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Spedition Stamm: Freiheitsstrafen für zwei frühere Manager

Bei Insolvenzverschleppung und fehlenden Bilanzen kennt das Amtsgericht Ulm kein Pardon. Zwei frühere Geschäftsführer der Spedition Stamm wurden am Montag zu Freiheitsstrafen verurteilt - auf Bewährung.

FRANK KÖNIG |

Die zweite Insolvenz der Spedition für Spezialtransporte und Betriebsverlagerungen Stamm hat ein Nachspiel. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Walter Waldenmaier verurteilte die zwei früheren Geschäftsführer gestern zu Freiheitsstrafen auf Bewährung sowie Geldauflagen. Der Tübinger Investor, der das Unternehmen 2003 von Insolvenzverwalter Michael Pluta erworben und von Neu-Ulm ins Ulmer Donautal übersiedelt hatte, erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und muss in Raten 1200 Euro an die Lebenshilfe überweisen. Der eher kleine Betrag ist seiner schlechten finanziellen Lage geschuldet.

Der zweite Geschäftsführer aus dem Alb-Donau-Kreis, der eigentlich nur für die technischen Belange verantwortlich war, letztlich aber Ende 2010 den Insolvenzantrag stellte, erhielt neun Monate und muss 2400 Euro bezahlen. Er ist wieder für eine regionale Spedition tätig. Richter Waldenmaier vertrat den Standpunkt, die Firma Stamm sei Anfang 2009 bereits überschuldet und zahlungsunfähig gewesen. Erschwerend kam hinzu, dass die letzten Bilanzen nicht mehr ordnungsgemäß erstellt wurden.

Bereits 2006 hatte es einen Insolvenzantrag des Finanzamts Ulm gegeben, der nach einer Kapitalzufuhr der zwei geschäftsführenden Gesellschafter von 100 000 Euro zurückgenommen wurde. Von da an habe es jedoch eine "steigende Unterdeckung" der Ausgaben durch Einnahmen gegeben, sagte Waldenmaier. In der Folge wurden Löhne teils erst mit wochen- oder monatelanger Verspätung ausbezahlt.

Die Gesellschafter verkauften die Aktivitäten des Betriebs daher an einen neuen Investor aus Kaufbeuren, der die Spedition unter dem Namen Stammplus mit 30 Mitarbeitern nun wieder erfolgreich führt.

Die alte Firmenhülle bestand weiter und sollte von dem Tübinger Geschäftsführer liquidiert werden. Dazu wurde den Gläubigern eine Quote von 30 Prozent auf ihre Forderungen angeboten. Der Sanierungsplan lief anfangs anscheinend gut, wurde aber von der kaufmännischen Seite nicht konsequent genug umgesetzt - während der technische Geschäftsführer schon einen neuen Job hatte. Er stellte auf Initiative von Gläubigern erst Ende 2010 Insolvenzantrag beim Amtsgericht. Waldenmaier: "Beide haben das mehr oder weniger verdrängt."

Auch Staatsanwalt Kurt Bittelmeyer hielt es für klar, dass sich Stamm spätestens 2009 in einer kritischen Situation befand. Es habe mit der "Liquidität nicht geklappt". Nach einer Kündigung der Kredite durch die Volksbank Neu-Ulm hätten später auch Sparkasse und Commerzbank keine Kreditlinien eingeräumt. Der Gerichtsvollzieher sei öfter in den Firmenräumen in der Dieselstraße gewesen. Bittelmeyer plädierte wegen Bankrottdelikten auf Freiheitsstrafen über einem Jahr.

Der Stamm-Geschäftsführer aus dem Raum Ehingen wurde von Insolvenzspezialistin Dorothee Lang-Dankov vertreten. Sie wies darauf hin, dass ihr Mandant im Glauben an das Unternehmen 60 000 Euro eingeschossen habe. Der Sanierungsplan sei durchaus erfolgversprechend gewesen. Der Manager selber sagte, es sei ihm in erster Linie darum gegangen, die Arbeitsplätze seiner Kollegen zu erhalten, die er schon aus der Zeit kannte, als die namhafte Spedition - auch versiert in Maschinenverlagerungen - noch in Neu-Ulm ansässig war. Er vertrat am Rande die Meinung, die Sanierung hätte trotz insgesamt 101 Gläubigern mit einem Überschuss geendet. Der Richter hatte in einer Übereinkunft etliche kleinere Vorwürfe abgetrennt. Die Verurteilten legen keine Rechtsmittel mehr ein.

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