Donau: Warten auf die Eisbahn
Ulm. Von Ufer zu Ufer zugefroren war die Donau zuletzt 1985. Trotz eisiger Temperaturen sind Schlittschuh-Pirouetten derzeit nicht drin. Noch nicht.
Gefühlte minus 19 Grad gab's in Ulm am Dienstag zur Mittagspause. Tatsächlich zeigte das Quecksilber um 11 Uhr eisige 14 Grad unter Null an. "Ulm ist seit Freitag im Eiskeller", sagt Hanns-Ulrich Kümmerle vom Regionalen Klimabüro Freiburg. Tag Nummer fünf mit "extremer Winterkälte", erklärt der Experte: Dabei bleiben die Temperatur tagsüber unter minus 5 und nachts unter minus 15 Grad.
Schon bildet sich stellenweise Eis auf der Donau. An eine Donauüberquerung gen Neu-Ulm, wie das zuletzt 1985 auf einer Eisdecke möglich war, ist indes noch nicht zu denken. Volle acht Tage lang, vom 5. bis zum 12. Januar, herrschte seinerzeit extreme Winterkälte, die den Ulmern das seltene Schauspiel bescherte. Als allerdings die Stadtwerke die Schleusen bei den Kraftwerken für zwei Stunden voll öffneten, brach die Eisdecke wieder.
Manch Ulmer erinnert sich vielleicht an den Eiswinter 1962/63 und an Schlittschuhvergnügen auf der Donau. Schon kurz nach Weihnachten gabs eine viertägige extreme Winterkälte. Es folgte Ende Januar Ulms bisheriger Dauerrekord: Vom 22. Januar bis zum 17. Februar 1963 bliebs extrem, 27 Tage lang bibberte man in der Münsterstadt bei Temperaturen unter minus 5 Grad. Auch 1954 war die Donau von der Eisenbahnbrücke ab kurzzeitig zugefroren, in Höhe der Gänstorbrücke bildete sich eine dicke Eisdecke. Den einmaligen Kälterekord hält indes das Jahr 1956: Die Wetterstation in Ulm zeigte am frühen Morgen des 10. Februar, ein Freitag, minus 25,5 Grad an. Extreme Kälteperioden gabs in Ulm außerdem nur noch Ende 1996 und Anfang 1987 für jeweils vier Tage.
Was sich in den nächsten Tagen in Sachen Eis tun wird, bleibt abzuwarten: Mindestens bis zum Wochenende bleibts jedenfalls frostig, sagt Kümmerle. Immerhin, tendenziell sind ein paar Grad mehr drin. Aber: "Eine mildere Phase ist nicht wirklich in Sicht", sagt der Experte. Um dann gleich nachzuschieben: Selbst wenn der gesamte Februar so eisig bliebe, wärs insgesamt lediglich ein durchschnittlich kalter Winter. Kümmerles Tipp: Gleich nach dem Mittagessen spazieren gehen, gegen 14 Uhr erreichen die Temperaturen derzeit ihren Maximalwert. Und: "Angesichts des strammen Ostwinds Richtung Westen laufen, zurück nimmt man besser den Bus."
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Autor: NICOLE REUSS | 08.02.2012
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