"Trittsteine" für Biotope

Ulm.  In Ulm existieren rund 350 Biotope. Das Ansinnen, sie miteinander zu vernetzen, ist zwar gescheitert. Dennoch habe die jahrelange Diskussion darüber die Leute sensibilisiert, heißt es in der Stadtverwaltung.

. In breiten Bevölkerungskreisen hat sich seit den 70er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts ein Bewusstsein für den Umwelt- und Naturschutz entwickelt. In den 80ern begann die Ulmer Stadtverwaltung, schützenswerte Flächen auf ihrer Markung zu erfassen. Anschließend steckte sie einige Energie und nicht wenig Geld in das Ansinnen, sie miteinander zu verbinden: "Biotop-Vernetzung", so lautete ein Schlagwort jener Jahre.

Denn Biotope - spezielle Lebensräume für Pflanzen- und/oder Tierarten also - finden sich auch in einer kleinen Großstadt wie Ulm zuhauf. Manche erstrecken sich nur über wenige hundert Quadratmeter: Tümpel, Schilfröhrichtstreifen, Quellen, Böschungen und Feldgehölze. Andere, Magerrasenwiesen etwa, Wacholderweiden, Felswände in alten Steinbrüchen, Auwald-Reste und Waldraine sind allerdings schon mal einige Hektar groß. In solchen Biotopen finden seltene Tiere ihre Lebensgrundlage: die Gefleckte Heide-Libelle etwa oder der Schwalbenschwanz, der Laubfrosch, Uferschwalbe, Neuntöter, Eisvogel, Braunkelchen . . .

Geradeso wie geschützte Pflanzen: die Küchenschelle und die Wilde Tulpe, das Weiße Waldvögelein und der Gelbe Lein, Labkraut- Sommerwurz, Frühlingsenzian, Waldhyazinthe, Wiesenraute oder heimische Orchideen wie das Blasse- und das Kleine Knabenkraut, das zu den ersten Pflanzen im Frühling zählt, die auf der Wiese blühen.

"Weil der Artenaustausch in diesen oft inselartig übers Stadtgebiet verstreuten Biotopen schwer fällt und sich die dort vorhandenen Arten auch durch Inzucht vermehren müssen, war es unser Ziel, ihren Aktionsradius durch die Vernetzung zu vergrößern", erläutert Wolfgang Schmeller aus der städtischen Abteilung Städtebau- und Baurecht, die auch für die Verwaltung der Biotope zuständig ist.

Warum ist der dieser Ansatz gescheitert? "Das war ja eine rein freiwillige Sache, die sich schwerpunktmäßig an die Landwirtschaft gerichtet hatte", antwortet Schmeller. Die Bauern hätten einen Teil ihrer Flächen aus der Nutzung herausnehmen sollen. "Das hat aber nie so recht funktioniert", hält der städtische Bedienstete fest.

Seine Kollegen, die die Biotopvernetzung vorantreiben sollten, hätten sich schon hoch zufrieden gezeigt, wenn damals 10 oder 15 Prozent des Angestrebten verwirklicht worden wäre. Aber, wer verzichtet schon freiwillig und unentgeltlich auf nutzbares Land? Als völlig unproduktiv und damit überflüssig sieht Schmeller die einstigen Anstrengungen der Stadtverwaltung dennoch nicht. "Sie haben uns den theoretischen Unterbau für das weitere Vorgehen geliefert und viel zu Sensibilisierung der Bevölkerung beigetragen", versichert er. "Die Idee ist nicht völlig aufgegeben worden." Sie werde aber nicht mehr so stur wie früher verfolgt.

Um die aktuelle Regelung für Offenlandbiotope umzusetzen, versuche die Stadt heute, den Artenaustausch zwischen verschiedenen Biotopen mittels "Trittsteinen" zu verbessern. Dies bedeutet, dass, wo immer das möglich ist, am Rande von landwirtschaftlich oder gewerblich genutzten Flächen Hecken oder extensive Randstreifen anzulegen. "Wie es beispielsweise am Hochsträß, am Kuhberg oder zwischen Mähringen und Bollingen bereits recht gut gelungen ist", sagt Schmeller.

Die Stadt stelle die Flächen und das Material. Die Pflanzarbeiten und teilweise auch die Pflege übernehmen immer wieder auch Mitarbeiter des BUND oder Schüler. So etwa auch, wie in unserer gestrigen Ausgabe berichtet, am Roten Berg, wo junge Leute aus sechs Ulmer Schulen gerade dabei sind, 1800 Bäumchen zu pflanzen.

Ulm versucht seit Jahrzehnten alle Flächen zu erwerben, die innerhalb der Stadtgrenzen von Privat zum Verkauf angeboten werden. Daraus fallen immer wieder kleinere Flächen ab, die als "Trittsteine" eingesetzt werden können. Außerdem lasse das Liegenschaftsamt städtische Flächen, die verpachtet waren und zurückgegeben werden, der Stadtplanung, berichtet Schmeller. Diese Abteilung halte sie als Ausgleichsfläche für Bauprojekte vor, beziehungsweise verbuche sie auf ihrem Ökokonto.


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Autor: JÜRGEN BUCHTA | 27.03.2010

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