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Autor: JAKOB RESCH, 30.01.2013

Stillste Örtchen - in Ulm ein rares Gut

Öffentliche Toiletten in der Stadt sind rar geworden. Deswegen drückt’s an manchen Orten. Jetzt wagt der Leise-Verein einen neuen Vorstoß.


Toiletten in der Friedrichsau gibt's haufenweise nur zu Festivals wie dem Sommertagtraum im vergangenen Jahr. Aber sonst? Fotograf: Volkmar Könneke
Die Versorgung mit öffentlichen Toiletten lässt in Ulm zu wünschen übrig, findet der Verein „Leben in der Stadt“ (kurz: Leise), zumal in den letzten Jahren viele geschlossen worden sind. In der Tat finden sich heute mehr stillgelegte als stille Örtchen, siehe Saumarkt, unter der Herdbrücke, an der Heimstraße. Die Stadt hat sich aus dem öffentlichen Geschäft weitgehend zurückgezogen, wegen des Unterhalts, Vandalismus und Missbrauchs. Und das stinkt dem Leise-Verein doch gewaltig.

Ausgerechnet am Donauuferweg sei die Situation prekär, dort, wo viele Touristen unterwegs sind, wie der Verein beklagt, „denen die intimen Ulmer Verhältnisse völlig unbekannt sind“. Wenn die Stadt aber um Attraktivität bemüht sei, „gehören aus unserer Sicht auch leicht erreichbare und ordentliche Toiletten dazu“. Das gelte auch für die Friedrichsau, beliebter Spazierweg für die Ulmer selbst und Freizeitpark für Eltern mit Kindern. Dort ist letztlich sogar für Hunde besser gesorgt.

„Der Wunsch ist nachvollziehbar“, sagt Ralf Michnik, Leiter des Gebäudemanagements. Das Problem an der Sache sei nur: „Wo fängt man an, wo hört man auf?“ Zum Beispiel bei der Strecke an der Donau? Alle 500 Meter eine Austrittsmöglichkeit? Die Stadt unterhält öffentliche WCs am Lautenberg und am Busparkplatz Glöcklerstraße. Dazu kommt eine an der Donauhalle, die die Ulm-Messe betreut. In der Friedrichsau gibt es dann – abgesehen von den Biergärten – noch eine so genannte Bedarfs-Toilette am Kiosk am Oberen Ausee. Neue städtische Standörtchen? Nicht geplant.

Dabei sieht Leise die Lage durchaus differenziert. So gebe es die vollautomatischen Toiletten der Firma Wall, doch die seien für Menschen mit Behinderungen schwer zu nutzen, für Ältere oft zu kompliziert. In der City gebe es in öffentlichen Einrichtungen Gelegenheiten, aber die seien nicht ausgeschildert, abends wird es eng. Richtig sei, „dass Toiletten ohne Personal verstärkt Vandalismus ausgesetzt sind“. Man könne dem heute aber baulich vorbeugen und für praktische Reinigung sorgen – siehe Autobahn-Toiletten.

Trotzdem steht im Investitionshaushalt der Stadt für öffentliche Bedürfnisanstalten eine klare Zahl. Und die lautet nicht 00, sondern: 0.

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