Testfahrten mit Puppe

Ulm.  Die Spenden für den neue Säuglingstransporter Baby-Muck sind zusammen. Vor kurzem wurden Testfahrten mit einer Puppe voller Messgeräte durchgeführt. Es geht um die schonendste Position für das Baby.

Viele Monate haben sie Spenden gesammelt, Veranstaltungen durchgeführt und die Einnahmen auf das Konto fließen lassen. Jetzt haben sie das Geld zusammen, um sich das neue Fahrzeug für den Transport hoch empfindlicher Frühgeburten und kleiner Säuglinge, den "Baby-Muck", leisten zu können, sagt Mathilde Maier. 210 000 Euro liegen bereit, berichtet die Vorsitzende des Ulmer Vereins intensivpflegebedürftiger Kinder. In den nächsten beiden Wochen wird der Wagen bestellt.

Das Geld reicht, um das Fahrzeug mit Luftfederung und einen qualitativ hochwertigen Transportinkubator für die Kleinen kaufen zu können. Allein der Inkubator verkörpert einen Wert von 80 000 Euro. Das Fahrzeug wird beim DRK in Ulm stationiert, wie das Vorgängerfahrzeug auch.

Bevor sie die Bestellung für seinen Nachfolger aufgeben, wollten sie wissen, wie sie die größtmögliche Sicherheit für die extrem stoßempfindlichen Neugeborenen schaffen können, sagt Maier. Traurige Beispiele von früher zeigten immer wieder: Harte Stöße können bei unterentwickelten Säuglingen Adern platzen lassen, immer wieder waren Gehirnblutungen und als Folge davon Behinderungen oder gar der Tod die Folge.

Bis vor kurzem sind sie davon ausgegangen, dass die angebotene Luftfederung die denkbar schonendste Variante darstellt. Aber es lagen keine Untersuchungsergebnisse vor, die das belegten. Die sollten vorliegen, bevor der neue Wagen in Auftrag gegeben wird. Das DRK Ulm und Maier suchten und fanden eine Möglichkeit: David Richter, der Rettungsdienstleiter des DRK Ulm, klopfte in der Ulmer Hochschule an und wurde fündig. Die Studentin Leonie Diesch erhielt von ihrem Professor den Auftrag, als Diplomarbeit zu testen, wie hoch die Belastungen sind und welche Federung die Kleinen am meisten schützt. Weil sie schon einmal dabei waren zu messen, wurde gleich mit überprüft, ob es günstiger ist, den ebenfalls auf einer Federung gelagerten Transportinkubator in Fahrtrichtung oder quer dazu anzuordnen.

Wie findet man die günstigste Lagerung und die beste Federung heraus? Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) rüstete insgesamt sieben Fahrzeuge mit spezieller Messtechnik aus. Diese Autos sind mit unterschiedlichen Federungen ausgestattet. Ein Baby-Dummy voller Messstreifen, der einem Säugling zwischen 1000 und 1200 Gramm entspricht, wurde in einen Transportinkubator gelegt. Im Wagen und am Inkubator wurden ebenfalls Sensoren angebracht. Diese Sensoren registrieren die Erschütterungen und melden sie an Messgeräte weiter. So ausgerüstet, gingen die Rettungsfahrzeuge, darunter auch ein Baby-Notarztwagen aus Reutlingen, auf Testfahrt.

Auf der Teststrecke der Firma Iveco in Markbronn ging es mit Geschwindigkeiten oft nur zwischen 10 und 20 Stundenkilometern über Kopfsteinpflaster und Bodenwellen - über Beläge, wie sie auch typisch sind bei Einsätzen in Ulm oder außerhalb auf Landstraßen.

Die Ergebnisse wurden ausgewertet und liegen inzwischen vor. Auch die Neonathologie der Universitätsklinik Ulm, die sich um die Frühchen kümmert, war eingeschaltet: Ab welcher Belastung beginnt das Risiko für die Kinder? Wie verträgt sich das mit den Messergebnissen aus den verschiedenen Fahrzeugen? Machen kurze kleine Stöße mehr kaputt als lange Schwingungen? "Der Dummy ist kräftig durchgeschüttelt worden", berichtete Mathilde Maier nach den Testfahrten. Die Erkenntnisse daraus sollen in die Konstruktion des neuen Baby-Muck einfließen.

Das Ergebnis der Testfahrten ist klar: Kleinere Fahrzeuge sind günstiger als große, aber diese Erkenntnis nützt ihnen wenig, weil sie wegen der Geräte und der Begleiter eine bestimmte Größe brauchen. Es kommt nur auf die Federung an. Also wird der Baby-Muck die beste Luftfederung erhalten, die es auf dem Markt gibt. Auch der Tragetisch mit dem Inkubator wird extra gefedert. Die Position des Tisches, ob quer oder in Längsrichtung, wirkt sich nicht aus.

Weil plötzlich auch bundesweit Testfahrten laufen, behält die Initiative noch Spendengeld zurück, um den noch besser geeigneten Patiententisch nachkaufen zu können, falls bei den Tests ein entsprechendes Ergebnis gefunden werden sollte. Jetzt aber wird erst Mal die Bestellung vorbereitet. Der Baby-Muck kann kommen.


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Autor: WILLI BÖHMER | 09.03.2010

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