Tenor Eric Laporte singt Lohengrin im Ulmer Theater

Der Tenor Eric Laporte stammt aus Kanada, hat schon in halb Europa gesungen und feiert in dieser Saison in Ulm nicht nur drei Rollendebüts wie jetzt den Lohengrin - nein, auch sein Kind kommt hier zur Welt.

MAGDI ABOUL-KHEIR |

"Vincerò!" - "Ich werde siegen!" Ja, es war ein Triumph, als Eric Laporte am Theater Ulm im Herbst den Calaf in "Turandot" sang und die Arie "Nessun Dorma" toll meistere. Als er unmittelbar vor der Premiere nervös durch die Gänge lief, hatte Operndirektor Matthias Kaiser ihn augenzwinkernd gefoppt: "Jetzt wär' ich ungern Tenor." Aber auch: "Du schaffst das!" Und wie Eric Laporte es schaffte.

Er habe durchaus Druck gespürt, weil die Arie so berühmt sei, erzählt er. Andererseits: "Man muss sie nur singen, dann entfaltet sie ihre Wirkung, und das war's." Doch bevor das zu profan klingt: "Es waren schon magische Momente."

Am Donnerstag hofft er auf weitere solche Momente, denn dann ist er erstmals in Richard Wagners "Lohengrin" zu erleben, in der Titelpartie, wie schon der Calaf ein Rollendebüt. Vor vier Jahren ist Laporte ins Rollenfach des jungen Heldentenors gewechselt, seit dem Max im "Freischütz" in Gießen. "Ich wollte das nicht zu früh machen, ich habe es auf mich zukommen lassen. Man sollte die großen Rollen nicht erzwingen."

Dass er nun in Ulm in einer Spielzeit gleich drei Rollendebüts feiern darf - auf Calaf und Lohengrin folgt noch im Mai die Titelrolle in Massenets "Werther" - sei "eine tolle Chance, und das ist keine Schleimerei". Zumal die Oper in Ulm prima besucht, das Publikum aufmersam sei: "Auch das ist keine Schleimerei", betont der sympathische, charmante Erzähler in seinem französischen Akzent.

1971 im kanadischen Québec geboren, wollte Eric Laporte zunächst Pop-Arrangeur werden und studierte Keyboard. Gesang war nur ein Nebenfach, aber Lehrer redetem ihm zu: "Deine Stimme ist dein Instrument." Mit 26 entschied er sich tatsächlich, am Opernstudio Montréal klassischen Gesang zu studieren. 1999 nahm er am Belvedere-Wettbewerb in Wien teil, gehörte zu den Preisträgern - und hatte alsbald einen Vertrag fürs Landestheater Salzburg in der Tasche. Es folgten Engagements in Linz, Bonn, Bielefeld, danach entschied er sich für eine freie Karriere, gastierte an vielen deutschen und österreichischen Bühnen, aber auch in Frankreich, Holland, Schottland.

Laporte hat eine Wohnung in Bielefeld, "die ich manchmal besuche". Dass er nun mehrere große Rollen in Ulm hat - zwei Vorstellungen pro Woche, ohne herumfahren zu müssen -, empfindet er als Luxus. Zumal seine Frau immer dabei ist. Die holländische Theaterwissenschaftlerin hat er kennengelernt, als er in Maastricht den Alfredo in "La Traviata" sang. Ende Dezember haben die beiden geheiratet, Nachwuchs ist unterwegs. Eric Laporte freut sich: "Mein Sohn wird in Ulm geboren", im Frühsommer, nach den Vorproben zu "Manon Lescaut"; die Puccini-Oper steht im Herbst auf dem Spielplan.

Nun kommt aber erstmal die "Lohengrin"-Premiere. Nach dem Walther in "Tannhäuser" und dem Erik im "Fliegenden Holländer" ist es seine dritte Wagner-Rolle. Was er an dem Komponisten liebt: "Es gibt diesen blöden Kampf zwischen Libretto und Musik nicht. Es ist alles eins." Wagners Kunstsprache "muss man aber lernen zu lieben".

Leporte hatte schon in Kanada Deutschkurse besucht, die Sprache dann aber während seiner Salzburger Zeit ("diese Art von Bairisch hat mir nicht geholfen") eher durchs Fernsehen gelernt. Vor zwei Jahren hat er den B1-Sprachtest für die unbefristete Aufenthaltserlaubnis bestanden - der aber in Sachen Wagner wenig bringt. "Wenn ich das zum ersten Mal lese, verstehe ich zehn Prozent", sagt Laporte. Dann hilft eine gute Übersetzung der Oper Lyon ins Französische: "Ich muss das in meiner Muttersprache lesen". Es folgen Gespräche mit dem Dramaturgen, "schließlich will ich das beim Singen für mich in einer modernen Sprache im Kopf haben. Ich mag nichts singen, was ich nicht verstehe." Also auch keine russischen Werke - mit Deutsch, Französisch und Italienisch dürfte dem Heldentenor Eric Laporte aber auch so die Opernwelt offen stehen. An Deutschland schätzt er dabei, "dass man hier in keine Schublade gesteckt wird". Auch das, übrigens, "ist keine Schleimerei".

Premiere am Theater Ulm

Einführungsmatinee Richard Wagners romantische Oper "Lohengrin" feiert am Donnerstag, 19 Uhr, im Theater Ulm Premiere - mit Eric Laporte in der Titelpartie. Am Sonntag,11 Uhr, findet dazu im Foyer die Einführungsmatinee statt: mit dem musikalischen Leiter GMD Timo Handschuh, Solistinnen und Solisten, Dramaturg Benjamin Künzel, Regisseur Matthias Kaiser, Bühnenbildner Detlev Beaujean und Kostümbildnerin Angela C. Schuett.

 

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