Spotted Ulm: Wie Facebook Zufallsbekanntschaften zusammenbringt
Wie nur den süßen Typen aus der Uni-Bibliothek wiederfinden oder das Mädchen, das einen an der Supermarktkasse so nett angelächelt hat? "Spotted: Ulm" verbreitet anonyme Suchanzeigen und macht sich dabei das Netzwerk von Facebook zunutze.
Autor: CHRISTINE LIEBHARDT |Seit ein paar Wochen boomt „Spotted“, wie alles Gute und Schöne aus dem angelsächsischen Raum importiert, auch in Deutschland. „To spot“ heißt bemerken oder entdecken, aber auch ausfindig machen. Ende Dezember fing es mit „Spotted: Stabi München“ an, 14.000 Fans hat die Seite des „Laufstegs des Lernens“ mittlerweile – und sie ist voller plumper Anmachsprüche von jenen, die niemanden Speziellen, sondern zuallererst einen Partner für den Geschlechtsverkehr suchen.
An der Donau geht man es bescheidener an: Zwei große „Spotted: Ulm“-Seiten gibt es seit Anfang Januar, beide haben um die 1000 Mitglieder, „Spotted: Ulm Nightlife“ kommt auf knapp 1400 Anhänger. Auch die Hochschulen in Ulm und Neu-Ulm haben eigene Spotted-Seiten. Und sogar das Ulmer Scholl-Gymnasium. Was die Frage aufwirft, weshalb sich dort die Schüler so schnell aus den Augen verlieren, dass sie sich erst übers Internet suchen müssen, um sich wieder zu finden.
Besonders anziehend wirken scheinbar Menschen, die im Club Frau Berger, im Myer’s und in der Hirschstraße unterwegs sind – zumindest werden sie oft gesucht: „An den Schnuggi von der Berger mit dem gestreiften T-Shirt und der Cap. Das nächste Mal tanzt du lieber mit mir anstatt den anderen Mädels.“
Das Prinzip von „Spotted“ macht sich den großen Adressatenkreis von Facebook zunutze. Wer den Gesuchten kennt, kann einen Kommentar hinterlassen und direkt auf sein Profil verlinken. Auf einer der beiden „Spotted: Ulm“-Seiten werden gar Fotos von den Gesuchten hochgeladen. Wehren kann man sich als Gesuchter kaum – auch wenn man nicht von jedem, dem man einmal sein Lächeln geschenkt hat, gleich gefunden werden will. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten missbräuchlicher Nutzung von Stalkern und anderen, die einem aus welchen Gründen auch immer nachstellen.
Es war einmal eine schwierige, bisweilen unmögliche Angelegenheit, jenen Fremden ausfindig zu machen, mit dem man im Zugabteil bedeutungsschwere Blicke ausgetauscht hatte. Doch aus, vorbei sind die Zeiten, in denen eine verpasste Gelegenheit verpasst blieb. Endlich weiß der H&M-Verkäufer aus der Hirschstraße, wie schön er wirklich ist. Und alle anderen auch.





