges Fünfjahres-Programm fest
Ulm. Die Stadtpolitik will das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Eingebürgerten, Aussiedlern und Ausländern nachhaltig verbessern. Der Gemeinderat hat „Ulm – internationale Stadt“ auf den Weg gebracht.
„Im Anfang war das Wort.“ Einem bedeutenden Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium folgend, sprudelt das Wort in der Tat üppig im Konzept „Ulm – internationale Stadt“, das der Gemeinderat gestern in einer Klausur einstimmig auf den Weg gebracht hat. Sowohl OB Ivo Gönner und Sozialbürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle als auch in Einigkeit alle Fraktionssprecher – Thomas Kienle (CDU), Dorothee Kühne (SPD), Reinhold Eichhorn (FWG), Bruno Waidmann (FDP), Birgit Schäfer-Oelmayer – und schließlich Settar Basyildiz (Türke) und Lydia Prezer (Russin) als Repräsentanten des Internationalen Ausschusses zeigten sich zufrieden über die hinter verschlossenen Türen erzielten Ergebnisse.
Im Positionspapier „Ulm – internationale Stadt“ spricht sich die Lokalpolitik dafür aus, dass die Stadtgesellschaft mit der Internationalität ihrer Bewohner positiv umgehen sollte. Darin steckten gewaltige Ressourcen für die Entwicklung aller Lebensbereiche. Trefflich drückt sich diese Haltung in einem Satz aus, der die bisherige Diktion überwindet, die deutsche Sprache allein sei der Schlüssel aller Integration: „Mehrsprachigkeit betrachten wir als Gewinn für unsere Stadt.“
Als Konsequenz daraus kündigte Gönner an, dass Beschilderungen in Ulm künftig zweisprachig gehalten (deutsch/englisch), relevante Informationsblätter mehrsprachig aufgelegt werden. Ebenso werde die Homepage „Willkommen in Ulm“ mehrsprachig gestaltet. Den Aufwand allein für Letzteres bezifferte Gönner auf 500 000 Euro. Generell werde die Stadtverwaltung sich als Arbeitgeber stärker öffnen müssen für Migranten.
Zurück zum Wort: Das Konzept „Internationale Stadt“ beschreibt in neun Schlüsselprojekten und daraus resultierenden dutzenden Handlungsfeldern Wege und konkrete Vorhaben. Einem sich selber auferlegten Ehrgeiz des Rates zufolge sollen sie in fünf Jahren umgesetzt werden. Alle Bemühungen zielen laut Gönner darauf ab, die in Ulm allenthalben als angemessen eingeschätzte Integration und damit das Zusammenleben der Nationalitäten und Ethnien ebenso nachhaltig zu verbessern wie die Bildungs- und Berufschancen Kinder und Jugendlicher aus Familien mit Migrationshintergründen (siehe Infokasten). An sie ist freilich auch die Erwartung geknüpft, Angebote anzunehmen.
Vorausgegangen war der gestrigen Klausur ein ein Jahr lang währender Beteiligungsprozess unter der Regie Mayer-Dölles und des Internationalen Ausschusses.
Eine Kurzfassung des Konzepts gibt es hier
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Autor: HANS-ULI THIERER | 27.01.2012
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Kommentare (1)
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Die allfällige Selbstvergessenheit, sich noch nie darüber bewusst gewesen zu sein, was gesellschaftlich den Einzelnen ausschließlich begründet, breitet sich rapide zunehmend insbesondere in an sich internationalen Städten wie Ulm aus. Weil Ersteres also stets noch vor allem politischen Handeln existiert, gilt es angesichts dessen solcherlei zutiefst falsches Widersetzen der weit überwiegenden Mehrheit der Bürger auch in Zukunft zu relativieren, wie der Oberbürgermeister Gönner öffentlich anlässlich der nur wenige Wochen zurückliegenden Weihnachtsansprache ausdrücklich hervorhob.