Breitband-Internet für alle

Ulm.  Die Versorgung mit Breitband-Internet spielt bei Standortentscheidungen von Firmen und Privatleuten eine immer wichtigere Rolle. Ein Kongress im Stadthaus befasste sich mit dem Thema Glasfasernetze.

Breitband-Internet muss auch in Gewerbegebieten des ländlichen Raums verfügbar sein. Daher sollte die Erschließung mit Glasfaserkabelnetzen dezentral erfolgen und darf sich nicht auf größere Städte konzentrieren. Das machte Michael Reiss vom Stuttgarter Ministerium für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz beim Glasfasertag Süddeutschland 2012 im Stadthaus deutlich. Schließlich gebe es in ländlichen Gebieten exportstarke Weltmarktführer: "Bei uns ist das über das ganze Land verteilt."

Reiss reagierte damit auf die Forderung des Ulmer Baubürgermeisters Alexander Wetzig nach städtebaulicher Verdichtung. "Man kann den Waldrand nicht mit Glasfasern erschließen." Es gehe darum, zusammenzurücken und die Innenstadt-Entwicklung voranzutreiben.

Die Verantwortung für den Ausbau der Internet-Infrastruktur sieht Wetzig bei den Kommunen: "Da sind wir als Stadtmanager gefragt." Derzeit gebe es noch zu viele weiße Flecken bei der Breitband-Versorgung. Auf dem Land sei oft nur "Bauern-DSL" zu haben - mit einer minimalen Geschwindigkeit von 1 Megabit (Mbit) pro Sekunde bei der Datenübertragung: "Wir dümpeln im Mittelfeld." Dies stehe im krassen Gegensatz zu den Pionierleistungen deutscher Forscher bei der Nachrichtenübertragung. So habe Prof. Manfred Börner im AEG-Forschungsinstitut in Ulm - dem Vorläufer der Wissenschaftsstadt - bereits 1966 das erste Patent für die optoelektronische Nachrichtenübermittlung via Glaskabel erhalten.

Pioniere beim Aufbau kommunaler Glasfasernetze in Baden-Württemberg sind nach den Worten von Michael Reiss Dischingen (Landkreis Heidenheim) und Sasbachwalden. In dem Urlaubs- und Tagungsort im Schwarzwald seien die Vorteile des schnellen Internets mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit in Form neuer Firmenansiedlungen und Verkäufen von Ferienwohnungen unmittelbar zu Tage getreten. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen bis 2014 75 Prozent der Bevölkerung in den Genuss solcher Download-Speeds kommen.

Aus Sicht von Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von Alcatel Lucent Deutschland, ist Breitband-Internet die Basis für Leben und Arbeiten in der Zukunft. Alcatel hatte den zweitägigen Kongress mit kleiner Glasfaser-Messe im Stadthaus und rund 300 Teilnehmern veranstaltet. Zum Auftakt des zweiten Tags am Mittwoch referierte Prof. Werner Sobek von der Uni Stuttgart über "Formen des zukünftigen Wohnens und Lebens". Dabei ging es darum, dass Häuser heutzutage zu viele - vor allem mineralische - Ressourcen und zu viel Energie verbrauchen und außerdem für zu viel Müll sorgen, weil sie im Gegensatz zu Autos kaum recycelbar sind. Sobek stellte das "Aktivhaus" vor, das mit Rücksicht auf Wetterinformationen gebaut wird, sich über Sensortechnik an den Lebensrhythmus der Bewohner anpasst und über viel Licht für Wohlbefinden sorgt.


Kommentare (1)

02.02.2012 12:22 Uhr |   Ralf Rath

Stadt Ulm duldet Abwanderung Hochqualifizierter

Dass Hauseigentümer sich mitten in Ulm selbst noch Jahrzehnte nach den einschlägig am einstigen Forschungsinstitut der Telefunken gewonnenen Befunden zutiefst eigenmächtig weigern, die Netzebene 4 nach dem Hausübergabepunkt von Handwerkern rückkanalfähig anschließen zu lassen, spottet der dort von der Kommune inzwischen längst ausgerufenen Wissenschaftsstadt über alle Maße. Im Effekt sind dadurch vorrangig nachweislich hochqualifiziert tätige Sozialwissenschaftler (vgl. IfN/IMF/SOFI (Hg.): Full Service Networks als Plattform für multimediale Applikationen, o. Ort, o. Jahr, S. 38, Fn.1) gezwungen, aus besagten Stadtquartieren abzuwandern.

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Autor: FRANK KÖNIG | 02.02.2012

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