Stehende Ovationen zum ausverkauften Neujahrskonzert

Vielfalt ist Trumpf: Die Ulmer Philharmoniker und Mezzosopranistin I Chiao Shih begeistern mit Klassik und Pop, Piazzolla-Tangos und Strauß-Schmankerln. Samt "Radetzky-Marsch" zum Mitklatschen.

CHRISTA KANAND |

Neues Jahr, neues Glück? Musikalisch zumindest geht die Rechnung auf. Denn nicht nur die Wiener, auch die Ulmer Philharmoniker haben's drauf - weniger walzerselig als vielmehr abwechslungsreich: Das alte Jahr ad acta gelegt, begrüßen sie mit Generalmusikdirektor Timo Handschuh im ausverkauften Großen Haus des Theaters Ulm berauschend, voller Lebensfreude und Humor, das neue Jahr. An 55 Pulten erweist sich der letzthin vielstrapazierte Klangapparat mit Konzertmeister Tamás Füzesi als topfit und gut gelaunt in vielen Stilrichtungen und Genres zuhause. Gleiches gilt für die Solistin, die Mezzosopranistin I Chiao Shih. Sie ist einfach umwerfend.

Seit 2012 gehört die gebürtige Taiwanesin, die in der aktuellen Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni" und demnächst auch in Wagners "Lohengrin" singt, fest zum Ulmer Musiktheater-Ensemble. Mit warmem Timbre und Fülle in tiefen Lagen, zudem so wandlungsfähig wie ihre wechselnden Abendroben avanciert die Sängerin nach ihrem spritzigen Donizetti-Brindisi-Trinklied spätestens in der Hommage zum 25. Todesjahr von Queen-Frontmann Freddie Mercury zum Publikumsliebling. Stimmgewaltig verstärkt schmettert sie "The Show Must Go On" - was aller Bedrohungen und Ängste zum Trotz ja auch fürs Jahr 2016 und unser Leben gilt.

Das Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm gehört seit zehn Jahren für viele Besucher zum Jahresbeginn wie eine Reihe guter Vorsätze. Diesmal gleicht das Konzert einem heiterer Streifzug durch die Musikgeschichte, vereint packende Rhythmen und mitreißende Melodien ganz nach Gusto des Publikums: von Italien mit Rossinis selten aufgeführter Opern-Ouvertüre "La Scala di seta" bis ins zaristische St. Petersburg der schneidigen Tschaikowsky-Polonaise, vom südamerikanischen Latino-Flair in Arturo Márquez' zeitgenössischer "Danzón" Nr. 2 bis nach Nordamerika zu Filmmusik und Pop. Vielfalt ist Trumpf.

Und man kann noch mehr auftrumpfen: "Vier Meter mehr Kirchturm haben wir als Köln", konstatiert eingangs Operndirektor Matthias Kaiser, dessen sehr amüsante Moderation den 17 Stücken Hintergrund und Geschichte gibt, "aber auch zehn Neujahrskonzerte und ein Gastspiel in Eislingen - das ist doch wohl eine Zahl!" Was einmal mehr für die Klasse der Philharmoniker spricht. Unter Timo Handschuhs anfeuerndem Elan laufen sie zu großer Form auf: Virtuosität, Herzblut, lupenreine Soli. Früchte der nunmehr fünfjährigen Arbeit des 40-jährigen Maestros, der das zweieinhalbstündige Feuerwerk mit Stab, aber ohne Partitur auswendig dirigiert.

Eleganz und Transparenz, präzis artikulierte Schlankheit statt g'schlampertem Schmalz besticht bei Lehárs "Wilde Rosen" wie auch bei Astor Piazzollas "Oblivion" mit Anne Schumann, die ihr Cello melancholisch zum Singen bringt. In Piazzollas Tango-Operita "María de Buenos Aires" fasziniert neben der Sängerin auf dem Bandoneon Gastsolistin Elke Knötzele. Breitwandklang sorgt in populärer Filmmusik von John Williams ("The Cowboys"), John Barry ("Der mit dem Wolf tanzt") und Eric Serras Bond-Soundtrack "Golden Eye" mit I Chiao Shih als bewaffnetem Tina-Turner-Verschnitt für Begeisterung.

Nach einer feschen Strauß-Trilogie, darunter auch Eduards "Mit Extrapost"-Polka im Express-Tempo, und stehenden Ovationen steuert die zweite Zugabe auf den sektprickelnden Spaß-Höhepunkt zu: I Chiao Shih herzig angetüdelt mit Hicks und Schlagseite in der "Schwips-Polka". Das Vergnügen komplettiert der "Radetzki-Marsch", bei dem Handschuh ausgelassen das mitklatschende Publikum dirigiert. Überall frohe Gesichter - ein Bilderbuch-Start ins Jahr.

Für Ende Januar und Mitte Februar gibt es noch Karten

Weitere Termine Die Wiederholungen des Neujahrskonzerts der Philharmoniker am Mittwoch, Dreikönigsfeiertag (11 und 19 Uhr), und am Sonntag, 10. Januar, 19 Uhr, sind nahezu ausverkauft. Das Konzert mit Werken unter anderem von Johann Strauß, Eduard Strauß, Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti, Franz Lehár, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Astor Piazzolla, Arturo Márquez, John Williams, Freddie Mercury und John Barry ist jedoch auch am 21. und 29. Januar, jeweils 20 Uhr, nochmal im Großen Haus des Theaters Ulm zu erleben. Dort spielen die Philharmoniker unter GMD Timo Handschuh ihr Neujahrskonzert auch am 31. Januar und am 13. Februar, jeweils um 19 Uhr. Für diese Termine gibt es noch Karten, die lassen sich reservieren und kaufen unter Tel. (0731) 161 44 44.

 

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