Insolvenzverwalter: Schließung vermeiden
Teilefertigung bei Kögel in Ulm auf der Kippe
Ulm/Neu-Ulm. Bei Kögel in Ulm droht die Schließung der Teileproduktion. Insolvenzverwalter Geiwitz sucht Wege, um die Fertigung im Donautal zu halten.
Der Neu-Ulmer Insolvenzverwalter der Kögel Fahrzeugwerke, Arndt Geiwitz, sucht eine Lösung, um die Teilefertigung des Altunternehmens am Standort Ulm zu erhalten. Ansonsten droht Ende Januar die Schließung. Die wesentlichen Aktivitäten des im August 2009 insolvent gegangenen Trailerherstellers mit Hauptwerk in Burtenbach (Landkreis Günzburg) wurden zwar im November von Ulrich Humbaur übernommen und in eine neue Gesellschaft eingebracht.
Humbaur, dem der gleichnamige Nutzfahrzeugproduzent in Augsburg-Gersthofen gehört, zeigte jedoch kein Interesse am Werk Ulm und löste hier nur einzelne Bereiche wie den Kundendienst und die Gebrauchtfahrzeuge mit 21 Mitarbeitern heraus, um sie nach Burtenbach zu verlegen. Humbaur hat im Werk Burtenbach rund 450 von über 700 Mitarbeitern übernommen. Im Werk Ulm-Donautal standen zum Zeitpunkt der Insolvenz 100 Beschäftigte in Lohn und Brot.
Geiwitz führt in der Steinbeisstraße seit November die Abteilungen Reparatur, Ersatzteillogistik und eben die Teilefertigung auf eigene Rechnung fort. Sowohl für die Reparatur als auch die Logistik gibt es Kaufinteressenten, mit denen Geiwitz in Verhandlungen steht - die ohne Druck geführt werden, weil beide Bereiche profitabel sind.
Dagegen macht die Teilefertigung Verluste, für die Geiwitz geradestehen muss: "Das ist mein schwierigstes Kind." Daher sahen seine ursprünglichen Pläne vor, die Fertigung, in der gegenwärtig noch 13 Mitarbeiter tätig sind, zum 31. Januar dieses Jahres zu schließen.
Der Insolvenzverwalter hat nun jedoch zugestimmt, Mitte des Monats mit der IG Metall und dem Betriebsrat Gespräche über eine Fortführung der Teileproduktion zu führen: "Wir sind intensiv auf der Suche nach einer dauerhaften Lösung." Die Fertigung könne durch eine Umstrukturierung und die Gewinnung neuer Kunden wieder bescheidene Gewinne erzielen. Bedauerlicherweise sei gerade eben ein größerer regionaler Auftraggeber abgesprungen, der bei Kögel Teile anfertigen ließ. Eine Ideallösung wäre nach wie vor die Übernahme durch Humbaur, der in der Krise aber nicht zu viel Personal an sich binden wolle: "Am liebsten hätte ich einen Anruf von Humbaur." Falls die Teilefertigung dennoch geschlossen wird, können die betroffenen Mitarbeiter sechs Monate in eine Transfergesellschaft wechseln und erhalten 80 Prozent ihres Lohns.
Ulrich Humbaur wird auf alle Fälle ein entscheidendes Wort mitreden, wenn Geiwitz die Kögel-Ersatzteillogistik veräußert, da dies ein wichtiges Geschäftsfeld ist. Dafür interessiert sich eine Hand voll potenzieller Käufer aus der regionalen Logistik, mit denen Geiwitz bereits Gespräche führt. Für die 15 Mitarbeiter gilt Kurzarbeit, ebenso für 22 Beschäftigte in der Reparatur. Dennoch sieht Geiwitz für die Abteilung ebenfalls "gute Perspektiven".
Ein ungelöstes Problem stellt der Standort in der Steinbeisstraße dar, der von Kögel nach der ersten Insolvenz 2004 noch in Ulm zurückblieb. Einerseits möchte Geiwitz das Service-Werk als Ganzes erhalten: "Ich will alle Funktionen drauf belassen." Er schließt nicht aus, dass in den "vereinten Hüttenwerken" eventuell noch neue Mieter hinzukommen. Andererseits hätte er die Möglichkeit, das rund 18 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem noch Finanzschulden lasten, an einen alternativen Käufer zu veräußern: "Es sind Anfragen da."
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Autor: FRANK KÖNIG | 08.01.2010
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Der Kögel-Betrieb in der Steinbeisstraße:Foto: Volkmar Könneke
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