Städtische Telenet sorgt für schnelles Internet rund um die Europastraße

Der letzte große weiße Fleck auf der städtischen Internet-Karte ist getilgt: Die Telenet hat die Gewerbegebiete im Umfeld der Europastraße erschlossen. Mit einem Kommentar von Frank König: Auf dem Zukunftsmarkt

FRANK KÖNIG |

Schnelles Internet ist keineswegs nur ein Thema für private Verbraucher, die sich vielleicht mal einen Kinofilm in überschaubarer Geschwindigkeit herunterladen wollen. Vielmehr sind Unternehmen, die komplexe Dokumente verschicken und empfangen wollen, auf eine funktionierende Breitband-Verbindung angewiesen.

Damit hapert es vor allem in dezentralen Gewerbegebieten, und daher hat nun die Stadtwerke-Tochter SWU Telenet nach dem Donautal auch beidseits der Europastraße die Neu-Ulmer Industriegebiete angeschlossen: von der Zeppelin- über die Lessingstraße bis nach Schwaighofen. Der zweite Bauabschnitt Lessingstraße wird in diesen Tagen hochgeschaltet. Damit verschwindet der „letzte große weiße Fleck“ von der Breitband-Karte, sagte Telenet Chef Michael Beuschlein.

Die Telenet verlegt in solchen bereits bebauten Arealen nicht etwa Glasfaser an jedes Gebäude – der Aufwand wäre viel zu hoch. Vielmehr nutzt die Firma die vorhandene Infrastruktur der Telekom, die jedes Gebäude mit Kupferkabel versorgt und die Leitungen gebietsweise in Schaltkästen – so genannten Kabelverzweigern (KVZ) – zusammenfasst. Die Telenet fährt nur die Kabelverzweiger mit Glasfaser an und liefert den Endverbrauchern damit moderne Internet-Geschwindigkeiten von 50 Megabit Datenvolumen je Sekunde. Eine weitere Aufrüstung auf 100 Mbit/s ist möglich.

In den Gewerbegebieten in Neu-Ulm hat die Telenet auf diese Weise 13 KVZ erschlossen und erfasst damit 320 potenzielle Firmenkunden. Aus diesem Reservoir gibt es inzwischen „zehn Prozent Kundenaufträge“, berichtet Beuschlein.

Die Abschlüsse sind wichtig für die Telenet, denn sie hat den Ausbau in sechsstelliger Höhe vorfinanziert – ohne Zuschüsse des Neu-Ulmer Rathauses. „Das ist auch unser Auftrag“, sagt Beuschlein. Im Zuge der Breitband-Offensive der Städte Ulm/Neu-Ulm konnte die Telenet insgesamt 163 KVZ erschließen, zuletzt auch in Ludwigsfeld, mit einem Potenzial von 500 Kunden. In diesem Umfeld lag der Internet-Speed teils bei 2 Mbit, dabei kann man kaum ein ruckelfreies Youtube-Video anschauen. Auch Ulmer Ortsteile wie Jungingen, Lehr, Mähringen, Ermingen, Eggingen, Einsingen, Gögglingen-Donaustetten, Unterweiler wurden so erschlossen.

Im neuen Jahr wendet sich die Telenet für weiteres Wachstum vor allem Neubaugebieten zu, in denen direkt Glasfaser verlegt wurde, aber die Kunden auch umkämpft sind. Der städtische Provider (siehe Infokasten) hat zudem fast alle Ulmer Schulen mit Breitband versorgt, teils mit Glasfaser: wie bei der Grundschule am Tannenplatz, Albert-Einstein- und Schubart-Gymnasium, Pestalozzi-Förderschule.

 

Noch Kundenpotenzial da

Die SWU Telenet hat seit 2001 insgesamt 18 Stadtteile in Ulm/Neu-Ulm erschlossen und verfügt über rund 6000 Internet- und 17 000 TV-Anschlüsse. Im Zuge des Ausbaus der Infrastruktur ist das Kundenpotenzial in der Telekommunikation auf 11 000 gewachsen. Der Umsatz lag 2015 bei 13,5 (Vorjahr 12,9) Millionen Euro. Die Telenet, auch IT-Dienstleister der Stadt Ulm, beschäftigt fast 70 Mitarbeiter.

Ein Kommentar von Frank König: Auf dem Zukunftsmarkt

Schnelles Internet ist ein eindeutiger Standortvorteil. Die Städte Ulm und Neu-Ulm haben dies frühzeitig vor den derzeit laufenden überregionalen Breitband-Offensiven erkannt und mit ihrem städtischen Provider Telenet entlegene Ortschaften, aber auch Gewerbegebiete und somit wichtige Betriebe angebunden.

So ist es in eineinhalb Jahrzehnten gelungen, entlegene Ortschaften und örtliche Gewerbegebiete an die Daten-Schnellbahn anzubinden und damit nicht nur privaten Haushalten ein Multimedia-Erlebnis zu bieten, sondern außerdem Arbeitsplätze zu sichern. Ein Blick auf strukturschwache und in vieler Hinsicht abgehängte Kommunen reicht aus, um die Vorteile einer modernen Telekom-Infrastruktur schätzen zu lernen.

Die Städte haben im Zuge dieser Offensive einen interessanten Provider geschaffen – mit Zugriff auf ein modernes Rechenzentrum in der City, ein umfangreiches Kabelnetz, überdies einen Verbund mit gleichgelagerten Stadtwerke-Betrieben in Regensburg, Rosenheim, Konstanz und Lindau. An diesem Netzwerk, auch mit Kontakten zu den großen Spielern der Internet-Branche, kommt natürlich niemand so leicht vorbei. 

Da ist dann der Punkt erreicht, an dem – auch nach Erfüllen des vorrangigen Versorgungsauftrags – die Forderung nach einer Privatisierung laut werden kann und von lokalen Wettbewerbern bereits gestellt wurde. Es bleibt also spannend, wie sich die Telenet auf dem Zukunftsmarkt Internet weiter bewährt.

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