Stardesigner Colani im Bootshaus
Ulm. Stolze 125 Jahre alt wird der Ulmer Ruderclub Donau (URCD) am heutigen 2. Januar. Der Traditionsverein verbindet Leistungs- und Breitensport. Zum Jubiläum ist ein Buch erschienen mit Infos und Anekdoten.
125 Jahre sind eine lange Zeit, in der viel Geschichte passiert ist und aus der viele Geschichten zu erzählen sind. Heute auf den Tag genau vor 125 Jahren - am 2. Januar 1887 - haben acht wassersportbegeisterte Männer den Ulmer Ruderclub Donau gegründet. Inzwischen hat der Verein knapp 550 Mitglieder und ist damit nach eigenen Angaben der größte Ruderverein Baden-Württembergs.
Zum Jubiläum ist jetzt ein Buch erschienen: "125 Jahre Ulmer Ruderclub Donau - Tradition, Leistung, Leidenschaft". Es bietet auf 168 vierfarbigen Seiten eine gelungene Mischung aus kurz gehaltenen Informationen aus der langen Vereinsgeschichte und den sportlichen Erfolgen - mit dem Schwerpunkt auf den letzten 25 Jahren -, netten Anekdoten und persönlich gehaltenen Porträts heutiger Leistungsträger. Konzept und Gestaltung lagen in den Händen von Andreas Borgolte, der dem URCD seit 2000 angehört und der "engagierter Breitensportler" ist.
Unter den Kapiteln finden sich auch einige, die ungewöhnliche oder skurrile Aspekte beleuchten. So zum Beispiel das Stilrudern, das es in den 50er und 60er Jahren für Frauen gab. In dieser Disziplin kam es weniger auf die sportliche Leistung an als auf den optischen Eindruck (einheitliche Kleidung, Aussehen, Frisuren) und dass es beim Eintauchen der Ruder nicht spritzte. Die URCD-Damen brachten es in dieser Disziplin 1968 und 1969 auf deutsche Meistertitel. Wegen häufiger Streitigkeiten ob der Objektivität der Preisrichter wurde das Stilrudern aber kurz darauf abgeschafft - somit war Mädchen und Frauen auch der Weg in den allgemeinen Rennrudersport geebnet.
Ein schillerndes Kapitel der Vereinsgeschichte ist der Sommer 1972, als Stardesigner Luigi Colani eine gute Woche lang in der URCD-Werkstatt an einem ultraleichten Achter-Rennboot aus Glasfaser, Titan und Styropor arbeitete, für dessen Form er sich vom weiblichen Körper inspirieren ließ. Als Versuchskaninchen hatte er acht polnische Ruderer mitgebracht. Während der URCD-Bootsschreiner Sepp Geprägs am Superboot sägte, feilte und leimte, so erinnern sich die Ruderer, hielt Colani lieber auf der Terrasse Hof und nahm weitere Studien von Frauenkörpern vor. Ob es daran oder an anderen Gründen lag - der Colani-Achter hatte zu viele Schwächen und kam nie zu Wettkampf-Ehren. Statt dessen ist er im "River & Rowing Museum" in Henley-on-Thames zu bewundern.
Sehr lebendig ist dem URCD der Mai 1999 mit seinem Pfingsthochwasser, bei dem das Bootshaus unter Wasser stand. Allerdings erwiesen sich die Schäden geringer als erwartet. Die Ruderer bewiesen trotz angespannter Nerven in dieser Situation Mut, Neues zu entdecken: "Was tut man, wenn ringsherum Wasser ist und man zufälligerweise Zugriff auf ein Ruderboot hat? Man rudert", ist im Buch zu lesen. Und so haben die URCD-Mitglieder ein völlig neues Terrain in der Neu-Ulmer Innenstadt erkundet, so lange das möglich war.
Im Jahr 2012 hegt der Ulmer Ruderverein Hoffnung, dass die drei Leistungsträger Maximilian Reinelt, Urs Käufer und Kerstin Hartmann bei der Olympiade in London erfolgreich sind. Ende der 90er Jahre gab es in Ulm Pläne, selbst ein Stückchen Olympia zu beherbergen. Im Zuge der Stuttgarter Bewerbung für die Spiele 2012 oder 2016 sollten die Ruder-Wettbewerbe in Ulm ausgetragen werden. Nach einigen Überlegungen war die schnurgerade Donau bei Gögglingen dafür auserkoren worden. Doch daraus wurde nichts: Die Stuttgarter Planer gaben einer Strecke im Karlsruher Rheinhafen den Vorzug. 2003 bekam Stuttgart dann selbst einen Korb vom nationalen Olympischen Komitee. Darum heißt es jetzt 2012: Die Ruderwettbewerbe sind ins Mutterland des Rudersports zurückgekehrt - und Ulmer Sportler sind hoffentlich mit dabei. Grund genug für den URCD, sein 125-jähriges Bestehen ausgiebig zu feiern.
Info Das Gründungsjubiläum feiert der URCD heute Abend als interne Veranstaltung im Bootshaus. Der offizielle Festakt wird am Freitag, 21. September, mit anschließendem Ball in größerem Rahmen begangen.
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Autor: VERENA SCHÜHLY | 02.01.2012
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Das erste Bootshaus des URCD im Jahr 1889 auf Ulmer Seite der Donau, direkt an der Stadtmauer vor dem Metzgerturm gelegen und auf Hochwasserstelzen gebaut. Im Hintergrund ist die alte Herdbrücke zu sehen. Privatfotos
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