Stadtrat Keppler: Das Sedelhof-Konzept ist tot

Der erste Ulmer Stadtrat schert aus: Siegfried Keppler, altgedienter CDU-Recke, will nicht länger an der bisherigen Sedelhöfe-Planung eines Einkaufszentrums mit einigen Wohnungen festhalten. „Dieses Konzept ist tot.“ Mit Kommentar von Hans-Uli Thierer: Solonummer - oder mehr?

HANS-ULI THIERER | 7 Meinungen
Keppler macht sich stattdessen für einen „Sedelhof-Park“ mit gemischter Nutzung aus Wohnungen, Erholungs- und Grünflächen sowie allenfalls einigen kleinen Läden stark. „Es geht nicht darum, dass MAB den Rückzug möglichst ungeschoren antreten kann. An dieser Stelle darf nicht länger der Kommerz an oberster Stelle stehen“, begegnet Keppler dem Bedenken, dass durch eine solche Nutzung statt 18.000 Quadratmetern Einzelhandels-Verkaufsfläche nicht der von der Stadt erhoffte Grundstückserlös in Höhe von rund 31 Millionen Euro zu erzielen wäre. „Nicht Geld steht im Mittelpunkt, sondern ein Stück Ulmer Zukunft.“

Diese sieht Keppler, seit 25 Jahren Stadtrat, in einem Stadtpark ähnlich dem Karlsplatz, aber auf keinen Fall in größer angelegtem neuen stationären Handel. Sowohl der Umstand, dass 2015 in Neu-Ulm die Glacis-Galerie eröffne, als auch der rasant wachsende Internethandel sprächen gegen weitere Verkaufsflächen in der Ulmer City. Diese Haltung wiederum fordert Kepplers Parteifreund Gunter Czisch zu Widerspruch heraus. „Wir sollten uns erinnern, dass Ausgangspunkt und Ziel aller Planung die Aufwertung des Einzelhandelsplatzes war“, sagt der Erste Bürgermeister der Stadt Ulm. Dass Ulm Luft nach oben für eine höhere Attraktivität des Einkaufsplatzes und Potenzial für mehr Flächen in bester Lage habe, zeige das große Interesse der Branche.  

Kommentar von Hans-Uli Thierer: Solonummer - oder mehr?

Vertritt der für gelegentliche Solonummern bekannte und in seiner Fraktion wegen dieser Alleingänge mitunter auch als unberechenbar gefürchtete Siegfried Keppler eine Einzelmeinung? Oder spricht er nur aus, was inzwischen viele Ulmer denken, auch manche Stadträte?

Oder stimmt, was die Stadtspitze unverdrossen sagt und dem neuen Gemeinderat auf der bevorstehenden Klausur eintrichtern wird: Dass nämlich die Sedelhöfe nach wie vor und allen, vor allem online-bedingten Veränderungen im Einzelhandel zum Trotz ein bundesweit gefragter Standort für stationären Einzelhandel sind?

So offen die Fragen sind, so klar ist: Die Stadtspitze wird wenig amüsiert sein. Stadtrat Kepplers Vorstoß, sich vom Einzelhandelskonzept zu verabschieden und sich dem Gedanken an einen Wohnpark zu nähern, platzt mitten hinein in die Phase, da der in letzten Zuckungen liegende bisherige Partner MAB einen neuen Investor präsentieren soll. Wessen Position das stärkt oder schwächt, kann sich jeder leicht ausmalen.

In einem ist Keppler nicht zu widersprechen: Um einen möglichst billigen Ausweg für MAB kann es nicht gehen. Klar aber auch: Eine Wohnpark-Landschaft mag angesichts des auf dem lokalen Immomarkt lastenden Drucks vordergründig Reiz haben. Doch wer soll sich bei dieser Grundstücksbonität eine Wohnung leisten können? Wie auch immer: Solotänzer Keppler tritt zum Start des neuen Gemeinderats eine neue Sedelhöfe-Debatte los.

Kommentieren

7 Kommentare

22.09.2014 18:03 Uhr

Nochmal von ganz vorne über Gestaltungsmöglichkeiten nachdenken

Danke, Herr Keppler, für diesen überfälligen Beitrag zum Thema Sedelhöfe. Die Rahmenbedingungen für dieses Projekt haben sich geändert (und ändern sich auch weiter). Und der Nutzen wurde ohnehin sehr optimistisch eingeschätzt (vulgo: schöngerechnet). Man sollte sich jetzt bitte nicht daran klammern, dass schon soviel Diskussionen geführt wurden und soviel Aufwand getrieben wurde. In diesem Fall ist es am Besten, das bisherige Projekt Sedelhöfe schnell zu stoppen und "von Null" über ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken. Apropos Grünanlage: Dass in der Ulmer Innenstadt zuviele Bäume zu finden sind, kann man beim besten Willen nicht behaupten. Persönlich würde ich mich über einen Sedel-Park freuen.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

22.09.2014 23:33 Uhr

Streit um Kunden?

Dann muss man halt die Rahmenbedingungen schaffen und das Umfeld entsprechend präparieren, wie es andere Städte tun. In Stuttgart z.B. eröffnen mit dem Gerber und dem Milaneo zwei neue große Einkaufszentren. Doch die Kommunen im Umkreis wollen dagegen halten und schaffen ihrerseits weitere Handelsflächen in großem Umfang, um die Kaufkraft am Ort zu binden.

Vor geladenen Gästen machte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn an diesem Montag dem Gerber seine Aufwartung, am Dienstag eröffnen die 86 Shops auf rund 25 000 Quadratmetern Verkaufsfläche in dem neuen Zentrum offiziell. Gut zwei Wochen danach folgen die 200 Ladengeschäfte auf den 43 500 Quadratmetern des Milaneo hinter dem Hbf.

Experten meinen, dass die beiden Center zusammen zwischen 300 und 350 Millionen Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften müssen, um zu überleben. Diese Rechnung legt nur den derzeit erzielten Flächenumsatz in Stuttgart zugrunde. Ob sich die Projektentwickler damit begnügen, ist aber fraglich. Sicher ist, dass diese Kaufkraft entweder zusätzlich in die Stadt kommen muss oder andernorts abgezogen wird.

Ein Szenario, das als relativ wahrscheinlich gilt, sieht so aus: Anstatt in den Mittelzentren rund um Stuttgart einzukaufen, werden sich die Menschen häufiger ins Auto setzen und die beiden neuen Shopping-Malls in der Landeshauptstadt anfahren. Das Umland wäre dann der große Verlierer des Stuttgarter Handelsbooms. Das Milaneo beispielsweise definiert sein Einzugsgebiet nach Aussage von Centermanagerin Andrea Poul so: „Von Tübingen bis Heilbronn, von Pforzheim bis Ulm.“

Nun, mit dem Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, bei dem die einkaufswütigen Menschen zukünftig in Windeseile in die Landeshauptstadt gelangen, dürfte dies überhaupt kein Problem sein. Ulm kann sich dann so oder so sein Pleiteprojekt Sedelhöfe sparen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.wegen-milaneo-und-gerber-staedte-in-der-region-kaempfen-um-die-kunden.59b67595-b70d-45a0-a594-aaf2faa133d5.html

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

23.09.2014 13:19 Uhr

Keiner will die Zentren beschlossen haben

Gerber und Milaneo in Stuttgart
Keiner will die Zentren beschlossen haben
Jörg Nauke, 21.09.2014 08:35 Uhr

Stuttgart - Die vor der Eröffnung stehenden Einkaufszentren Gerber an der Tübinger Straße und Milaneo beim Hauptbahnhof gelten als umstritten. Die Verkehrsbelastung, die Architektur sowie die neue Konkurrenz im Einzelhandel veranlassen etwa OB Fritz Kuhn (Grüne) zur Feststellung, er halte diese Projekte für unnötig.

Da auch FDP-Fraktionschef Bernd Klingler einräumte, bei ihm überwiege das Bedauern, und Alexander Kotz (CDU) sagt, „mit dem Wissen und dem Erleben der vergangenen Jahre würde man das A-1-Areal am Bahnhof so nicht mehr aufsiedeln“, stellt sich die Frage, wer die Projekte im Rathaus eigentlich genehmigt hat.

Thomas Adler (SÖS/Linke Plus) wundert sich, „dass nun alle so tun, als hätte niemand eine politische Entscheidung dafür gefällt“.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.gerber-und-milaneo-in-stuttgart-keiner-will-die-zentren-beschlossen-haben.3bc4b589-6bb6-4f24-816e-01ff0455f889.html
....

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

23.09.2014 20:40 Uhr

Oettinger, Gönner und Schuster ...

haben die Fäden gezogen.

Monopoly 21 - die Strategie der Investoren. Die Immobilien sind wichtiger als der Bahnhof. So lässt sich die Haltung vieler Stuttgart-21-Investoren zusammenfassen. Welche wirtschaftlichen Interessen stecken hinter dem umstrittenen Riesenprojekt?

(...) Einer der größten Investoren auf dem S21-Gelände ist der ECE-Konzern. Der Hamburger Shoppingcenter-Betreiber will gemeinsam mit dem Baukonzern Strabag und der bayerischen Bau- und Immobiliengruppe (BBIG) rund 500 Millionen Euro in ein 43.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum investieren: Geplant sind drei über Brücken verbundene Gebäude mit 500 Wohnungen, einem Hotel, Restaurants, 150 bis 200 Einzelhandelsgeschäfte, mehr als 1600 Parkplätze. Gegen den Mehrheitswillen des Stuttgarter Gemeinderats hat Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) diese hohe Zahl der Parkplätze durchgesetzt.

Der Stiftung "Lebendige Stadt", die von ECE-Chef Alexander Otto gegründet worden ist, gehörten bis vor Kurzem wichtige S21-Befürworter an. Die Stiftung ist gemeinnützig, baut Parkanlagen, vergibt Preise, propagiert die Idee von C02-freien Städten - ein Gedanke, der auch ein Werbeargument von Stuttgart 21 ist. Dem Stiftungsrat gehört etwa der Architekt des Stuttgarters Hauptbahnhofs an, Christoph Ingenhoven. Im Vorstand ist seit 2005 Friederike Beyer, Lebensgefährtin des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger. Wie stern-Recherchen ergaben, gehörte bis September auch Stuttgarts Oberbürgermeister dem Stiftungsrat an. Er trat zurück, so ein Sprecher der Stiftung zum stern, "um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden".

Auch Tanja Gönner, Baden-Württembergs Umweltministerin, lässt seit Montag ihre Mitgliedschaft in der Stiftung ruhen. Auf stern-Anfrage ließ die Stiftung wissen, es bestünde "keine Vermengung von Interessen" des Unternehmens ECE und der Stiftung. Man agiere unabhängig, in keinem der Stiftungsgremien hätten Vertreter der ECE eine Mehrheit.

http://www.stern.de/wirtschaft/news/bahnhofbau-in-stuttgart-monopoly-21-die-strategie-der-investoren-1613131.html

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

22.09.2014 20:06 Uhr

Das Sedelhof-Konzept ist tot !

Endlich spricht mal einer aus was viele Ulmer und auch "nicht Ulmer" schon lange denken !

Wenn sich jemand immer noch an neue großflächige Verkaufskonzepte klammert, hat er wohl die Zeichen der Zeit nicht erkannt .

Der Internetverkauf boomt und wird sich wohl noch viel mehr ausweiten.

Ob das dem Einzelnen gefällt oder nicht, spielt keine Rolle. Immer mehr Läden machen dicht weil die Kundschaft lieber von zu Hause aus einkauft. Das alte Konzept macht also auf lange Sicht keinen Sinn mehr.

Mehr bezahlbare Wohnungen in der Ulmer Innenstadt sind sowieso dringend nötig.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

22.09.2014 17:43 Uhr

sedelhöfe

der vorschlag ist nicht schlecht, dann aber bitte mindestens 150 wohnungen und nicht nur 3 stock, sondern 7. des weiteren wohnungen für das volk und nicht für die obere kaste. auch die untere hat ein recht billiger in der city zu wohnen. sollte das nicht möglich sein, ein ganz klares nein für wohnen. dann büros oder was auch immer. aber keine luxus apartements.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

22.09.2014 22:38 Uhr

Zeit für die Realität

Chronologisch gesehen stellte Neu-Ulm zuerst die Pläne für die Glacis Galerie vor. Diese wollte man in Ulm verhindern, in dem man kurz darauf die Pläne für die Sedelhöfe vorstellte. Es war klar, dass es nicht genügend Mieter für beide Projekte geben würde. Die Glacis Galerie schien tot, eine Brachfläche lag mitten in Neu-Ulm. Als überraschend doch die Glacis Galerie verwirklicht wurde, war klar, dass es nicht genügend Ladenmieter für die Sedelhöfe geben würde. Das Projekt war ab dann nicht mehr realisierbar.Jetzt liegt die Brachfläche in Ulm. Ein für Ulm sehr teurer Kampf der Eitelkeiten.Ein völlig intaktes Parkhaus wurde abgerissen, MC Donalds erhielt Millionenzahlungen für nichts. Das alte Gebäude könnte heute noch stehen.
Hätte man in Ulm die Realitäten früher erkannt, wäre viel Geld gespart worden. Die Sedelhöfe werden ein Wohngebiet werden.

Antworten Kommentar melden lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Themenschwerpunkt

Millionenprojekt im Herzen der Stadt:
Die Sedelhöfe

Millionenprojekt im Herzen der Stadt: <br>Die Sedelhöfe

In Ulm soll bis 2016 ein neues Stadtquartier entstehen: die Sedelhöfe. Doch die Vorbereitungen für das Millionen-Projekt laufen alles andere als geräuschlos.

mehr zum Thema

Zum Schluss

Warum man mit Energiesparlampen ...

Die modernen Glühlampen sind gut für die Umwelt, weil sie Energie sparen, aber schwierig zum Entsorgen.

Energiesparlampen schonen das Klima, weil sie viel weniger Strom verbrauchen als die alten Glühbirnen. Doch wenn sie zerbrechen, ist Vorsicht angesagt – vor allem, wenn sie Quecksilber enthalten. mehr

Kotzhügel und Zaun: Botschaften ...

Das Tanzen auf den Tischen ist nicht erlaubt. Foto: Felix Hörhager

Der Besuch des Oktoberfestes kann ein großes Abenteuer sein. Damit alles glatt geht, geben einige Botschaften ihren Landsleuten nützlich Ratschläge an die Hand. mehr

Studie: Meiste Reiche leben in ...

Weltweit gibt es immer mehr Millionäre. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Reichen. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Capgemini hervor. mehr