Tatort Donau: Wie im echten Fernsehen

Der "Tatort" kann getrost im Schwarzwald bleiben, denn Ulm hat jetzt seinen eigenen - und das hausgemacht: "Kripo Ulm" heißt das Ermittlerteam, das Ende Januar seinen ersten Fall im Theater Ulm löst.

LENA GRUNDHUBER |

Eine junge Frau liegt tot am Saumarkt, hinter ihr an der Wand steht in grellem Gelb "Christensau = Opfer" geschrieben. Religiös motivierter Mord oder Suizid einer Abiturientin? Für Ermittler und Zuschauer beginnt das Rätselraten. . .

Moment mal, ist das jetzt doch ein "Tatort" aus Ulm? Nein, an der Programmplanung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens hat sich nichts geändert, und eigentlich sei er darüber sogar ganz froh, sagt Daniel Grünauer ketzerisch lächelnd. Dann nämlich wäre die charmante Idee des Ulmer Theaters buchstäblich tot: der Stadt ihren eigenen Krimi zu schenken.

Mehr als zwei Jahre alt, definitiv älter als die jüngste "Tatort"-Debatte sei der Plan, erzählt der junge Dramaturg. "Man spürt ja, dass sich die Ulmer ihren eigenen ,Tatort' wünschen." Was das Fernsehen nicht erledigt, übernimmt also das Theater. Das Format "Kripo Ulm" hat Grünauer noch mit Vorgänger Michael Sommer entwickelt, der auch das Drehbuch für die erste Folge verfasste, die am 31. Januar in der Podium.bar Premiere hat - als eine Mischung aus Filmszenen und solchen, die live auf der Bühne gespielt werden. Der Vorverkauf bestätigt den Bedarf: Die Vorstellungen bis April sind bereits ausverkauft.

Wie im echten Fernsehen gibt es ein Ermittlerteam, bestehend aus Gunther Nickles als Kriminalhauptkommissar Manfred Schäufele, Julia Baukus als Polizeisprecherin Kerstin Fuchsberger, Dan Glazer als Kriminalkommissar Ferdl Waliczek und Benjamin Künzel als Kriminaltechniker Benno Schlatter. Nickles spielt dabei den personifizierten Ulmer Nebel als ebenso entschleunigter wie verschlossener schwäbischer Ermittler - fürs Dialekt-Coaching des Schauspielers wurde Verwaltungsdirektorin Angela Weißhardt verpflichtet. Sein Gegenstück findet Schäufele in Dan Glazer als jugendlichem Energiebündel mit österreichischen Wurzeln - die perfekte Figur, um Ulmer Eigenheiten von außen zu betrachten.

"Eine ernsthafte Auseinandersetzung muss liebevoll, aber auch kritisch sein", findet Grünauer. Denn wer etwa auf das Einwohnermeldeamt gehe, der stelle fest, dass das Konzept der "internationalen Stadt" für manchen noch eine "gewisse Überforderung" darstelle . . .

Aktuelle Themen wollen die Theaterleute aufgreifen, eine Parodie soll die "Kripo Ulm" nämlich keineswegs sein. Bei der Recherche habe man sich sehr bemüht, sagt Grünauer, auch wenn das Team mit einem Budget von 2000 Euro für zehn Drehtage auskommen musste, "da muss man die Brötchen schon selber schmieren". Dafür darf man auch das Polizeiauto selber anmieten und lernt bei der Gelegenheit, dass man einen echten Polizisten als Komparsen braucht, denn nur der darf so ein Auto bewegen. "Das hat Spaß gemacht, hat aber was von Wahnsinn", sagt Grünauer, der die Regie übernommen hat. Das Theater spielt immer noch eine Hauptrolle: Nur die Außenszenen werden auf der Leinwand als Film zu sehen sein, das Kommissariat ist auf der Bühne eingerichtet.

Ausgesprochen kooperativ seien die städtischen Einrichtungen von Ordnungsamt über vh bis hin zum Pressesprecher der Polizei gewesen; letzterer lieh seiner "Kollegin" Julia Baukus sogar Schulterabzeichen: ,Sie müssen gut aussehen, Sie spielen ja gewissermaßen mich.'" Highlight, so liest man Daniel Grünauers Gesicht ab, war aber der Dreh in der Gerichtsmedizin, wo noch die Instrumente eines realen Falls herumlagen.

Zwei Folgen pro Jahr würde Grünauer gerne drehen, wäre das Geld da. Ein eigenes, von Martin Leibinger entworfenes Logo hat die "Kripo Ulm" - es ist als Button oder Schlüsselanhänger in der Touristen-Info erhältlich und so ulmisch, wie es nur geht: eine Zielscheibe mit Münster im Zentrum. Wer braucht da noch einen "Tatort"?

Premiere Ende Januar

Kripo Ulm Premiere der filmischen Krimi-Theater-Reihe ist am 31. Januar in der Podium.bar in einer Inszenierung von Daniel Grünauer. Raum und Kostüme verantwortet Britta Lammers. Neben Gunther Nickles, Dan Glazer, Benjamin Künzel und Julia Baukus spielt Intendant Andreas von Studnitz den Gerichtsmediziner Jürgen Herzer. Volkram Zschiesche ist als Gast dabei.

Termine Die Vorstellungen bis April sind ausverkauft. Weitere Termine sind dann am Samstag, 16. April, 22 Uhr / Samstag, 14. Mai, 22 Uhr / Sonntag, 12. Juni, 20.15 Uhr. Der Vorverkauf dafür beginnt immer drei Monate vor dem jeweiligen Termin. Karten gibt es unter Telefon 0731/161-4444 oder im Internet unter: www.theater.ulm.de

 

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr