Träumen mit Rivoir
Ulm. Großes Kino mit Martin Rivoir. Der SPD-Landtagskandidat lädt alle Erstwähler in den Fußballstreifen "Der ganz große Traum" ein.
Große Männer, große Träu-
me. Der eine Martin, Luther King ("I have a dream") , träumte vom gleichberechtigten Miteinander von Schwarz und Weiß. Der andere Martin, Rivoir, träumt vom SPD-Sieg bei der Landtagswahl. Fraglich aber, ob ihm der Einzug ins Parlament erneut gelingt, dümpeln er und seine Genossen doch bei 20 plus x Prozent.
Weshalb der Kandidat an seiner persönlichen Fan-Kurve arbeitet. 1500 Kinogutscheine verschickte Rivoir jetzt per Postwurfsendung an alle Ulmer Erstwähler. Unter dem Slogan "Der Wechsel ist kein Traum . . . sondern wählbar - Am 27. März Martin Rivoir wählen!" lädt er das hinter den Ohren noch grüne Wahlvolk in den Spielfilm "Der ganz große Traum" ein.
Ein hochpolitischer Streifen. Er erzählt, wie der Lehrer Konrad Koch 1874 den Fußball nach Deutschland brachte, die Hauptrolle spielt Daniel Brühl. Für Mittwoch, 16. März, 20 Uhr, hat Rivoir einen Kinosaal im Xinedome angemietet. Karten bekommt, wer den an der Kinokasse Gutschein eintauscht.
Ein Foul? I wo, findet Rivoir, der mit dem unkonventionellen Geschenk gezielt den weniger politisierten und damit wohl überwiegenden Teil der Jugend ansprechen will. So teuer sei der Spaß gar nicht, sagt der Politiker, der sein Wahlkampfbudget mit 17 000 Euro angibt. "Würde ich das Kornhaus anmieten, zwei Referenten einladen und Getränke hinstellen, käme mich das teurer."
Als "an der Grenze zur Bestechung" bezeichnet dagegen CDU-Kreisgeschäftsführer Thomas Schweizer Rivoirs Kampagne. Landtagskandidatin Monika Stolz habe den Wählern "saugute Politik anzubieten, wir brauchen kein Kino", ätzt er. Ansonsten hielten sich die an Wahlkampfständen dargebotenen CDU-Geschenke im Rahmen: "Vom Kressesamen bis zum Kugelschreiber." Auch Grünen-Kandidat Jürgen Filius spottet: "Wohltaten verteilen wir erst, wenn wir regieren." Bis dahin müsse sich das umworbene Wahlvolk mit Keksen, Kugelschreibern und Kondomen begnügen. Selbst FDP-Kandidat Frank Berger versuchts mit Ironie: "Ich drücke Herrn Rivoir die Daumen", sagt er.
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Autor: CHRISTOPH MAYER | 01.03.2011
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