Tröstlich: Das Kinderstück "Wir alle für immer zusammen" im Podium

"Wir alle für immer zusammen" von Guus Kuijer ist ein Stück für Kinder ab 10 Jahren im Podium - und der große Wunsch von Polleke, einem aufgeweckten Mädchen in familiären Patchwork-Verhältnissen.

CHRISTINA KIRSCH |

"Ich erzähl's euch", sagt ein Mädchen im Podium des Theaters Ulm zum Publikum. Polleke heißt diese Elfjährige, die in Latzhosen und Ringelshirt gute 80 Minuten über die Bühne wirbelt und aus ihrem vertrackten Leben erzählt. Der niederländische Autor Guus Kuijer hat großen Erfolg mit seinen Polleke-Geschichten, die derzeit zu den meistgelesenen Kinderbüchern gehören.

Polleke (Sidonie von Krosigk) ist in ihrer Empathie und Offenheit eine Sympathieträgerin, die rundheraus, manchmal mit großem Staunen die Geschichten erzählt, die ihr alltäglich begegnen. Außerdem ist sie selbsternannte Dichterin, und "es gibt immer Luft für meine Schlösser". Mit leichtem Schritt durchwandert Polleke ihre Welt. Und sie nimmt auch die Schattenseiten mit. Ihr Vater, der auch gerne Dichter wäre, ist ein Junkie, der letztlich nicht zu retten ist. "Erwachsene müssen auf sich selber aufpassen", ist irgendwann Pollekes Erkenntnis. Ein Kind, und ist es noch so schlau, kann nicht die ganze Welt retten. Aber wie gut, wenn es irgendwo noch einen Rettungsanker gibt. Bei Guus Kuijer sind es die Großeltern auf dem Land und das Kälbchen, mit dem man knuddeln kann.

In Ulm beginnt die Inszenierung von Maike Krause mit einer Schulszene. Die Kinder kritzeln in ihre Hefte. Nebenbei fliegen Zettelchen und Blicke. Polleke und der marokkanische Junge Mimun (Christian Streit) haben sich nämlich verliebt. Dafür hat Pollekes Mutter (Susanne Weckerle) viel Verständnis, doch Mimuns Mutter ist dagegen - Julia Baukus spielt die marokkanische Matrone mit dem streng wedelnden Zeigefinger herrlich lebensnah mit einem Tick Ironie.

Alle Figuren außer Polleke sind leicht überzogen und bei Bedarf auch zum Schmunzeln. Ein Gefängnispförtner kann kaum laufen, so dick ist er, und seine Schlüssel rasseln unüberhörbar . . . Bei Oma und Opa (Julia Baukus und Christian Streit) kommt die aufgedrehte Polleke zur Ruhe. Hier herrscht Langsamkeit, Bedächtigkeit und Lebensweisheit. Die mobile Bühne (Mona Hapke) besteht aus großen Buchstaben, die als Schulbank, Bett, Gefängnis und Unterschlupf dienen.

Sidonie von Krosigk spielt Polleke wie eine Mischung aus einem jungen Füllen, Pippi Langstrumpf und Sterntaler. Mit wehenden Zöpfen und heißem Empfinden hüpft sie durch ihre Welt. Polleke sammelt nicht nur Worte, sondern auch Erkenntnisse. Das Unerfüllbare wird unter der Feststellung "Irgendwas ist immer" abgelegt. "Wir alle für immer zusammen" ist ein kindlicher Herzenswunsch, der wie in der Realität nicht ganz in Erfüllung geht. Aber was bleibt, ist schön und gut. Tröstlich.

Info Nächste Aufführungen: 3. Februar (10 und 12 Uhr); 9., 18. und 26. Februar.

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