Sonnenfinsternis: Tausende beobachten Himmelsspektakel in Ulm

Richtig düster wurde es zwar nicht, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Die partielle Sonnenfinsternis zog in Ulm und Neu-Ulm Tausende Menschen in ihren Bann. Bloß die Tiere blieben cool.

SOPHIE JANJANIN, ... |

Das groß angekündigte Spektakel war dann doch erstaunlich unspektakulär. Als sich zwischen 9.30 und 11.30 Uhr der Mond teilweise vor die Sonne schob, wurde es zwar etwas kälter auf dem Münsterplatz. Aber nicht duster. Hunderte verfolgten das Ereignis dort trotzdem gemeinsam.

„Durch die Brille sieht man nur das Wichtigste, nämlich nichts anderes außer der Finsternis.“ Julia Helm (28) aus Ulm sitzt auf dem Münsterplatz, um sich die Sonnenfinsternis anzuschauen. „Es ist ganz schön kalt geworden in der letzten Stunde und der Platz füllt sich immer mehr“, sagt die 28-jährige. Sie hatte kurzfristig noch eine Brille ergattern können: Ein Kollege hatte seine von der totalen Sonnenfinsternis 1999 aufgehoben. „Damals war das surreal, ich konnte es gar nicht richtig begreifen. Ich bin gespannt, wie es dieses Mal wird.“

Mit seinen WG-Freunden sitzt der Ulmer Fabian Bräger (25) auf dem Münsterplatz und macht Picknick. „Wir machen es genau so, wie man es nicht machen soll.“ Der 25-Jährige schaut durch zwei CDs in die Sonne, die teilweise vom Mond verdeckt wird. „Man darf aber nur eine Sekunde lang reinschauen, sonst ist das zu gefährlich“, sagt Bräger. Das Fotografieren mit der CD vor der Kamera funktioniere aber leider nicht.

Beim Hobby-Fotografen funktioniert das Fotografieren. Dafür hat Benni Bayer (31) aus Holzheim die spezielle Folie einfach über die Linse geklebt. Er möchte ein Bild der Finsternis, auf dem auch das Münster drauf ist. „Das ist was ganz anderes als 1999, weil ich damals noch nicht fotografiert habe.“ Eine Brille hat er nicht gekauft, „Ich schaue einfach durch meine Kamera zu.“

Auch Iris Graf (54) aus Ulm hat keine Sonnenfinsternis-Brille. „Wir waren vorher einen Kaffee trinken und sind spontan zum Optiker. Der hat uns dann ein Stück Sonnenfinsternis-Folie gegeben.“ Sie habe erst am Donnerstag von der Finsternis erfahren, da seien alle Brillen schon ausverkauft gewesen. „Ich bin froh hergekommen zu sein, es ist schön, dass die Ulmer gemeinsam die Finsternis anschauen.“

„Wir finden es toll, neben dem Münster als Sehenswürdigkeit auch noch die Sonnenfinsternis zu erleben“, sagt Bettina Schwarz (54) aus Würzburg, derzeit beruflich in Ulm. Eine Sonnenfinsternis sehe sie zum ersten Mal, da sie bei der totalen Finsternis im Jahr 1999 Pech mit dem Wetter hatte und deshalb nichts mitbekam. Nicht alle haben dieses Jahr Glück: „Ich kenne einen Lehrer, der sagt, dass alle Schüler heute Regenpause haben. Sie müssen also drin bleiben, um sich durch das starke Licht bei der Finsternis die Augen nicht zu verletzen“, sagt Schwarz.
 


An anderen Schulen hatte man aber gut geplant und es wurde – mit Ausnahme der Abiturienten – gemeinsam geschaut, wie am Anna-Essinger-Gymnasium. Lehrer Ulrich Haug hatte 50 Brillen besorgt, damit alle Schüler, die wollten, das Naturschauspiel beobachten konnten. Antonella Canonico, die mit ihrer Klasse 6f schaute, war begeistert: „Das war faszinierend, vor allem weil es das ja so bald nicht wieder gibt.“

Wie haben sich Pferde und Kühe verhalten? „Die haben gar nichts gemerkt, ein Pferd wurde in der Zeit sogar vom Hufschmied beschlagen“, sagt Claudia Raiber. Sie betreibt mit ihrem Mann Christoph Raiber das „Pferdeparadies“ unterhalb des Wiblinger Klosters. Einige der 60 Pferde werden in einem Laufstall in Gruppen gehalten. Aber auch dort blieb alles ruhig. „Die Vögel zwitscherten und die Katzen sprangen herum“, berichtet Claudia Raiber auch von anderen Tieren. „Die Lichtverhältnisse waren ja nur so, als ob sich eine Wolke vor die Sonne geschoben hat.“

Erich Ruhland aus Ulm-Lehr hat derzeit 120 Kühe und 35 Kälber in seinem modernen hellen Boxenlaufstall. Die Kühe werden im Melkstand gemolken und können sich sonst frei im Stall bewegen, im so genannten Fressgitter fressen oder in offenen „Boxen“ liegen. Genauso individuell und normal haben sie sich auch Vormittag verhalten, erzählt der Landwirt. Er selbst hat nur festgestellt, „dass es insgesamt etwas kühler wurde“. Dass sich die seltene Konstellation auf die Milchproduktion auswirkte, verneint Ruhland. „Das wird erst am 29. März ein Problem, wenn die Uhren auf Sommerzeit umgestellt werden.“

Stresstest bestanden

Netze In den Stromnetzen der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm hat es während der Sonnenfinsternis „zu keinem Zeitpunkt“ Störungen gegeben, erklärt Pressesprecher Bernd Jünke. Die Schwankungen hätten im normalen Bereich gelegen. Hilfreich seien vor allem die Vorbereitungen der Betreiber vorgelagerter Netze gewesen.

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Partielle Sonnenfinsternis über Ulm

Partielle Sonnenfinsternis über Ulm

Während es auf den Faroer-Inseln und Spitzbergen zu einer totalen Sonnenfinsternis kam, konnte in Ulm das Naturschauspiel auch verfolgt werden. Hier wurden immerhin fast 70% der Sonne vom Mond verdeckt.

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