Würde der Arbeit achten

Ulm.  Die Unternehmen müssen wegen des demographischen Wandels sicherstellen, dass ihre Beschäftigten länger im Betrieb bleiben können. Das wurde bei einem Führungswechsel in der Rentenversicherung deutlich.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung geht es darum, "dass die Würde der Arbeit in diesem Land mehr geachtet wird". Das sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Hans-Joachim Fuchtel, anlässlich eines Führungswechsels im Regionalzentrum der Deutschen Rentenversicherung in Ulm. Dort hat soeben Tabea Klötzner (29) ihren seit 2003 amtierenden Vorgänger Gerhard Köhrer abgelöst.

Fuchtel forderte mit Blick auf das erhöhte Rentenalter von 67 Jahren, die Unternehmen müssten "das Erwerbsleben mit mehr Fürsorge begleiten". Es gehe in erster Linie darum, auf die Gesundheit und Weiterbildung der Beschäftigten zu achten, um sie länger an ihrem Arbeitsplatz zu halten. Denn die Zahl verfügbarer Arbeitskräfte in Deutschland werde wegen der rückläufigen Geburtenrate bis 2025 um 6,5 Millionen sinken. Allein im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg stünden dann 325 000 Arbeitskräfte weniger zur Verfügung. Gegenläufige positive Effekte aus der Zuwanderung blieben jedoch marginal. Vor allem kleinere Firmen müssten begreifen, wie sehr sie auf Personal angewiesen sind. In ein paar Jahren sei es für diese Erkenntnis zu spät. Als Anreize für neue Mitarbeiter könnten Betriebsrenten, Langzeit-Arbeitskonten und flexible Arbeitszeitmodelle dienen.

Als Geschäftsführerin der baden-württembergischer Arbeitgeberverbände sagte Karoline Bauer: "Das Thema Demographie ist angekommen." Die Maxime laute: "Es muss eine längere Beschäftigungsfähigkeit gewährleistet sein." Freilich bleibe unklar, wie der Chef einer Firma mit zehn Mitarbeitern sich nebenher um eine nachhaltige Gesundheitsvorsorge kümmern soll. Entsprechende Konzepte müssten infolgedessen auf betriebliche Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Außerdem stelle sich die Frage, ob Anbieter von Gesundheitsprogrammen zertifiziert werden sollen, sagte Karoline Bauer, die auch im Vorstand der Rentenversicherung sitzt. Sie bemängelte, dass das Regionalzentrum Ulm bei Arbeitgebern nicht bekannt sei.

Die neue Ulmer Chefin Tabea Klötzner - eine Juristin - will vor allem den Rentenversicherten helfen, die im Dschungel des Sozialrechts den Überblick verlieren.


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Autor: FRANK KÖNIG | 07.02.2012

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