Trias gegen Parkplatznot
Am Sonntag wird das Parkhaus Sedelhof geschlossen. Die Stadt reagiert auf den Wegfall von 500 Stellplätzen dreifach: Öffnung Theater-Tiefgarage, zusätzliche Parkraum-Bewirtschaftung, Park-and-Ride-Offensive.
Autor: HANS-ULI THIERER |29 Jahre und neun Monate nach ihrer Eröffnung im Mai 1983 wird sie nun wieder geschlossen - für immer. Ganz genau schlägt das letzte Stündlein der Sedelhof-Tiefgarage am frühen Morgen des kommenden Sonntags um 2 Uhr, Samstag-Nachtschwärmer sollen ihr Auto noch aus dem Parkhaus holen können. Dann ist die Tiefgarage dicht, und 500 Parkplätze sind weg.
Sie werden zwar in einem neuen Parkhaus ersetzt, was aber dauert. Der Neubau entsteht im Zuge der Einkaufsgalerie Sedelhöfe und wird frühestens im ersten Quartal 2016 eröffnet; ein skeptischer Handel in der Bahnhofstraße, dessen Haus- und Hof-Tiefgarage der Sedelhof bisher war, befürchtet sogar, es könnte Herbst 2016 werden.
Die IHK Ulm hat der Stadt vorgeworfen, es fehle an Informationen über die Sedelhof-Schließung und über die Konsequenzen. Gestern nun erläuterten Baubürgermeister Alexander Wetzig, Chef-Verkehrsplaner Thomas Feig und der Chef der Parkbetriebs-GmbH (PBG) Klaus Linder das städtische Konzept, das auf den Verlust der Sedelhof-Tiefgarage reagiert. Es besteht aus drei Maßnahmen:
Erstens wird die Theater-Tiefgarage an der Olgastraße abends von 18.30 Uhr an und samstags den ganzen Tag über für die Allgemeinheit geöffnet. 88 Plätze stehen dort zur Verfügung. Die PBG hat eine Kassenanlage eingerichtet, es gelten die Tarife der anderen Tiefgaragen.
Zweitens werden jenseits der Bahnanlagen an der Schillerstraße 85 bislang kostenfreie Parkplätze fortan bewirtschaftet. Auf ihnen sind also Parkgebühren zu entrichten, die mit 90 Cent pro Stunde allerdings günstiger ausfallen als in der City. Außerdem kann das Auto auf ihnen länger abgestellt werden als auf üblicherweise auf eine oder zwei Stunden getakteten Kurzzeitparkplätzen: nämlich bis zu vier Stunden (die 3,60 Euro kosten). Wer an der Schillerstraße parkt, erreicht die City über den Bahnhofsteg. Wetzig nannte den Wegfall dieses kostenlosen Parkangebots die "Beseitigung eines Undings", denn dass dort wertvoller Parkraum umsonst war, sei ein "Relikt aus alter Zeit".
Drittens fährt die Stadt für Samstage eine Park-and-Ride-Offensive. Die P&R-Parkplätze am Schulzentrum Kuhberg und an der Donauhalle (Parkplatz Stockmahd, rechter Hand stadteinwärts) sollen ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. Ein Plakatierungs-Leitsystem führt auswärtige Autofahrer von Westen (B 28-West, B 311) und Süden (B 28-Süd) auf den Kuhberg; der Verkehr von Norden (B 10, alte B 10 und B 19) und Osten (Reuttier Straße in Neu-Ulm) her wird zur Donauhalle geführt. Das besondere Schmankerl, das mit SWU Verkehr und der Donau-Iller-Nahverkehrsgesellschaft (DING) nach einigem Ringen ausgehandelt worden sei, steht unter dem Motto: Fünf für 3,50. Das heißt: Wer seinen Pkw auf einem der P&R-Plätze abstellt, löst für 3,50 Euro ein Ticket für den Bus (Linie 4 vom Kuhberg zum Rathaus) oder die Straßenbahn (Donauhalle-Hauptbahnhof), mit dem bis zu fünf Personen in die Stadt und wieder zurück zum Parkplatz befördert werden. "Wir wollen P&R, das ein bisschen eingeschlafen ist, wieder erwecken", sagt Wetzig.
Die Sorgen des Handels seien zwar nachvollziehbar. Man dürfe darüber aber nicht das große Ziel aus den Augen verlieren, sagt Wetzig: Das Projekt Sedelhöfe werte den Einkaufsplatz auf und führe dem Handel neue Kunden zu.
Engpässe beim Parkplatzangebot seien samstags zu befürchten, sagt Klaus Linder im Lichte der Belegungszahlen und Statistiken der PBG. Demnach sind an den übrigen Wochentagen tagsüber in den City-Parkhäusern und im Müller-Parkhaus Rosengasse zusammen stets bis zu 300 Parkplätze frei. "Da haben wir Reserven." Rein rechnerisch werden sie nicht mal dann erschöpft sein, wenn die Sedelhof-Garage von Sonntag an dicht ist. Denn, berichtete Linder: Montags bis freitags sind dort deutlich mehr als 200 Plätze nicht belegt, stehen also leer.





